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Mini John Cooper Works Clubman, Frontansicht 22 Bilder Zoom

Dauertestbilanz Mini John Cooper Works Clubman: Agil und aggressiv - Liebe ohne Vernunft

Die Liebe auf den ersten Blick ist selten von Dauer. Nach anfänglicher Begeisterung strapazierte der Mini JCW Clubman im Dauertest immer wieder Geduld und Nerven der Redaktion.

Der deutsche Rallye-Vizemeister rollte entspannt Richtung Norden. 700 Kilometer entfernt stand in Schleswig-Holstein der Saisonbeginn auf dem Programm. Der Boxer seines Subaru Impreza schnurrte zufrieden vor sich hin. Sandro Wallenwein hatte es nicht eilig. Es wäre doch mal interessant zu sehen, wie weit man den Verbrauch eines 280 PS starken Turbo drücken könnte. Doch es kam anders. Im Rückspiegel machte sich dieser Gnom breit, die Farbe wie Kondensmilch, dazu schwarzgestreifte Kriegsbemalung auf der Haube. Als das Tempolimit auf der A81 aufgehoben war, setzte der Mini John Cooper Works Clubman mit Münchner Kennzeichen zum Überholen an.

Der Kleine scheucht die Großen vor sich her

Gemeinsam durcheilte man das kurvenreiche Jagsttal mit Tempo 240. Erst als der mit nur halb gefülltem Tank gestartete Brite zum Tanken abbog, trennten sich die Wege. Der Mini JCW Clubman scheuchte fortan einen Porsche Turbo bis kurz vor Hannover, Wallenwein nahm wieder einmal einen erschütternden Verbrauch seines Impreza zur Kenntnis.

Im 700 Kilometer entfernten Kappeln war er außer sich über den impertinenten Verfolger, der selbst mit der Macht all der Buchstaben STI WRX nicht abzuschütteln gewesen war: "Warst du das etwa mit diesem Mini John Cooper Works Clubman? Der geht ja ungeheuer." Der Autor dieser Zeilen bejahte freudig die Frage und notierte ins Testtagebuch: "Ich glaube, ich bin verliebt."

Welch andere Gefühle sollte man dem hurtigen Kleinen auch entgegenbringen? Die John Cooper Works Edition, die ihren Test-Dienst im Herbst 2009 in Stuttgart aufnahm, machte schließlich einen glänzenden Eindruck. Längst vergessen die Zeiten des schlaffen Kompressormotors. Der 115 Kilo leichte Vierzylinder-Turbo mit verstellbarer Schaufelgeometrie aus dem Peugeot-Regal katapultierte den Clubman bei der Eingangsmessung in Hockenheim in 6,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Ohne nennenswertes Turboloch schoben die 211 PS das Geschoss weiter vorwärts, bis der Tacho sich der 250 näherte.

Alles in der Verpackung eines knuffigen Schosshündchens

Dazu passend ein Sportfahrwerk, das blitzschnelle Richtungswechsel ermöglicht, gepaart mit dem längeren Radstand des Mini John Cooper Works Clubman, der für wunderbare Stabilität sorgt, eine Lenkung mit messerscharfer Präzision und eine Bremsanlage, die in kaltem wie erhitzten Zustand jederzeit herzhaft zubeißt. Und das alles in der Verpackung eines knuffigen Schosshündchens, das jeden trainierten Windhund bei den Hacken packen kann, so lange ihn keine wirklich lange Gerade rettet. Nie ist britisches Understatement verständlicher erklärt worden.

Monetär zählt der Mini JCW Clubman dagegen bereits zum Oberhaus. 36.700 Euro kostete der Testwagen, der seine Gäste mit schwarzer Lederausstattung und geheizten Polstern in automatisierter Klimatisierung empfängt, die Nächte mit Xenonlicht zerreißt und von fetzig bis lauschig Musik aus dem CD-Radio spielt, das den schönen Namen "Boost" trägt.

