Alles über Aston Martin Rapide
Aston Martin Rapide, Frontansicht 18 Bilder Zoom

Aston Martin Rapide im Test: Edle V12-Familienkutsche mit 477 PS

Mit 398 Euro pro PS zählt der Aston Martin Rapide fraglos zu den teureren Angeboten in der Klasse der viertürigen Sportcoupés. Mit seinem klassisch-eleganten Design, dem 6,0-Liter-V12 unter der Haube und vier Einzelsitzen im Greenhouse aber auch zu den edleren.

Die erste Kontaktaufnahme mit dem Aston Martin Rapide seitens sport auto war eine ungewollte. Frühjahr 2010, ein Vorbereitungsrennen für den legendären 24h-Rennen am Nürburgring. Ausgang der Hohen Acht wird es eng zwischen dem erstmals am Start befindlichen Rapide Rennwagen und dem Focus RS des Teams FH Köln Motorsport powered by Ford. Zu eng für den Aston Martin. Die an römische Streitwagen erinnernden, weit herausstehenden Radschrauben des Focus fräsen ein unschönes Loch in das hintere Seitenteil des eleganten Viertürers.

Ungewollte Begegnung auf der Nordschleife

Im Gegenzug hinterlässt der Aston Martin Rapide einen markanten Felgenabdruck an der Ford-Flanke. Mehr passiert glücklicherweise nicht: Beide Autos setzen den Nordschleifenritt ungehindert fort. Die zweite Begegnung ein knappes Jahr später ist hingegen von langer Hand geplant. Sicher: Aston Martin positioniert den Rapide weit weniger stark in der sportlichen Nische als Porsche den Panamera Turbo oder Mercedes den CLS 63 AMG.

Aber in Anbetracht des mit der Kraft von 477 Pferden antretenden V12-Saugmotors unter der lang gestreckten Haube lohnt der Blick über den Kanal allemal. Knapp über 1,9 beziehungsweise zwei Tonnen Gewicht schleppt schließlich auch die Stuttgarter V8-Biturbo-Konkurrenz mit sich herum. Und jener blieb der bei sport auto übliche Ausflug nach Hockenheim ja bekanntlich gleichfalls nicht erspart. Wer will, muss halt auch.

Komfortable Familienkutsche für Langstrecken

Aber beginnen wir den Test mit dem ureigensten Einsatzgebiet des mit 5,02 Meter Länge größten und dank vier vollwertigen Sitzen und ebenso vielen Türen sowie einem erklecklichen Maß an Kofferraum einzig wahrhaft familientauglichen Aston Martin Rapide - dem überaus gediegenen Überwinden weiter Entfernungen. Passagiere finden vorn wie hinten komfortabel Platz und Halt in filigran gezeichneten, mit feinem Leder bezogenen und exzellent konturierten Sitzschalen.

Riesig ist der Beinraum im Fond des Aston Martin Rapide zwar nicht, aber Jugendliche bis 1,75 Meter Größe wissen, wohin mit ihrem Fahrgestell. Angelehnt an die äußere Bordwand oder die hochgezogene Mittelkonsole mit Staufach, Flaschenhaltern und individuell regelbarer Klimaanlage ist ein geruhsames Nickerchen für den Nachwuchs ebenso drin wie ein abwechslungsreiches Entertainment-Angebot.

Auto-Kino auf dem Rücksitz

Letzteres gilt allerdings nur, wenn das aufpreispflichtige, in die Kopfstützen der Vordersitze integrierte Flachbildschirm-Set für den Aston Martin Rapide geordert wurde. Die Monitore lassen sich von vorn und hinten einzeln ansteuern und gewähren so ein Maximum an Individualität. Im Testwagen sorgte die mit großem Jubel begrüßte Möglichkeit des Filmgenusses (ein Sechsfach-DVD-Wechsler befindet sich im Kofferraum und ist tunlichst vor dem Beladen zu bestücken...) im Verlauf der Reise indes für Frust. 

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Wurde die Reisegeschwindigkeit zu hoch oder die Straßen zu schlecht, Aston Martin offeriert mit dem Rapide ein exklusives und nahezu perfektes, aber auch sehr teures Paket für den gediegenen Familienausflug kam der Laser des Abspielgerätes wiederholt ins Hudeln. Dann zierte den blauen Bildschirm nurmehr der Vermerk "DVD-Error". Auf den darauf folgenden Kommentar der Nachwuchs-Piloten sei an dieser Stelle verzichtet. 

