Audi A1 Quattro im Test: Was kann der stärkste Serien-Kleinwagen?

Audi A1 quattro, Seitenansicht

Auch wenn er die illustre Ziffer im Namen trägt: Eine 1 im Abschlusszeugnis dürfte sich der Audi A1 Quattro aller Leistungsfähigkeit zum Trotz im Test kaum verdienen. Die begrenzte Verfügbarkeit und der stolze Preis stehen dem entgegen.

„Haben wollen!“ Wer dem weiß-schwarzen Audi A1-Editionsmodell zum ersten Mal in die mit einem roten Lidstrich versehenen Augen schaut, und ein Faible für kleine starke Autos besitzt, wird diesem Reflex kaum widerstehen können.

Okay: Ein Fall für Jedermann ist der 256 PS starke Allradler sicher nicht. Schließlich wird er nur 333 Mal gebaut. Und 49.900 Euro haben wohl auch nur die wenigsten Menschen im heimischen Sparstrumpf stecken. Zwei handfeste Argumente gegen den Kauf wären damit ausgemacht.

Audi A1 Quattro ist gut ausgerüstet

Es gibt jedoch auch mindestens ebenso viele dafür. Wer außer Audi zaubert nämlich sonst eine derart stattliche Zahl an Pferdestärken aus einem vergleichsweise kleinen Vierzylinder-Motor, koppelt diese an einen traktionsfördernden Allradantrieb mit Haldexkupplung und eine elektronisch gesteuerte Differenzialsperre (XDS) und stattet das schmucke und mit 3,99 Meter Länge angenehm kompakte Ganze beim Ausi A1 Quattro zudem noch mit allem aus, was gut und teuer ist.
 
Xenonlicht, mit Handschuhweichem Nappaleder bezogene Sportsitze, 18 Zoll große weiß lackierte Turbinenräder sowie ein Infotainment-Center nebst Navigationssystem und WLAN-Option müssen in diesem Fall nicht erst umständlich aus einer ellenlangen Aufpreisliste zugekauft werden. Ohne ist der weiß-schwarze Zweitürer erst gar nicht zu haben.

Dass ein so ausgestatteter Kleinwagen beim Leistungsgewicht keinen Aha-Effekt auslöst, liegt auf der Hand: Mit 1.434 Kilogramm gehört der bayerische Allradler fraglos zu den stämmigeren Vertretern seiner Gattung. Ein Mini John Cooper Works baut rund 200 Kilo leichter.

Zweiliter-Turbo ist potent, aber durstig

In Anbetracht des sich zwischen 2.500 und 4.500 dem südafrikanischen Tafelberg gleich auftürmenden Drehmoment-Plateaus von 350 Newtonmeter ist das beträchtliche Kampfgewicht jedoch zu verschmerzen. Im täglichen Umgang mutet der Audi A1 Quattro keineswegs träge an. Dafür müssen Eigner des limitierten Editionsmodell mit einem üppigen Spritverbrauch leben. Unter zehn Liter Super ging im Testmittel gar nichts. Im Durchschnitt ließ sich der kleine Audi A1 Quattro während seines Verbleibs in der Redaktion gar 13,3 Liter durch die Kehle rinnen.

Damit geht auf der Hockenheimer Messgeraden denn allerdings auch einiges. Ohne nennenswerten Schlupf an den Antriebsrädern springt der 1,4-Tonner binnen 5,9 Sekunden vom Stand weg auf 100 km/h. Das macht dem Ingolstädter in dieser Klasse so leicht keiner nach. Tempo 180 liegt nach gleichfalls flotten 19,2 Sekunden an. Das leichte Turboloch unterhalb 2.000 Touren spielt beim Katapultstart keine Rolle und geht in diesem Umfeld als charakterbildend durch.
 
Auf der Bremse zeigt der Viersitzer, in dessen Fond sich allenfalls Kinder gut aufgehoben fühlen, gleichfalls eine ordentliche Performance. Kalt wie warm kommt der mit 312 Millimeter großen Scheiben vorn versehene Audi A1 Quattro im Test aus 100 km/h spätestens nach 37 Metern zum Stehen.
 
Bei der Zeitenhatz auf dem Kleinen Kurs zeigt der anfangs zackig einlenkende, dann aber ins gutmütige Untersteuern verfallende A1 quattro insbesondere bei konsequent vorgetragenen Bremsmanövern Temperament. Die frontlastige Gewichtsverteilung von 58 zu 42 Prozent bedingt ein beim harten Anbremsen leichter werdendes und in der Folge etwas nervöses Heck.

Hockenheim-Rundenzeit von 1.18,2 Minuten

Ein Phänomen, dass auch in der 180 Meter langen Slalomgasse zum Tragen kommt. Hier ist eine vorausschauende und sanfte Fahrweise gefragt, weil das rundliche Hinterteil beim harten Umsetzen zum Aufschaukeln neigt. Die Performance des starken A1 geht mit 68,1 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit im Slalom und einer Test-Rundenzeit von 1.18,2 Minuten auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim indes voll in Ordnung. Ein Hans Dampf in allen Gassen ist der kleine Allradler aufgrund seiner stattlichen Masse indes nicht.

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Anja  Wassertheurer

Autor:

SPORT AUTO, Heft 09 / 2012

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