Lotus Evora S im Test: Konkurrenz für Porsche & Co.?

Lotus Evora S, Frontansicht, Teststrecke

Mit 350 PS starkem Kompressor-V6 faucht der Lotus Evora S seinen Rivalen dank Sportauspuff gewaltig um die Ohren. Ob er auch fahrdynamisch mitcarven kann, verrät der Test.

"Hunde, die bellen, beißen nicht." Der aktuellste Kurvenbeißer aus dem britischen Hethel scheint dieses Sprichwort entkräften zu wollen. Lotus schickt mit dem heißgemachten Evora S einen Mittelmotor-Sportler ins Rennen, bei dem leidenschaftliche Sportwagenfans nicht erst im Zubehörhandel nach einem singenden Sportauspuff fahnden müssen, bis die Nackenhärchen ekstatisch im Takt der Gasstöße wippen.

Zu dem HTV1320-Kompressor des Lader-Spezialisten Harrop, der dem bekannten 3,5-Liter-Toyota-V6 statt 280 nun 350 PS entlockt, gesellt sich im Lotus Evora S eine neue Klappenabgasanlage hinzu. Im Normalmodus schreit der potente Brite erst ab 4.700 Touren emotional-heiser, bei aktivierter Sporttaste reißt er die Schotten seines Abgasschlundes deutlich früher auf. Mögen die Drehzahlfestspiele beginnen.

Mit besserem Getriebe zum Porsche-Schreck

Anders als im Basismodell gipfelt die Kurbelwellen-Rotationsorgie nicht bei einer Drehzahlgrenze von 6.800, sondern erst bei 7.200/Minute. Wütend stürmt der Lotus Evora S mit knackigem Durchzug und guter Traktion los. Mit 5,0 Sekunden verpasst er bei der Null-100-Beschleunigungsprüfung vollgetankt und mit zwei Personen an Bord die Werksangabe nur knapp. Die fehlenden zwei Zehntelsekunden verliert der Testwagen durch sein manuelles Sechsganggetriebe.

Mit hakender Gassenführung sind richtig schnelle Schaltvorgänge eben nicht möglich. Bei der Präsentation des Lotus Evora S fühlte sich dessen Schaltung noch geschmeidiger an. In puncto Getriebe sollte Lotus-Lenker Dany Bahar nachbessern, wenn er mit dem Evora S bisherige Porsche Cayman S -Kunden abwerben will. Ansonsten ist Lotus mit dem Evora S ein feiner Porsche-Schreck gelungen.

In Hockenheim schlägt der Evora S die Porsche-Konkurrenz

Bei der Jagd nach freilaufenden Alligatoren aus Stuttgart-Zuffenhausen rennt der alltagstaugliche Lotus-Purist mit einer Endgeschwindigkeit von 277 km/h (Basis-Evora: 261 km/h) exakt auf Augenhöhe des Cayman S mit manuellem Getriebe. Autobahn zum Aufwärmen, Adrenalin-Kick im Kurvendschungel auf Landstraße und Rennstrecke: Eine neutrale Balance, das zackige und präzise Einlenkverhalten sowie ein hohes Gripniveau mit Pirelli P Zero Corsa-Bereifung zeichnen das S-Modell genauso aus wie das gut abgestimmte und im Vergleich zur Basisversion Lotus Evora nur leicht verfeinerte Fahrwerk (veränderte Querlenker für mehr Nachlauf an der Vorderachse, höherer negativer Sturz und steifere Fahrwerksbuchsen).

In Verbindung mit der Leistungsspritze überflügelt der Lotus Evora S auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim nicht nur seinen kleineren Modellbruder deutlich (Basis- Evora: 1.14,3 min), sondern sogar seine Stuttgarter Konkurrenten. Mit 1.13,2 Minuten lässt er sowohl den Cayman S mit manuellem Getriebe (1.14,0 min.) als auch den 385 PS starken Porsche 911 Carrera S mit PDK (1.13,4 min) hinter sich.

Gute Fahrdynamik trotz 42 Kilogramm mehr auf den Rippen

Nur giftgrüne Porsche- Mittelmotor-Reptile mit feststehendem Flügel sollten Evora S-Piloten besser nicht attackieren. Gegen den Cayman R mit PDK zieht auch das britische Coupé fahrdynamisch gesehen den Kürzeren. Während in Weissach die R-Version einer strengen Gewichtskur unterzogen wurde, legte der Kompressor- beatmete Lotus Evora S im Vergleich zum letzten Evora-Testwagen mit Saugmotor um 42 auf 1.432 Kilo zu.

Chapman- Fans und Elise MK1-Asketen werden sich erschüttert abwenden, doch den leicht vermehrten Hüftspeck merkt man dem Mittelmotor-Gerät mit immer noch sexyschlanker Taille fahrdynamisch überhaupt nicht an. Hunde, die bellen, beißen nicht? Effektiver widerlegen nur wenige Sportwagen das eingangs erwähnte Sprichwort - die AP Racing-Bremsanlage des Lotus Evora S beißt im warmen Betriebszustand mit einer Verzögerung von 32,9 Meter aus Tempo 100 so brachial zu wie ein Kampfhund.

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