Zudem profitiert er, was das Raumangebot angeht, von der aus dem Namen resultierenden geringen Erwartungshaltung. Wünscht sich mancher Mini-Kunde, der Kofferraum wäre wenigstens so groß wie der eines Smart, hat der Mini John Cooper Works Clubman genau die Größe, um Utensilien für eine Balkon-Party einzuladen oder zu zweit in den Urlaub zu reisen und dabei noch eine ziemlich gute Figur zu machen. "Ein kultiger, pfiffiger Kleinlastwagen", schwärmte Testredakteur Christian Gebhardt.

Beim Mini JCW Clubman macht Liebe blind

Liebe macht bekanntermaßen blind. Deshalb irritierte es nur wenig, dass nicht alles Chrom war, was glänzte. Zu viel Kunststoff-Imitat krittelte ein Kollege. Dazu störten andauernd Reflexionen auf dem monumentalen Rundinstrument des Mini JCW Clubman. Unmut über das Interieur ist sicherlich kein Grund zum Vandalismus, darum erregte sich die Chefredaktion völlig zu Recht mit der Anklage: "Welcher Gewalttäter hat die Abdeckung der Mittelarmlehne gekillt?" Jemand hatte mit rohen Kräften versucht, sie hochzuklappen, sie öffnete bis zu jenem unglücklichen Tag mit einem Schiebemechanismus.

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Jenes drastische Beispiel sei stellvertretend erwähnt für eine Reihe von Kollegen, die die Bedienung des Mini ohnehin zuweilen als umständlich empfanden. So fahndeten die Tester beispielsweise verzweifelt nach einer Reset-Funktion für die Reifendruckkontrolle beim Mini John Cooper Works Clubman, die nach 33.700 Kilometern zunächst berechtigt Alarm schlug, weil ein Nagel im rechten Hinterreifen steckte. Aber selbst ein neuer Pneu und rundum 2,5 bar Reifendruck ließen die Warnlampe nicht verlöschen.

Für unnötige Beleuchtung im Innenraum sorgte auch die Motorkontrollleuchte. Es fing relativ harmlos an. Der Chef vom Dienst erspürte ein leichtes Turboloch, Produktionsleiterin Eva Manzo diagnostizierte beim Mini JCW Clubman wenig später Fehlzündungen und eine unwillige Gasanahme. Nach nur 8.500 Kilometern musste der Kleine erstmals in die Werkstatt, wo im Rahmen der Garantie Zündspulen und -Kerzen ausgetauscht wurden. So richtig war das Problem aber nicht behoben, deshalb rückte er 500 Kilometer später erneut in den Service ein. Dieses Mal wechselten die Mechaniker die Hochdruckpumpe im Kraftstoffsystem.

Benzinstandsanzeige ohne Fairplay-Gedanken

Wenn der Mini John Cooper Works Clubman denn mal richtig zog, sog der schnelle Geselle in kürzester Zeit den Tank leer. Zugegeben, eine Autobahn im abendlichen Emsland erlaubt zuweilen locker 100 Kilometer ohne ein einziges Zucken im Gasfuß. Dass ein ordentlich aufgepumpter Turbo bei Vollgas einen guten Zug am Leib hat, ist für jedermann leicht verständlich, dass aber die Benzinstandsanzeige dem eiligen Reisenden so lange ein prall gefülltes Spritreservoir vorgaukelt, bis der Tank längst halb leer und eine Tanke in strukturschwachem Gebiet in weiter Ferne liegt, verletzt ebenso den Fairplay-Gedanken wie der Bordcomputer, der dann bezüglich der Reichweite im Minutentakt Hiobsbotschaften verkündet wie der Korrespondent an der Frankfurter Börse. Kurz vor Papenburg musste einer der Tester einen Notruf absetzen, damit die in der Nähe campierenden Kollegen ihm die Luft aus dem Tank lassen.

