Das Verhältnis von BMW und Alpina ist ein ebenso inniges wie diffiziles. Man setzt auf grundsätzlich gleiches Material und gemeinsame Vertriebswege, ist sich zugleich aber auch der erste und stärkste Konkurrent. Wer als kleiner Partner in einem solchen Spannungsfeld bestehen will, braucht Zurückhaltung, Fingerspitzengefühl und Diplomatie.
Tugenden, die das kleine aber feine Familienunternehmen im Allgäu im Laufe seiner inzwischen 29-jährigen Existenz als Kleinserienhersteller zur Genüge bewiesen hat. Der Münchener Großkonzern seinerseits vertritt nach außen hin den durchaus komfortablen Standpunkt, dass jeder Alpina schlussendlich ja auch und vor allem ein BMW sei und damit gleichfalls auf die Marke mit dem weiß-blauen Propeller einzahle. Das entspannt ungemein.
Ob das Verhältnis tatsächlich so entspannt ist, wie es offiziell sein soll, lässt sich im Detail nicht ermitteln. Fakt ist jedoch, dass die Abgrenzung beider Marken voneinander aufgrund der sich sukzessive verschiebenden Produktpositionierung der Mutter inzwischen zunehmend schwer fällt. Ehedem stand Alpina vor allem für das gewisse Mehr an Komfort und Luxus, während BMW mit dem unverhohlen sportlich orientierten Wahlspruch „Freude am Fahren“ warb.
Offiziell gilt dieser auch heute noch. Tatsächlich sind die Münchener jedoch eifrig bemüht, die Punkte, die ihnen in den Vergleichstests der Fachpresse gegenüber dem schwäbischen Konkurrenten Mercedes in der Komfortwertung fehlten, wettzumachen. Das bedingt Verschiebungen im Gesamtgefüge - auch in Bezug auf BMW Alpina.
Ein überaus treffliches Beispiel hierfür findet sich in der Fünfer-Reihe. Unlängst präsentierten die etwas weiter östlich beheimateten Bayern in der gehobenen Mittelklasse einen Selbstzünder bislang nicht bekannter Stärke. Als erstes M Performance-Car bläst der Newcomer mit gleich drei Turboladern, 381 Pferdestärken und - man höre und staune - Allradantrieb zum Angriff. Letztgenannten hatte es im Sortiment der gemeinhin streng sportlich orientierten M GmbH noch nie gegeben, denn Allrad wiegt. Alles in allem geht der BMW M550d also als rundum neue und innovative Produktidee durch.
Der Alpina D5 zeigt sich vergleichsweise effizientBMW Alpina setzte die Idee einer leistungsstarken Diesel-Limousine nahezu zeitgleich, etwas konservativer und – wie dem Konkurrenz-Umfeld-Kasten zu entnehmen ist - ein gutes Stück effizienter um. Der D5 Biturbo basiert zwar gleichfalls auf dem bekannt guten BMW-Voll-Alu-Reihensechszylinder mit drei Liter Hubraum, zweistufiger Aufladung und variabler Turbinengeometrie, verzichtet aber auf den dritten Abgas-Turbolader. Durch gründliche Optimierung der Ansaugwege (größere Querschnitte und optimierte Radien der Luftführung) konnte der Druckverlust um rund 30 Prozent vermindert werden. Gleichzeitig wurden der maximale Lade- und der Einspritzdruck erhöht.
Die dadurch und mit Hilfe eines groß dimensionierten Ladeluftkühlers realisierten 350 PS und 700 Newtonmeter Drehmoment werden über ein von ZF zugeliefertes und bei Alpina abgestimmtes achtstufiges Wandlergetriebe an die Hinterräder abgegeben. Das bedingt rund 100 Kilo Mindergewicht gegenüber dem BMW M550d xDrive.
So gerüstet sprintet der 1,9-Tonner binnen 5,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. 200 km/h liegen nach 20,4 Sekunden an. Auf der langen Sprintstrecke trennt den BMW Alpina D5 Biturbo und den BMW M550d im Test somit gerade einmal eine gute Sekunde. Alle anderen Disziplinen entscheidet der Fünfer mit dem doppelt aufgeladenen Selbstzünder gar klar für sich. Der hinten mit größeren Scheiben bestückte Alpina kommt nach der zehnten Vollbremsung aus 100 km/h 2,3 Meter früher zum Stehen als der BMW M-Diesel, durcheilt den 180 Meter langen Slalomparcours mit mittleren 66,3 km/h exakt 2,6 km/h schneller und nimmt dem 2.036 Kilo schweren Großserien-Bruder auf dem Kleinen Kurs beachtliche 2,5 Sekunden ab.
Alpina D5: Viel Auto fürs Geld
Für sportlich orientierte Dieselfans mit Familiensinn und Wohnsitz im Flachland dürfte der Fisch damit wohl geputzt sein. Frei nach dem Motto: „Allrad den Bergfexen“.
Ästheten mit Sinn für das Besondere, Feine waren bei BMW Alpina schon immer gut aufgehoben, Sparfüchse sind es nun auch: Der Alpina D5 Biturbo kostet rund 10.000 Euro weniger als der BMW M550d und genehmigte sich im sport auto-typisch flott gefahrenen Drittelmix 10,1 statt der vom BMW konsumierten 12,8 Liter auf 100 Testkilometer. Auch das eine Ansage.






