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Aston Martin DBS Volante im Test: Was kann das Cabrio für eine Viertelmillion?

Der Aston Martin DBS Volante für 255.940 Euro muss vor Langfingern geschützt werden - ob bei Sonnenschein oder in der Nacht. sport auto hat das Luxuscabrio mit 517 PS und Stoffverdeck nicht nur behütet, sondern auch getestet.

Für alle, die den Namen unbedingt beim Thema Aston Martin einmal erwähnt haben wollen: bitte schön, James Bond. Wer in den folgenden Zeilen beim Test mehr über 007, Miss Moneypenny und Co. erwartet, braucht nicht weiterzulesen. Der Aston Martin DBS Volante Cabrio hat es nicht verdient, in phrasengeschüttelten, aber nicht gerührten Plattitüden-Cocktails immer nur die zweite Geige hinter seinem Lenker auf der Kino-Leinwand zu spielen. Vor allem der Aston Martin DBS mit Stoffkapuze namens Volante will nur eins - im Mittelpunkt stehen.

Cabrio für Genießer

Vollgas und los? Nein, nicht doch. Slow Food statt Fast Food lautet die Devise beim Einstieg in einen der schönsten Sportwagen unserer Zeit. Die autoaffinen Geschmacksnerven sollten im Aston Martin DBS Volante-Interieur Gourmet-empfänglich sein. Der Gruß aus der Küche ist hier vielfältig - delikate Vorspeisen ebnen im Cabrio den Weg zum Fahrerlebnis.

Hier die Rundinstrumente mit geläufigen Zeigern, dort die Hochtöner der Bang & Olufsen-Konzertanlage, die auf Knopfdruck wie Miniatur-Ufos aus dem Instrumententräger hervorschweben. Und erst diese kleine Schale aus geschliffenem Kristallglas, die Banausen profan Aschenbecher nennen. Im Aston Martin DBS Volante Cabrio sammelt sie Zigarrenüberreste und ähnlich Verrauchtes mit derartiger Eleganz, dass auch militante Nichtraucher sich sofort eine Cohiba anstecken wollen. Die Qualitätsanmutung im Meer aus Klavierlack und Leder ist auf den ersten Blick gut - doch für eine Eins mit Sternchen reicht es beim Testwagen nicht.

Luxuswagen mit kleinen Fehlern

Sich lösende Verkleidungsteile im Interieur und an der Verdeckmimik des Cabrios könnten beim Grundpreis im Wert von zwei Porsche 911 GT3 Unmut bei der Kundschaft auslösen. Für Nervosität unter elitären Aston Martin DBS Volante-Käufern könnte auch Regen sorgen. Auf der Heckklappe gesammeltes Wasser läuft dann nämlich beim Öffnen des Heckdeckels bis zum Anschlag direkt auf die Louis Vuitton-Taschen im Kofferraum - gut, dass es bei uns nur ein Plastikkoffer mit Messgeräten war.

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Heute wird keiner nervös - außer dem 60-Grad-V-Mammutmotor mit 517 PS, wenn wir ihn noch länger warten lassen. Seine Kraft schöpft das Prachttriebwerk aus zwölf Halbliter-Pötten. Herrlich, eine der letzten Super Plus-Enklaven fernab von jeglichen E-Motor-Grübeleien. Mit einem Hauch Krawall faucht der großvolumige V12 wie eine Raubkatze nach dem Anlassen giftig auf, um dann in zurückhaltendes Gurgeln zu verfallen. Der Aston Martin DBS Volante lebt seine Eleganz auch akustisch. Derbes Auspuffrotzen à la Lamborghini Gallardo ist nicht sein Ding.

Auf Knopfdruck in 14 Sekunden frische Luft

Wer die Zwölfton-Sinfonie ungefiltert erleben will, für den lässt das Aston Martin Cabrio auf Knopfdruck in 14 Sekunden die Hüllen fallen. Doch für die Tempobolzerei mit Messgerät zählt nicht der Klangteppich, sondern die bestmögliche Aerodynamik - also Verdeck wieder rauf.

