Hamann-BMW 535d im Test: Sehenswertes Schaustück mit mächtiger Bereifung

Mit 319 Pferdestärken zählt der Hamann-BMW 535d zu den potentesten Heizölbrennern der Nation. Mächtige 21-Zoll-Räder unterstreichen den stämmigen Anspruch der in Laupheim scharf gemachten Diesel-Limousine.

Tuning schlägt zuweilen - das zeigt der stolze Testwagenpreis des Hamann 535d – finanziell gewaltig ins Kontor. 101.815 Euro - für so viel Geld gibt's gut und gern auch einen komplett ausgestatteten Porsche Carrera S. Die in Laupheim auf üppige 21-Zoll-Räder gestellte BMW-Limousine dürfte somit in der hier vorgestellten Spezifikation eher als öffentlichkeitswirksames Schaustück anzusehen sein.

Und als Solches macht das Schmuckkästchen aus dem Schwabenland wohl auch Sinn. Hat BMW-Spezialist Hamann dem Twin-Turbo-Selbstzünder doch nahezu alles mit auf den Weg gegeben, was das Fünfer-Fahren schöner und aufregender macht. Die gerade einmal 1.141 Euro teure Leistungssteigerung von 272 auf 319 PS inklusive Aufhebung der Vmax-Begrenzung geht angesichts des hemmungslosen Ausstattungsreigens fast schon als Lappalie durch.

Die Leistungsentfaltung ist harmonisch

Das Plus an Leistung und Drehmoment (630 statt 560 bei 2.000/min anliegende Newtonmeter) verdankt der selbstzündende Dreiliter-Sechszylinder einer schlichten Umprogrammierung der Serienmotronic. Unharmonischer wird die Leistungsentfaltung dadurch nicht. Der direkt einspritzende Reihensechser setzt seine Kraft früh und in wohl proportionierten Dosen frei.

Die 21-Zöller reduzieren das Spurtvermögen

Dass die serienmäßig mit Sechsgang-Automatik versehene Tuning-Limo das Serienauto auf der Messgeraden nicht nennenswert abhängen kann, dürfte demnach primär den extrem groß geratenen Schlappen des Hamann-BMW zuzuschreiben sein. Die mit 255/30er-Hankook Ventus Evo S1-Pneus vorn und 295/25er-Gummis hinten bezogenen 21-Zoll-Felgen schlucken einen Gutteil der subjektiv spürbar gestiegenen Potenz. Unterm Strich verbleiben dem getunten Diesel bis zum Erreichen der 100 km/h-Marke mit 6,3 Sekunden exakt zwei Zehntelsekunden Vorsprung auf das Serienauto.

Und der Fahrkomfort?

Der sollte unter dem extrovertierten Reifenformat doch wohl leiden? Tut er - aber in Maßen. Wer den martialisch-stämmig auftretenden Hamann-Diesel sieht, würde Schlimmeres erwarten, als er während der Fahrt verspürt. Damit es im Innenraum des mit zahlreichen liebevollen Details wie Dekorleisten aus Sichtcarbon, einer Pedalerie und einem Schaltknauf aus Aluminium fein gemachten Fünfers wirklich ruppig zugeht, braucht es schon spektakulär schlechte Straßen. Als alltagstauglich ist die Extrembereifung dennoch nicht einzustufen. Parken muss schließlich jeder, und Absätze und Bordsteinkanten lauern überall.

Die neue Bremsanlage schlägt mit 9.848 Euro zu Buche

Jene aber sind die natürlichen Feinde der durch keinen Reifenwulst geschützten, hoch glänzenden Felgenkanten. An der Arbeitsweise der sich hinter dem üppigen Räderwerk versteckenden Nachrüstbremsanlage gibt es nichts auszusetzen. Die rot lackierten Achtkolben-Festsättel haben die 365er-Scheiben der Vorderachse fest im Griff. Der Hamann-BMW verzögert mit sportlichen 10,7 m/s². Da die Serienbremse mit 10,5 m/s² kalt (siehe sport auto 12/2004) kaum minder beherzt zupackt, scheint die Investition von 9.848 Euro dennoch eine Überlegung wert zu sein.

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