Leistungsstarke Cabrios gibt es zuhauf. Aston Martin schickt nun gar eine offene Variante seines 517 PS starken V12-Supersportlers namens DBS Volante ins Rennen, um die Open-Air-affine Käuferschicht mit Machtanspruch für sich zu gewinnen. Doch nur wenige Autos sind von ihrem Grundkonzept her so dicht am Ferrari California wie das deutsche Urgestein der Hardtop-Roadster, der Mercedes SL 63 AMG.
Schwabe und Italiener haben dieselbe Zielgruppe
Sicher die Option auf zwei zusätzliche Sitze ist in dem im vergangenen Jahr neu aufgelegten Hecktriebler nicht gegeben. Hinter Fahrer und Beifahrer hocken grundsätzlich zwei deckelbewehrte Ablagekästen. Davon abgesehen sprechen der Schwabe und der Italiener jedoch dieselbe Zielgruppe an. Jene nämlich, die einen stilvollen Auftritt wünscht, sich nur mit dem Besten zufrieden gibt und Wert auf einen leistungsstarken V8-Saugmotor legt.
Den hat nämlich auch der Zweisitzer mit dem Stern im Grill an Bord - allerdings mit deutlich mehr Lungenvolumen. Statt auf 4,3 wie der Ferrari darf der stärkste V8-SL auf stattliche 6,2 Liter Hubraum zu- greifen. So gerüstet mobilisiert der SL 63 AMG stolze 525 PS und bis zu 630 Newtonmeter maximales Drehmoment. Übertragen werden die bärigen Kräfte mit Hilfe eines mit vier verschiedenen Fahrprogrammen gesegneten Automatikgetriebes, bei dem eine im Ölbad laufende nasse Anfahrkupplung mit geringer rotatorischer Massenträgheit die Funktion des bis dato verwandten Drehmomentwandlers übernimmt.
Das Ergebnis dieser technischen Modifikation kann sich sehen lassen: Die Schalteinheit agiert schlupffrei und wählt die sieben zu Gebote stehenden Fahrstufen ebenso wie moderne Doppelkupplungsgetriebe ohne Zugkraftunterbrechung an. In den Modi Sport, Sport+ und Manuell verhindert eine automatische Zwischengasfunktion unerwünschte Schleppmomente an der Hinterachse und die damit einhergehenden Lastwechselreaktionen.
Welcher Hardtop-Roadster ist dynamischer?
In der Folge setzt sich der Roadster auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim sportlich-nonchalant in Szene. Dem leichten Einlenk-Untersteuern folgt ebenso wie beim Ferrari California ein sanftes Leistungsübersteuern. Erst bei den im Slalom erforderlichen schnellen Richtungswechseln drängt das Heck mit den ovalen Doppelendrohren und dem Diffusor nachhaltig nach außen.
Dass der Hardtop-Roadster aus Affalterbach trotz der deutlich geringeren Seitenneigung seiner Karosserie auf dem Kleinen Kurs und in der Pylonengasse gegen das Hardtop-Cabrio aus Maranello keine Stiche macht, liegt an den zusätzlichen Pfunden, die er mit sich herumschleppt. 200 Kilo plus wollen eben in Schwung gebracht und gehalten werden.