Claus Mühlberger ist als Sportressortleiter horrende Verbräuche in der Formel 1 oder DTM gewohnt, war aber angesichts von Spitzenverbräuchen bis 25 Liter auf 100 Kilometern schockiert: "Lachhaft. Das ist doch kein Porsche Cayenne Turbo." Nun ja, der Mini JCW Clubman ging eben nicht nur ab wie ein Großer. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass er sich auch enorm sparsam fahren ließ. Wer es darauf anlegte, konnte unter acht Litern reisen, im Schnitt lag er bei Testende bei 11,1 Liter, dafür muss er sich nicht schämen.

Aus dem Rahmen fiel dagegen die Frontscheibe, zumindest im übertragenen Sinn. Christian Gebhardt maßt sich nicht an, über ein absolutes Gehör zu verfügen, aber dass da plötzlich auf dem linken vorderen Kotflügel des Mini John Cooper Works Clubman ein unsichtbarer Klarinettenspieler hockte, "der einen echt fiesen Ton anschlägt", ging dann doch zu weit.

Das Phänomen trat zuverlässig beim Passieren der 200-km/h- Marke auf, zu Recht gerieten mangelnde Kompatibilität von Fahrtwind und Fensterdichtung in Verdacht. Bei knapp 20.500 Kilometern verklebte der BMW-Service die Frontscheibe des Mini JCW Clubman neu - es herrschte wieder Ruhe.

Mini JCW Clubman mit vier Werkstatt-Stops bei 30.000 km

Dass der Dauertest Mini John Cooper Works Clubman bereits vier Mal außerplanmäßig in der Werkstatt war, bevor er bei rund 30.000 Kilometern seinen ersten Kundendienst antrat, steckt eine junge Liebe mühelos weg, zudem, wenn es den Kunden nichts kostet. Die Beziehung bekam aber einen ersten ernsthaften Riss, als ein solcher die Windschutzscheibe verunzierte. Vermutlich empfand diese die Anspannung in der Works Edition als zu hoch und wollte nach 33.400 Kilometern ausgewechselt werden.

Nun ja, eine kleine Materialschwäche wäre zu verschmerzen gewesen, wir alle sind nicht ohne Fehler. Liebe hat auch viel mit Toleranz zu tun. Die wurde aber kurze Zeit später erneut auf die Probe gestellt, 1.500 Kilometer später war die Scheibe des Mini John Cooper Works Clubman abermals fällig, ebenso wie erneute 940 Euro. Im Verdacht steht neben der steifen Karosse das optionale Sportfahrwerk, das zwar im Ernstfall allenthalben für Begeisterung sorgte, auf Dauer aber nicht nur die Glasflächen, sondern auch die Geduld der Insassen überstrapazierte.

Wieder war es ausgerechnet der Sportredakteur, der kein Blatt vor den Mund nahm: "Zu hart und viel zu laut. Pseudosportliches Fahren wie vorgestern zu den Preisen von übermorgen", maulte Mühlberger im Logbuch, um anschließend zu bekunden, dass es ihm nach dem Druckablass nun deutlich besser gehe.

Mit voller Power kam der Mini JCW Clubman aus der Kur bei BMW

Das kann man vom Mini JCW Clubman nicht behaupten, bei dessen Motor nach 35.500 Kilometern irgendwie wieder die Luft raus war. Erneut glimmte die Motorkontrollleuchte,der Motor nahm schlecht Gas an. Nachdem sich die örtliche BMW-Vertretung vergeblich ums Beheben einer erneuten und hartnäckigen Kreislaufschwäche bemüht hatte, musste der Mini nach München, wo er glatte vier Wochen in stationärer Behandlung weilte.

Eine fehlerhafte Membran am Schubumluftventil des Laders hatten die Techniker am Ende als Übeltäter ausgemacht. Möglicherweise waren die drei Werkstattbesuche zuvor mit all ihren getauschten Teilen für die Katz. Als aber der Mini John Cooper Works Clubman schließlich aus der Kur zurückkam, notierte Tester Uwe Sener euphorisch: "Der Motor geht jetzt wie die Sau."

