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Corvette ZR1 im Einzeltest: Wie sportlich ist das 647-PS starke US-Coupé?

Die Zeiten, in denen amerikanische Autobauer den Markt bevorzugt mit knorrigen Sportwagen nebst betagter Technik beglückten, sind mit der Corvette ZR1 vorbei. Das 647-PS-Coupé wartet mit feiner Technik und verschliffenen Umgangsformen auf.

Wer heutzutage an Chevrolet denkt, denkt an GM. Und an Opel. Und die Weltwirtschaftskrise und die Insolvenz des von eklatantem Missmanagement und einer völlig verfehlten Modellpolitik gebeutelten US-amerikanischen Auto-Giganten. Dabei gäbe es gute Gründe auch und gerade jetzt an Corvette zu denken und nach vorn zu schauen. Denn dort wartet, vom wirtschaftlichen Unbill wenig beeindruckt, ein Supersportler, der es in sich hat.

647 PS aus 6,2 Litern V8-Hubraum
 
Ein paar Eckdaten gefällig? 647 PS aus 6,2 Litern Hubraum. Acht V-förmig angeordnete Zylinder mit zwischen den Zylinderbänken postiertem Eaton-Kompressor nebst Ladeluftkühlung. Hinterradantrieb, Keramik-Bremsanlage mit mächtigen 394-Millimeter-Scheiben an der Vorderachse und - last but not least - 819 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 3.800 Kurbelwellenrotationen.
 
Das alles kann sich sehen und - selbstredend - auch hören lassen. Schließlich ist der über die Jahrzehnte zum Kultsportler gereiften Sportwagen-Preziose die Stimmgewalt ebenso unverrückbar eingebrannt wie den texanischen Rinderherden das Brandzeichen ihres Besitzers. Small Block und Kompressoraufladung hin oder her, das typische V8-Brabbeln gibt auch bei der stärksten Serien-Vette aller Zeiten in den unteren Drehzahlbereichen und nach Schaltvorgängen den Ton an. Wenngleich der handgefertigte ZR1-Motor tendenziell stets höher drehend klingt als er tatsächlich agiert. Entsprechend bald erkennen nach Gehör fahrende Piloten daher Handlungsbedarf und greifen früher als nötig zum ungewohnt sanft durch die H-förmige Kulisse gleitenden Schalthebel. Jener liegt übrigens ebenso perfekt zur Hand wie das von Leder ummantelte Dreispeichen-Lenkrad.
 
Anmutung ist insgesamt wertiger geworden
 
Die Cockpit-Anmutung ist insgesamt wertiger geworden, die Ergonomie und Bedienbarkeit tadellos. Einzig in Bezug auf das Sofa-weiche Sitzgestühl zeigen sich die Amerikaner unbelehrbar. Komfort und Sitzflächenbreite geht auch bei der Corvette ZR1 vor Seitenhalt. Dabei würden Sportfahrer, die dazu in der Lage sind, den bis zu 330 km/h schnellen 1,5-Tonner am Limit zu bewegen, sich eine etwas festere Umarmung der Fauteuils wünschen. Dann ließe sich den von der Top-Corvette in Hockenheim realisierten Querkräften von bis zu 1,4 g gelassener entgegensehen.
 
Möglich gemacht werden die hohen Querbeschleunigungswerte durch speziell für den US-Sportler entwickelte, Trockengrip-optimierte Michelin Pilot Sport Runflat-Pneus mit mächtigen Abmessungen. Das Schuhwerk, das anderen Sportwagen an der Hinterachse genügt, trägt der Ami vorn: schwarzes Gold der Dimension 285/30 ZR 19. An der angetriebenen Hinterachse verzahnen sich gar 335/25er Gummis auf 20 Zoll großen Felgen mit dem Asphalt. Wer ob der niedrigen Reifenquerschnitte allenfalls rudimentären Fahrkomfort fürchtet, irrt jedoch.
 
Die Corvette rollt auch in ihrer sportlichsten Konfiguration bei Anwahl des für den Alltagsbetrieb gedachten Tour-Mode des zwei Dämpferkennlinien zur Verfügung stellenden Selective Ride-Fahrwerks erstaunlich komfortabel ab und nimmt selbst gröbere Straßenunebenheiten überraschend locker hin. Erhöhte Vorsicht ist nur bei sintflutartigem Regen angesagt. Mit ihrem vergleichsweise geringen Gewicht und den breiten Aufstandsflächen der Reifen schwimmt die ZR1 bei stehendem Wasser recht schnell und zudem plötzlich auf. Da ist der Lastwagen auf der rechten Spur dann schon mal schneller. Von derartigen Extremsituationen abgesehen macht dem US-Sportler hingegen so leicht keiner etwas vor. Auch wenn der 0-100-Sprint im Test nicht binnen der vom Werk versprochenen 3,6 Sekunden vonstatten ging: Mit 4,0 Sekunden bis 100 und deren 11,4 bis 200 km/h kann sich der 1,25 Meter flache Amerikaner immer noch überall sehen lassen.
 
Nur der Porsche GT2 kann der ZR1 folgen
 
Und spätestens auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim, wo Handlingqualitäten mehr zählen als strikt vorwärtsgerichtete Lendenkraft, kann ihm ohnehin nurmehr der inzwischen nicht mehr gebaute Porsche GT2 folgen. Beide Autos sind dazu im Stande, die 2,6 Kilometer lange Strecke in 1.09,7 Minuten zu umrunden. Bei der Corvette ZR1 besticht dabei vor allem das anfangs gewöhnungsbedürftige zackige Einlenkverhalten und die Konzilianz, mit der die Haftin die Gleitreibung übergeht. Wer die wohl dosierte Fußarbeit beherrscht, kann das mit einem fest installierten Carbon-Dach versehene US-Coupé trefflich mit dem Gaspedal steuern. Auf diese Weise lässt sich auch dem ab dem Kurvenscheitelpunkt zu verzeichnenden leichten Untersteuern entgegenwirken.
 
Ob der erstaunlich sanfte Charakter des muskulösen Amerikaners auch auf diffizileren Strecken wie beispielsweise der welligen Berg- und Talbahn in der Eifel Gültigkeit behält, wird zu einem späteren Zeitpunkt der Supertest weisen. Ihr Handlingpotenzial hat die Kompressor-Flunder dagegen heute schon bewiesen. Mit 72,3 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit im 180 Meter langen Slalomparcours kann das Corvette-Topmodell einen weiteren Bestwert für sich verbuchen - ohne ESP wohlbemerkt. Wobei der elektronische Rettungsanker an Bord des US-Sportlers ohnehin relativ viel Langmut beweist.
 
135.990 Euro Grundpreis in Deutschland
 
Hektische Betriebsamkeit ist in diesem Umfeld eher nicht sein Ding. Bärenstarkes Zugreifen ist an Bord der ZR1 der von Brembo zugelieferten Keramik-Bremsanlage vorbehalten. Mit Verzögerungswerten von 11,3 m/s² im kalten und 12,0 m/s² im warmen Aggregatzustand toppt der im GM-eigenen Performance Build Center in Michigan montierte Sportwagen gar das Gros der für ihr zupackendes Temperament bekannten Porsche-Modelle. In Anbetracht der erstaunlich moderaten Preisgestaltung (mit 135.990 Euro Grundpreis kommt die Corvette ZR1 in Deutschland schon vergleichsweise teuer - in den USA ist sie ab 107.830 Dollar zu haben) und ihrer gar nicht mehr raubeinigen Umgangsformen könnte die starke Corvette auch in Europa zum Geheimtipp avancieren.

Von am 27. August 2009
Heft 08 / 2009
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