Wie der Aston Martin DBS im Supertest kämpft auch der DBS Volante beim Beschleunigen mit Traktionsproblemen. Eine Zehenbewegung zu viel am Gaspedal - und aus den hinteren Radkästen raucht weißer P Zero-Qualm. Der 108 Kilogramm schwerere Stoffdach-Kollege ist beim Sprint auf 100 km/h mit 4,9 Sekunden drei Zehntel langsamer.

Traumsportler mit Ecken und Kanten

Wer die 517 Pferde das Aston Martin DBS Volante schnell auf Trab bringen will, stößt sich beim Durchreißen der Gänge mit dem massiven Schaltstock an der ungünstig positionierten Armlehne schon einmal den Ellbogen. Die Touchtronic genannte ZF-Sechsgangautomatik wechselt die Gänge gegen Aufpreis zwar eine Spur zügiger und zielsicherer, das Zusammenspiel aus etwas schwergängiger Kupplung und sechs präzisen Gassen des manuellen Sechsganggetriebes passt aber besser zum ehrlichen DBS-Charakter. So wird ein Traumsportler geschnitzt - mit Ecken und Kanten.

Angesichts der Leibesfülle liegt der Gedanke nahe, der Aston Martin DBS Volante sei nur ein hübscher Flaneur, der sein Leben auf Prachtboulevards fristet. Während der mit Außenspiegeln 2,06 Meter breite Luxusliner in der Stadt mit etwas indifferentem Lenkverhalten so behäbig zwischen Kleinwagen hindurchmanövriert wie die Abramovich-Yacht zwischen mallorquinischen Fischerjollen, rennt das Cabrio verblüffend leichtfüßig über den kleinen Kurs von Hockenheim.

Super Feeling auf der Rennstrecke

Dank der Transaxle-Bauweise ist der Aston Martin DBS Volante mit einer sehr guten Achslastverteilung von 50,8 zu 49,2 gesegnet. Obwohl die Cabrio-Karosserie bauartbedingt nicht die Steifigkeit des Coupés besitzt, pflügt der Brite mit aktiviertem Sportmodus und adaptiven Bilstein-Dämpfern in straffester Hab-Acht-Stellung sehr sicher und stabil über die Piste.

Die Leistungsentfaltung des Zwölfzylinder-Saugers erfolgt sanft, und das Heck neigt auch mit deaktivierter Traktionskontrolle nur im Extremfall zum Übersteuern. Dank guter Traktion bleibt der Aston lange neutral und keilt nie hinterlistig aus. Auch die Schwäche der im Alltag indirekt wirkenden Lenkung fällt im straffen Dämpfermodus auf der Rennstrecke kaum auf, da die Karosseriebewegungen spürbar weniger werden und der Aston Martin DBS Volante Lenkbefehle zackiger annimmt.

Aston Martin DBS Volante ist kein Cabriolet für die Massen

Nach dem überzeugenden Hockenheim-Auftritt der Cabrio-Version schätzt man es noch mehr, dass Aston Martin-Chef Ulrich Bez jährlich beim 24-Stunden-Klassiker auf der Nordschleife trotz nähernden Rentenalters in den Rennoverall schlüpft und jedem neuen Modell selbst das Prädikat "echter Sportwagen" abverlangt.

Auf die Frage nach den kleinen Verarbeitungs-Nicklichkeiten des aktuellen Testkandidaten würde der sportive Manager wahrscheinlich, wie einst auf die Frage nach dem Unterschied zwischen den Produkten seines vorherigen Arbeitgebers aus Stuttgart-Zuffenhausen und den extravaganten Karossen aus dem britischen Gaydon, lässig entgegnen: "Wir sind ja auch kein Massenhersteller." Recht hat er.

Christian Gebhardt

Foto

Rossen Gargolov

Datum

14. Juli 2012
Dieser Artikel stammt auf Heft sportauto 11/2010.
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