Schwamm drüber, dass es kurz darauf wieder im Display leuchtete. Die Bremskontrollleuchte mahnte Scheiben und Beläge an. Nach rund 40.000 Kilometern sei das verziehen, zumal der schnellste aller  Minis zur Abschlussmessung in Hockenheim wieder einmal zeigte, dass im David ein Goliath steckt - die Rundenzeit lag bei unter 1.20 Minuten. Lediglich das Scharren des kurveninneren Vorderrades hemmte den Vortrieb des Mini John Cooper Works Clubman ein wenig. Bei ausgeschaltetem ESP arbeitet die elektronisch simulierte  Differenzialsperrenicht, weshalb versierte Mini-Tuner zügig eine mechanische Drexler-Sperre montieren.

"Agil, direkt, aggressiv. Du bist fast so schnell wie mit dem Motorrad", lobte Michael Rohrer. Der muss es wissen, er arbeitet bei der Zeitschrift Motorrad. Und es ist eben jener Motorrad-Fachmann, der die Bilanz zu diesem Mini JCW Clubman zieht: "Ein Auto wie ein Slalom-Carving-Ski - genial, aber wenig alltagstauglich."

Eine Liebe ohne Vernunft

Nach zwei Jahren mit Höhen und Tiefen waren 50.000 Kilometer vorbei, und es hieß Abschied nehmen. Nicht nur im Herz des Autors klaffte eine tiefe Wunde, auch die Windschutzscheibe hatte neuerlich einen Riss bekommen. Bei der Entstehung dieser Zeilen ist der Dauertest Mini John Cooper Works Clubman längst schon fort. Es bleiben Schmerz und Bedauern. Selten hat ein Dauertest-Auto so schnell verzaubert, selten aber auch so viel Geduld erfordert.

Die Vernunft versucht, die Situation zu entkrampfen und sagt: So hätte die Beziehung ohnehin keine Zukunft gehabt. Aber Liebe hat bekanntermaßen wenig mit Vernunft zu tun. Und so fragt am Ende das blutende Herz: Können wir vielleicht einfach noch mal von vorn anfangen?

Dauertestbilanz Mini Cooper Works Clubman
Kilometer Arbeiten Arbeitslohn Teilekosten
2186 Übernahme in den Dauertest
8499 Zündspulen und Zündkerzen erneuert Garantie Garantie
9321 Hochdruckpumpe Kraftstoffsystem getauscht Garantie Garantie
13 836 Sommerreifen montiert, Conti SportContact3 SSR, 205/45 R 17 60 Euro 716 Euro
18 130 Kühlergrill und Abdeckung Mittelarmlehne getauscht Garantie Garantie
20 443 Dichtung der Windschutzscheibe neu verklebt Garantie Garantie
31 154 Inspektion mit Motorölwechsel, Zündkerzen und Microfilter getauscht 107 Euro 223 Euro
33 414 Zusatzwasserpumpe, Motoröl, Ölfilter und Ölleitung erneuert, Windschutzscheibe getauscht Gewährleistung / 499 Euro Gewährleistung / 440 Euro
33 714 Winterreifen vom Vorjahr montiert Bridgestone Blizzak LM-25V, 205/45 R 17 60 Euro
35 500 Fahrzeugtest München Windschutzscheibe getauscht 499 Euro 440 Euro
40 800 Bremsscheiben und Beläge vorn erneuert 86 Euro 413 Euro
48 200 Sommerreifen vom Vorjahr montiert Conti SportContact3 SSR, 205/45 R 17 60 Euro
49 465 Bremsscheiben und Beläge hinten erneuert 148 Euro 272 Euro
50 148 Dauertestende
Gesamt 1519 Euro 2504 Euro

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

13. März 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 10/2011.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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