Sound vom Feinsten - vom Motor und der Audioanlage

Für Fahrer und Beifahrer, die sich dank des mitgelieferten, kabellosen Kopfhörersets für die Fondpassagiere ungestört auf die soundstarke Bang & Olufsen-Musikanlage einlassen können, gerät das Kilometerfressen hingegen zum (beinahe) ungetrübten Genuss: Die voluminöse Zwölfzylinder-Fanfare betört ein ums andere Mal die Sinne, die serienmäßige Sechsgangautomatik überzeugt vor allem im Sport-Programm, weil jenes die insgesamt etwas zu lang geratene Übersetzung durch situationsgerechtes und zügiges Herunterschalten geschickt überspielt.

Die manuelle Gangwahl mittels Schaltwippen am Lenkrad ist gleichfalls drin, bedingt aber, dass der Fahrer sich der verbrauchsoptimierten Getriebeübersetzung stets bewusst ist. Im unteren Drehzahlbereich legt der Aston nämlich ein eher verhaltenes Temperament an den Tag. Erst an der Tankstelle gibt der hinterradgetriebene Brite jedwede Zurückhaltung auf. Mit rund 20 Liter Durchschnittsverbrauch muss rechnen, wer den Rapide seinem Namen gemäß flott über die Autobahn treibt. Dafür geraten Spurstabilität und Geradeauslaufverhalten so stoisch wie der sprichwörtliche Gleichmut der Briten gegenüber dem launischen Inselwetter.

Kleine Reichweite trotz großem Tank

240 km/h fühlen sich hinterm Volant glatt wie deren 160 an. Abzüge in der Alltagswertung fährt der viertürige Aston Martin Rapide demnach einzig für seine trotz des 91-Liter-Tanks nicht sonderlich beeindruckenden Reichweite und sein nicht auf Anhieb selbst erklärendes Bedienkonzept ein. Für eingefleischte Aston-Piloten dürfte jenes freilich kein Problem darstellen.

Bei den anschließenden Performance-Tests weiß der schlanke Brite mit dem kräftigen Knochenbau ebenfalls zu überzeugen. Der 0-100-Sprint gelingt dem Aston Martin Rapide binnen 5,2 Sekunden, 200 km/h liegen nach 17,5 Sekunden an. Die zugunsten geringerer ungefederter Massen mit Stahl-Aluminium-Scheiben und Sechskolbensattel vorn versehene Bremse hält kalt wie warm, und auch die im auf 18 Meter Abstand gesteckten Slalomparcours erzielte Durchschnittsgeschwindigkeit ist mit 67,6 km/h für ein Auto dieser Größen- und Gewichtsklasse durchaus ehrenwert.

Rapide ist nur bedingt rennstreckentauglich

Absolut sicher, mit perfektem Halt an der Hinterachse und einem im Falle bewusst provozierter und zielführend eingesetzter Lastwechsel hervorragenden Einlenkverhalten schnürt der Aston Martin Rapide vorbildlich neutral durch die Pylonengasse. An Fahrverhalten und Tempo gibt es auch bei der abschließenden Zeitenhatz auf dem Kleinen Kurs nichts zu meckern.

Was das Handling als solches angeht, gerät der edle Aston Martin Rapide aufgrund seines mit 2.037 Kilogramm doch sehr stattlich ausgefallenen Lebendgewichts in dieser Disziplin dann allerdings doch an seine Grenze. Die im Aston Martin Rapide realisierte Rundenzeit von 1.15,7 Minuten fällt objektiv flotter aus, als die Fahrt selbst aus subjektiver Sicht anmutet. Spät bremsen und nahezu zeitgleich einlenken ist ebenso wenig wie im zweiten Gang aus der Ameisen- oder Sachskurve herausbeschleunigen.

Im erstgenannten Fall schiebt die Masse schlicht geradeaus, im letztgenannten geht mangels Sperre ein Großteil der zur Verfügung stehenden Kraft in Rauch auf. Wer die schnelle Sache einen Tick verhaltener angeht, mit einer gewissen Schwerfälligkeit leben kann und nicht das Letzte erzwingen will, kann sich mit dem Aston Martin Rapide jedoch getrost auf die Rennstrecke trauen. Gutmütig ist der stattliche Brite nämlich allemal. Für die ungewollte Kontaktaufnahme beim Vorbereitungsrennen zu den 24 Stunden am Nürburgring des Jahres 2010 sind demnach andere Gründe zu bemühen.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Ausgabe

Heft 06/2011
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