Dörr-BMW 120d im Test: Der Dörr-Einser entpuppt sich als Kurvenkönig

Sportliche Diesel gibt es wie Sand am Meer. Aber supersportliche? Der Dörr-BMW 120d beweist eindrucksvoll, dass rennwagenähnliche Kurventempi kein Vorrecht der Otto-Fraktion sind.

Warum das Rad neu erfinden, wenn es bereits im Regal liegt? Nach dieser Devise verfuhr Dörr Motorsport beim Aufpäppeln des BMW 120d: Das Butzbacher Autohaus mit angegliederter Renn- und Tuning-Abteilung hätte dem Mainstream folgen und alle Anbauteile in Eigenregie entwickeln können, was teuer und aufwendig wäre. Dörr ging teilweise einen anderen, durchaus logischen Weg - man bediente sich aus der Ersatzteilliste von BMW und verwendete jene Goodies, die in den hoch motorisierten Modellvarianten zum Einsatz kommen.

Felgen und Bremsen vom M3 kosten rund 7.000 Euro

Zum Beispiel beim Thema Felgen: Die unverwechselbaren 18-Zöller stammen vom BMW M3. Die stabil dimensionierte vordere Bremsanlage stammt ebenso aus dem BMW M3. Das spart Entwicklungszeit sowie Umbaukosten – und dem Kunden schlussendlich eine Stange Geld.

Kein Motor von der Stange

Beim Filetstück der Tuningkost, dem Motor, konnte und wollte allerdings auch München nicht weiter helfen: Mehr Leistung und mehr Ladedruck gibt es nur vom Tuner. Der auf 218 PS aufgeblasene Vierzylindermotor weist die typischen Attribute eines modernen Dieseltriebwerks auf. Zwischen 1.000 und 1.800/min geht der Selbstzünder etwas schläfrig und mit spürbarem Turboloch ans Werk. Ab 2.000/min kennt der dann keine Gnade mehr: Der Bumms ist beachtlich. Der Schlupf in den unteren Gängen unterstreicht das Dörr-Statement von maximal 430 Newtonmeter.

Das Drehmoment will gebändigt sein

Daher ist bei ausgeschalteter Traktionskontrolle auch fixe Fingerfertigkeit am Lenkrad gefragt. Zwischen 2.000 und 4.000 Touren liegt der kraftvolle Wohlfühlbereich der Dörr-Druckmaschine, die subjektiv zum Gefühl verleitet, man gebiete sogar über weit mehr Leistung als "nur" 218 PS.

Bis Tacho 220 km/h geht es zügig voran, dann erlahmt der Vorwärtsdrang. Bis zur 100 km/h-Marke knöpft der Getunte dem Serienmäßigen vier Zehntelsekunden ab, bis auf 160 km/h hängt er das Münchener Original um 3,4 Sekunden ab. Der Verbrauch liegt mit 8,2 Liter nur knapp einen halben Liter über den Werten für das BMW-Basismodell.

Das 1.469 Euro teure Gewindefahrwerk ist ein Sahnestück

Besonders hell strahlen die Meriten des Dörr-BMW im Fahrwerksbereich. Das beginnt damit, dass Dörr auf die M3-Felgen straßenzugelassene Sportreifen montiert. Ein KW-Gewindefahrwerk sorgt dank härterer Federkennung und neu abgestimmter Dämpfung für eine maximale Absenkung des Schwerpunktes. Als Folge lenkt der Einser extrem agil und zackig ein, der gesteigerte Grip sorgt auch in Kurvenmitte sowie beim Herausbeschleunigen für ein Dauergrinsen. Das von Dörr geschnürte Setup-Paket führt zu einer Fahrpräzision, die auf Rennwagenniveau liegt. Härtere Stabilisatoren vorn und hinten sowie eine Differenzialsperre runden das Handlings-Tuning ab.

Die rennmäßige Abstimmung zieht zwar leichte Komforteinbußen bei kurzen Querfugen nach sich. Doch erstens hält das Fahrwerk auch bei groben Buckeln immer ausreichend Fühlung zum Asphalt, und zweitens hat Dörr für komfortorientierte Spaßpiloten auch eine Bandscheiben schonende Abstimmung parat. Die Hardcore-Variante zeigt sich unbeeindruckt von Lastwechseln, die Spurhaltefähigkeiten sind bis in hohe Geschwindigkeitsbereiche als satt zu bezeichnen. Alles ist gekonnt arrangiert. Was kaum verwundert, schließlich hat Dörr in der Langstreckenmeisterschaft viel Rennerfahrung gesammelt.

Mehr Grip als Leistung im Dörr-Einser

Und davon profitieren offensichtlich auch die Tuningprodukte. Man könnte es so umschreiben: Das Auto hat mehr Grip als Leistung, was den Umgang mit dem Dörr-Einser spielerisch-überreizend ausfallend lässt. Im Regen wird der Dörr-BMW zum kleinen Sportwägelchen, der mit Power-Oversteering aber auch Ansprüche an die Fahrkunst des Chauffeurs stellt. Die an der Vorderachse montierte Brembo-Bremse versieht ihren Job im Verbund mit den Sportreifen erwartungsgemäß vorbildlich: Ruckzuck steht die Fuhre – spurstabil und grimmig zupackend auch bei hohen Tempi. Nur ein leichtes Wummern kündet von der gelifteten Brems-Performance.

Außen und innen dominiert Dezenz: Nur modifizierte Front- und Heckschürzen sowie ein Dachkantenspoiler weisen auf den Potenzzuwachs hin. Im Innenraum offenbart sich sogar nur eine wichtige Änderung, die aber voll zum Race-Charakter des Dörr-Diesels passt: Zwei Recaro-Sitzschalen sorgen für eine granatenmäßige Tieferlegung und schraubstockartiges Fixieren des Piloten. Das ist bei der Kurvenpotenz des Dörr-120d auch bitter nötig. So viel Agilität gibt es nicht ab Werk – und auch nicht aus dem BMW-Ersatzteillager.

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Marcus  Schurig

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