BMW Alpina B3 S Biturbo Coupé: Kraftvolles Sport-Coupé im Test

BMW Alpina B3 S Biturbo Coupé

Das Alpina B3 S Biturbo Coupé konnte bei der ersten Ausfahrt im heimischen Allgäu auf Anhieb überzeugen. Nun muss das schmucke Bayern-Coupé im Test beweisen, ob die von 360 auf 400 PS gestiegene Leistung auch im Test positive Wirkung zeigt.

In seiner ersten Ausbaustufe und ohne das S im Namen wahrte der BMW Alpina B3 noch einen gehörigen Respektabstand zum großen BMW M-Bruder mit V8-Motor. 360 Biturbo-PS aus Buchloe standen den 420 Saugmotor-PS im BMW M3 aus Garching gegenüber.

Nun scheint es mit der Zurückhaltung des Kleinserienherstellers gegenüber dem die Rohkarossen und Basis-Technik zuliefernden Großkonzern vorbei zu sein: Dank grundlegender Modifikationen in der Motorperipherie mobilisiert der nach wie vor auf zwei Turbolader vertrauende Dreiliter-Reihensechszylinder in der Alpina-Spezifikation nunmehr bis zu 400 Pferdestärken. Damit nähert sich der Alpina B3 Biturbo zumindest nominell doch stark dem Sportmodell der M GmbH an.

Alpina bleibt optisch zurückhaltend

Dem Alpina-Anspruch des gediegenen Understatements bleibt der Newcomer dabei freilich treu. Einen markanten Nasenhöcker oder auffallend designte Außenspiegel wie beim BMW M3 sucht das Auge beim Alpina B3 S Biturbo vergebens. Dafür fällt die in Buchloe gebotene Modellpalette noch größer aus als beim Sportmodell aus dem Hause M. Während es jenes nur als Coupé, Cabriolet oder Limousine und ausschließlich mit Hinterradantrieb gibt, offeriert Alpina den Dreier mit S-Kennung darüber hinaus auch als Touring. Außer beim Cabrio ist gegen 3.000 Euro Aufpreis zudem überall wahlweise der bei BMW xDrive genannte Allradantrieb zu haben.

Der Kundenkreis, der bei Alpina auf seine Kosten kommt, ist somit ein größerer, wenngleich voraussichtlich kein weniger gut betuchter. Unter 61.200 Euro ist der schmucke Alpina B3 Biturbo nämlich nicht zu haben. Dafür gibt‘s die viertürige Limousine mit Hinterradantrieb. Teuerstes Alpina B3 S-Modell ist das gleichfalls hinterradgetriebene Hardtop-Cabriolet. Jenes wechselt ab 70.600 Euro den Besitzer.

Eine exzellente Ergonomie und feine Materialien im klassisch-edel gehaltenen Innenraum des Alpina B3 Biturbo sind darin ebenso enthalten wie das BMW-Business-Radio mit CD-Spieler, das Xenon-Licht inklusive Scheinwerfer-Reinigungsanlage oder die Alpina-Edelholzausstattung. Die beim Testwagen montierten 19-Zoll-Räder im Dynamik-Design kosten hingegen Aufpreis und sorgen anfangs für Verwirrung.

Versteckspiel mit den Ventilen

Wo bitte sind die Ventile, mit denen sich der Reifendruck prüfen lässt? Hinter den abschließbaren Radnabenabdeckungen, lautet die Antwort. Das ist zwar schön, weil kein Ventilstift die filigrane Optik des Alpina B3 Biturbo stört, erschwert jedoch die im Test bei Sidesteps auf die Rennstrecke erforderliche spontane Verminderung des Reifendrucks, weil zum Druckablassen in diesem Fall zuvor der Schlüssel zu bemühen ist.

Vielleicht weist dieser Umstand jedoch auch darauf hin, dass Alpina den Einsatzzweck des Alpina B3 Biturbo S primär gar nicht abseits öffentlicher Straßen sieht. Diese Annahme wird von dem Umstand gestützt, dass die Fahrwerksabstimmung im Gegensatz zum BMW M3 vergleichsweise komfortabel geraten ist. Das bedingt einen ausgesprochen guten Reisekomfort, bringt jedoch auch den Nachteil einer spürbaren Seitenneigung bei schnellen Kurvenfahrten mit sich.

In der Folge ist das subjektiv wie objektiv deutlich potentere 400-PS-Modell nicht in der Lage, dem 360 PS starken Vorgänger im Test auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim oder im 180 Meter langen Slalom-Parcours den Rang abzulaufen. Im Gegenteil: Die Pylonengasse durcheilt der Alpina B3 Biturbo mit mittleren 67,1 km/h exakt ein km/h langsamer als der alte Alpina B3 Biturbo, auf dem Kleinen Kurs herrscht mit Rundenzeiten von 1.16,2 und 1.16,1 Minuten quasi Gleichstand.

Komfort wichtiger als Sportlichkeit

Da dies im Test bei der Standardbeschleunigung aus dem Stand nicht der Fall ist - hier lässt der neue Alpina B3 Biturbo den alten mit 4,7 Sekunden bis 100 und 16,2 Sekunden bis 200 km/h deutlich hinter sich (B3: 4,9 und 17,6 Sekunden) -, ist klar, dass in diesem Fall das Fahrwerk der limitierende Faktor ist. Bei dessen Abstimmung ging der Komfort offensichtlich vor dem letzten Quäntchen Sportlichkeit.

Wer den täglichen Umgang mit seinem Auto pflegt und lediglich hin und wieder einen Ausflug auf die Rennstrecke plant, wird das zu schätzen wissen. Schnell reisen lässt es sich dank des phänomenal ansprechenden Biturbo-Triebwerks, das man sich so oder ähnlich durchaus auch in der nächsten BMW M3-Generation vorstellen könnte, schließlich auch ohne knüppelharten Unterbau. Ganz so sparsam, wie der Allgäuer Hersteller verspricht, ist der BMW Alpina B3 S Biturbo im Test dabei freilich nicht. Verbräuche von unter zehn Liter Super Plus waren im Test nicht zu realisieren.

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