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Alpina B6 Biturbo, Frontansicht 17 Bilder Zoom

Alpina B6 Biturbo im Test: Elegante BMW M6 Alternative?

Seine Bemühungen, Provokationen zu vermeiden und Duellen mit Blutsverwandten aus dem Weg zu gehen, in Ehren: Die vom Alpina B6 Biturbo im Test gezeigte Zurückhaltung hat auch etwas Trügerisches ...

Im Motorsport spricht man von Zielzeiten (engl.: Target Laptimes), wenn es darum geht, im Sinne diplomatischen Kalküls und/oder taktischer Erwägungen korrekte Rundenzeiten zu produzieren. Alpina, oder besser: Team- und Entwicklungschef Andreas Bovensiepen, weiß ein Lied davon zu singen. Als Kopf des Meisterteams im ADAC GT Masters 2011 musste er gegenüber seinen Fahrern zuweilen darauf bestehen, es nicht jedesmal zwanghaft auf Bestzeit oder Sieg anzulegen, sondern sich mit Blick auf das Große und Ganze - sprich: die Meisterschaft - auch mal mit schlechteren Zeiten respektive Plätzen zufriedenzugeben.

Das Balance of Performance-System, das jeden Ausreißer per Handicap einzufangen versteht, ist nämlich inständig darum bemüht, die Kräfte stets aufs Neue zu nivellieren. Das führt unterm Strich zuweilen dazu, dass Taktik Vorrang vor Tempo hat.

Alpina B6 zwischen BMW 650 und M6

Entsprechend dieser Maxime hat der Alpina B6 Biturbo die angesagte Target Laptime in Hockenheim auf den Punkt genau getroffen: Mit einer Rundenzeit auf dem Kleinen Kurs von 1.14,6 Minuten ist der Alpina knapp zwei Sekunden schneller als das BMW 650i Coupé im Test (1.16,5 min), mit dem der B6 seine Grundsubstanz teilt. Aber er hält einen Respektabstand zum BMW M6 im Test (1.13,2 min), dessen sportliche Vormachtstellung aus gutem Grund nicht in Frage gestellt werden durfte.

Die friedliche Koexistenz in einem von Leistungswillen einerseits und Eifersüchteleien andererseits beherrschten Sportwagen-Biotop ist den Alpina-Mannen im allgäuischen Buchloe nämlich ebenso wichtig wie die Pflege eigener Profile und Traditionen. So geht es bei Alpina seit jeher vorrangig darum, sportliche Ambitionen mit bester Fahrkultur zu vereinen. Der B6 Biturbo tut genau dies in sehr eindrucksvoller Weise.
 
Das Vorhandensein üppiger Kraftpotenziale äußert sich bei ihm nicht in protziger, lauter oder gar vulgärer Weise. Dem leichtfertigen Umgang mit 540 PS steht das typische Alpina-Gen entgegen, das den Fahrer tendenziell eher zu einem distinguierten Auftritt verführt - meistens jedenfalls.
 
Die reizenden, unterschwelligen Andeutungen seiner mächtigen Ressourcen - wunderbar belegt durch tieffrequenten, niemals laut empfundenen V8-Sound und die grandiosen Drehmoment-Vorführungen schon knapp über Leerlaufdrehzahl - schaffen mit sofortiger Wirkung ein extrem hohes Maß an Zufriedenheit.

Alpina B6 ist schneller als BMW M6

Er kann, wie die Fahrleistungen belegen, aber auch anders. Mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h schiebt sich der Alpina B6 sogar deutlich am BMW M6 vorbei, der bei 305 km/h die Segel streichen muss. Nur in den Sprintwerten im Test muss sich der B6 dem M6 beugen: Bis 100 km/h sind es drei Zehntel und bis 200 km/h 1,1 Sekunden, um die sich der Alpina geschlagen geben muss.

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Das Organisieren der extrem kultiviert dargereichten, nichtsdestotrotz brachialen Alpina B6 Biturbo-Power hat, zumindest im manuellen Modus der Achtgang-Automatik, allerdings denselben hohen Unterhaltungswert - Zwischengasstöße beim Herunterschalten inklusive.

Gangwahl sollte per Fingertip erfolgen

Die virtuose Schaltschematik des ZF-Automaten namens Switch-Tronic nimmt jedoch im automatisierten Sport-Modus etwas nervöse Formen an, weshalb sich die Gangwahl per Fingertip auf Dauer doch als die vorzüglichste durchsetzt.
 
Schließlich sind die Wunder grandioser Drehmomentberge in ihrer reinsten Form grundsätzlich nur im manuellen Modus erlebbar, weil die Gänge, in dem sie am besten zur Geltung kommen, gehalten und nicht von der Automatik zugunsten niedrigerer Gangstufen ausgetauscht werden.

Alltagstauglich trotz Sporttalent

Das Sporttalent des Alpina B6 Biturbo drängt sich im Alltag aber keineswegs so dominant in den Vordergrund, wie die gute Rundenzeit suggeriert: gepflegter Abrollkomfort, dazu geringe Fahrgeräusche und die völlig Abwesenheit von irgendwie gearteter Nervosität.
 
Gediegenheit und Perfektion sind aufs Edelste vereint, Alpina-typisch angereichert mit klassischen Architektur-Details wie der Edelholzausstattung aus Myrte-Wurzelholz. Das bedeutet aber auch: Für ausgewiesene Fahrdynamik-Junkies könnte der sportliche Charakter nicht offenkundig genug herausgearbeitet, die Lenkung etwas direkter und die Agilität damit etwas ausgeprägter sein. Auch die Bremsanlage wäre mit höheren Verzögerungsleistungen besser in der Lage, den hohen Vertrauensvorschuss zu rechtfertigen, der in Anbetracht der ihr aufgebürdeten Energieleistung in sie gesetzt werden muss. Gut zu wissen, dass das beruhigende Alpina-Gen bösartige Rennsport-Exzesse zu verhindern weiß ...

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

16. April 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 02/2013.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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