Cadillac CTS-V im Einzeltest: Geheimtipp unter den Power-Limousinen

Cadillac CTS-V

Dem Cadillac CTS-V würde man auf den ersten Blick weder sein überaus üppiges Leistungsangebot von 564 PS zutrauen, noch sportliches Temperament. Tatsächlich hat der starke Ami aber beides zu bieten, wie der Test auf der Rennstrecke zeigt.

Als der amerikanische Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld der Bundesregierung vorwarf, das alte Europa zu repräsentieren, hatte er damit zumindest in einer Hinsicht recht: Beim Autokauf blickt nur der geringste Teil der Deutschen über den Großen Teich. Chrysler-Modelle wie der PT Cruiser oder der Crossfire fristen hierzulande ebenso ein Nischendasein wie Autos von General Motors, Dodge oder Chevrolet. Einzig die Corvette hat auch in Europa über die Jahrzehnte Kultstatus erlangt und kann auch aus fahrdynamischer Sicht gegen Porsche und Co. bestehen.

Cadillac CTS-V für 74.990 Euro in Vollausstattung

Aber amerikanische Limousinen und Sportlichkeit? Das ging bislang nicht zusammen. Leistung ja, Längsdynamik auch noch - okay, aber spätestens bei der Querdynamik mussten der Chrysler 300 C und Konsorten ihre zumeist sehr gewichtigen Waffen strecken. Eine wenig ruhmreiche Geschichte der Kriegernation jenseits des Großen Teichs, die der Cadillac CTS-V nun umschreiben will. Mit seinem mittels Kompressor aufgeladenen, 564 PS starken 6,2-Liter-V8 und einem Grund- und Endpreis von 74.990 Euro in Vollausstattung schickt sich die knapp 4,90 Meter lange Limousine mit dem kantigen Äußeren an, die Konkurrenz das Fürchten zu lehren.
 
Ein Mercedes E63 AMG ist schwächer und kommt mit knapp 106.000 Euro schon ohne viel Schnickschnack deutlich teurer. Der eine oder andere mag nun einwenden, dass der Schwabe dafür aber auch deutlich schicker und in Bezug auf die Materialanmutung auch wertiger herüberkommt. Darauf die Erwiderung: Ersteres ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, letzteres in Anbetracht der sauberen Verarbeitung und der keineswegs billig wirkenden Materialien kein wirkliches Thema. Auch von der Opulenz der Ausstattung her lässt der CTS-V kaum etwas von dem vermissen, was in dieser Wagenklasse in Deutschland längst zum guten Ton gehört. So zum Beispiel ein klanggewaltiges Soundsystem, ein funktionelles Navigationssystem mit ordentlicher Kartendarstellung, Multifunktionslenkrad und - last but not least - Sportsitze, die sowohl beim gelegentlichen Rennstreckenausflug als auch bei langen Reiseetappen eine ausgesprochen gute Figur abgeben. 

Geheimtipp unter den Power-Limousinen

Und dass der auffällig unauffällige Sedan amerikanischer Herkunft schon deshalb einen gewissen Aufmerksamkeitswert besitzt, weil er das vergleichsweise unbekannte Gesicht in der Masse ist, dürfte den einen oder anderen auch nur freuen. Frei nach dem Motto: Audi, BMW und Daimler - darauf kommen viele, auf Cadillac nicht unbedingt. Dabei hat der Kompressor-V8 im amerikanischen Kleid sein Gewicht bei dieser alltagsfokussierten Form der Betrachtung noch gar nicht in die Waagschale geworfen. Apropos Waagschale: Leicht ist er nicht, der Cadillac CTS-V. Mit 1.948 Kilo Lebendgewicht kommt der Hecktriebler der magischen Zweitonnen-Grenze schon gefährlich nahe. Pluspunkte gibt‘s für die vergleichsweise homogene Gewichtsverteilung von 53,2 zu 46,8 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse. 

Aber zurück zum Motor: Das ansehnliche Hubraumvolumen nebst Kompressoraufladung ist dazu angetan, das stattliche Gewicht nicht nur auf dem Papier vergessen zu machen. Wer den Viertürer ambitioniert vorantreibt, mag kaum glauben, welche Masse er dabei in Bewegung zu versetzen hat. Die 200-km/h-Marke knackt der handgeschaltete Ami in vergleichsweise lässigen 14,2 Sekunden. Landstraßentempo liegt nach kurzen 4,7 Sekunden an. Ein gesunder Durst ist dem stärksten Caddi aller Zeiten dabei freilich nicht abzusprechen. Im Mittel pendelte sich der Testverbrauch bei 20,6 Liter auf 100 Kilometern ein. Die günstigeren Spritpreise in den USA lassen grüßen. 

Wer infolgedessen auf altherkömmliche Fahrwerkstechnik tippt, irrt jedoch. Die markante Karosserie wird zielgenau von einem Magnetic Ride-Fahrwerk geführt. Die Dämpferhärte variieren in einer Flüssigkeit befindliche elektromagnetische Teilchen schnell und situationsgerecht. Dies und die zielgenau arbeitende Lenkung lassen den CTS-V erstaunlich leichtfüßig durch den Slalomparcours jonglieren. 67 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit in der 180-Meter-Gasse sind in dieser Wagenklasse aller Ehren wert. 

Gute Rundenzeit auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim 

Noch beeindruckender gerät der Auftritt des gewichtigen Amerikaners auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim. Zwar war der Luxusliner mit 1.14,5 Minuten geringfügig langsamer als die Konkurrenz von Mercedes und Porsche. Wahren Sportsgeist hat er dennoch bewiesen. Dies und seine fabulöse Alltagstauglichkeit prädestinieren den Cadillac CTS-V zum Geheimtipp unter den Power-Limousinen.

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