Ford Focus RS500 im Test: Die dunkle Seite des Focus

Ford Focus RS500

Zugegeben - er tritt etwas grimmig auf in seinem mattschwarzen Kleid. Aber so finster, wie die Optik vermuten lässt, ist er gar nicht - der auf 350 PS erstarkte, streng limitierte und längst ausverkaufte Ford Focus RS500. Was die 45 PS Mehrleistung gegenüber der Basis bewirken, verrät der Test.

Wer sich der aktuellen Focus-Baureihe verbunden fühlt und den Abschied von derselben als Grund zum Trauern sieht, dürfte das düstere Outfit des auf weltweit 500 Stück limitierten Sondermodells RS500 als passend empfinden. Bei Beerdigungen wird ja auch schwarz getragen. Und begraben wird bei Ford mit der intern unter dem Kürzel C307 geführten Baureihe in der Tat so einiges.

Zum einen der unverwechselbar kastige Auftritt, die zweitürige Karosserie-Variante und - das dürfte sportlich wie audiophil veranlagte Autofahrer gleichermaßen betrüben - zum anderen der betörend klingende Fünfzylinder-Turbomotor, der in seiner stärksten Ausbaustufe mit der Kraft von 350 Pferden an den Vorderrädern des Ford Focus RS500 reißt. Statt 440 Newtonmeter Drehmoment stemmt das 2,5 Liter große Triebwerk nun bis zu 460 auf die Kurbelwelle. Soweit die Theorie.

Auf 100 km/h vier Zehntel schneller als Basis-Ford

In der Praxis, der es im Rahmen des Test-Tags auf den Grund zu gehen galt, fiel an Bord des Ford Focus RS500 neben dem rot gelederten Recaro-Gestühl erst einmal das deutlich bessere Durchzugsvermögen innerhalb der Fahrstufen auf. Insbesondere im vierten Gang und bei längeren Zwischenspurts hat der mattschwarze Renner die Darth-Vader-Nase deutlich vor dem mit der frontgetriebenen Konkurrenz verglichenen, marginal leichteren normalen Ford Focus RS . Auch beim Standardsprint wird der 500er Focus seinem Führungsanspruch gerecht: 5,7 Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo stehen deren 6,1 beim Basis-Auto gegenüber.

Dass die mit 336-Millimeter- Scheiben vorn versehene Bremsanlage den knapp 1,5 Tonnen schweren Fronttriebler Ford Focus RS500 nach der zehnten Vollbremsung aus 100 km/h so viel besser im Griff hat als das zuvor getestete Serienmodell, dürfte hingegen weniger den nunmehr rot lackierten Sätteln als vielmehr den beim Testwagen montierten Sportreifen der Marke Continental geschuldet sein. 

Beim Slalom hebt der Ford Focus RS500 ab

Mit 35 Meter fällt der Bremsweg im warmen Aggregatzustand vorbildlich kurz aus. Eine Spur weniger überzeugend ist die Fahrwerksabstimmung des Sondermodells geraten. Im Alltag gibt sich der mit einer extrem harten Dämpfercharakteristik aufwartende Zweitürer Ford Focus RS500 knochentrocken und unnachgiebig, auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim überrascht er mit einer ausgeprägten Wankneigung in flott durcheilten Kurven.

Aufgrund der recht ausgeprägten Karosseriebewegungen fällt es dem Ford Focus RS500 zudem schwer, auf allen vieren um die Pylonen zu wedeln. Wie auf dem Aufmacherbild unschwer zu erkennen ist, hebt der Kölner beim Slalom gern und wiederholt das kurveninnere Rad, was im Verbund mit dem spontanen und direkten Einlenkverhalten eine gewisse Nervosität des Hecks bedingt.

In Hockenheim eine Sekunde schneller als Serienbruder

Wer Lastwechsel zu vermeiden weiß und die rot-weißen Hindernisse konstant umkurvt, wird dank der griffigen ForceContact-Reifen unterm Strich dennoch mit 68,9 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit belohnt. Dafür gibt’s im Slalom zwei Wertungspunkte mehr für den Ford Focus RS500 als beim nur 66,4 km/h schnellen Basis-RS. Auch die auf dem Kleinen Kurs erzielte Rundenzeit von 1.15,8 Minuten ist ordentlich und exakt eine Sekunder flotter als die des Serienbruders.

Allein: Wirklich Staat machen lässt sich mit der Mehrleistung auf diesem Terrain nicht. Dazu hätte es eines konsequenter sperrenden Vorderachsdifferenzials bedurft. Die serienmäßige Quaife-Sperre muss angesichts der die Räder attackierenden 350 PS wiederholt die Segel streichen und Traktionsverluste zulassen. Auf Abwege gerät der schwarze Rächer deshalb freilich nicht: Auch wenn es nicht immer kompromisslos vorangeht, linientreu ist der Ford Focus RS500 allemal.

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