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Lotus Evora S IPS im Test: Was kann der schwerste Serien-Lotus?

Bevor ab 2013 die Modelloffensive mit Elise, Elite, Elan, Esprit und Eterne startet, frischt Lotus seine aktuellen Baureihen auf. Ein Feinschliff, von dem vor allem der qualitativ kritisierte Evora profitiert. Kurztest der Automatikversion S IPS des Modelljahres 2012.

Seit dreißig Jahren hockt er nun da oben und wird vermutlich immer nervöser. Gäbe es ein Rückflugticket von Wolke sieben gen Lotus-Headquarter - Anthony Colin Bruce Chapman würde sicherlich nicht lange zögern. Was würde wohl der 1982 verstorbene Firmengründer zum Treiben der Bahar-Klicke sagen? Zur Neuausrichtung von Lotus? Zu Automobilen mit ESP und Sitzheizung? Der Lotus Evora S IPS (IPS: Intelligent Precision Shift) des Modeljahres 2012 bekäme mit Sicherheit zunächst einen Rüffel.

Schwerster Serien-Lotus aller Zeiten

Mit einem Gewicht von 1.460 Kilo holt sich die Automatikversion des 350 PS starken Lotus Evora S-Modells fürs Erste die unrühmliche Auszeichnung des schwersten Serien-Lotus aller Zeiten. So viel brachten in den sechziger Jahren beinahe drei Elite Typ 14 auf die Waage. Colin, bitte einmal tief durchatmen. Besser als die 28 Kilo Mehrgewicht des IPS gegenüber der S-Version mit manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe hätte dem Leichtbau-Pabst bestimmt der Klang des 2+2-Sitzers gefallen.

Umfangreiche Modernisierung des Lotus Evora

Im Rahmen der Modellpflege mit über 100 Weiterentwicklungen spendierten die Lotus-Ingenieure der Evora-Baureihe unter anderem einen neuen Sportauspuff, der zum Serienumfang gehört. Bei aktivierter Sporttaste johlt der Lotus Evora S IPS ab 1.500 Umdrehungen, im Normalbetrieb öffnet die Klappenanlage erst ab 4.700 Touren. So kann der IPS beides: Heiser-bassig grölen à la Joe Cocker oder mit britischem Understatement flüsternd gleiten.
 
Der Automatik-Lotus Evora faucht nicht nur aggressiver, sondern legt auch mit einer spontaneren Gasannahme energischer los als der letzte Lotus Evora S-Testwagen 2011 - Ergebnis einer Feinjustierung an der Motorelektronik. Obwohl der 2GR-FEV6 aus dem Hause Toyota ansonsten unverändert blieb, rennt der IPS trotz längerer Übersetzung der Sechsgangautomatik bei der Beschleunigung 2,8 Sekunden schneller von null auf Tempo 200 km/h als der Handschalter. Bei fast identischen Außen- und Asphalttemperaturen stand der S IPS subjektiv besser im Futter - oder der letzte Evora S hatte nicht 350 PS unter dem Heckdeckel.

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Besserer Durchzug, der auch beim Rundenzeitentest in Hockenheim nicht unbelohnt bleibt. So stürmt der Lotus Evora S IPS beispielsweise mit 190 km/h die Zielgerade hinunter, während der Handschalter hier nur 185 km/h erreichte. Wenn nur nicht das Mehrgewicht wäre, würde Colin Chapman jetzt sinnieren. Das gelungene Fahrwerk aus dem Basis-Evora setzt Lotus in leicht überarbeiteter Form auch in den S-Modellen ein. Im Vergleich zur 1.390 kg schweren 280-PS-Basis-Version mit manuellem Schaltgetriebe macht sich das 70-Kilo-Handicapgewicht im Evora S IPS nun querdynamisch bemerkbar. Durch größere  Rollneigung liegen alle Kurvengeschwindigkeiten unter denen des handgeschalteten Evora S.

Hockenheim-Rundenzeit von 1.13,0 Minuten

Trotzdem knackt das Automatikmodell die bisherige Lotus Evora S-Bestzeit von 1.13,2 Minuten um zwei Zehntel. Dabei turnt der IPS weitgehend neutral, aber mit einem leichten Hang zum Untersteuern durch den Grenzbereich. Ein platzierter Lastwechsel, und der Mittelmotor-Sportler dreht sich wieder auf die Ideallinie. Dank Pirelli P Zero Corsa-Sportbereifung überzeugt der IPS auch ohne Differenzialsperre aus engen Kurven mit guter Traktion.

Besser, aber immer noch nicht so perfekt wie ein Doppelkupplungsgetriebe von Porsche oder Audi arbeitet nun die Wandlerautomatik - emotional eingestreute Zwischengassalven beim Herunterschalten hin oder her. Nachdem die Schaltbox speziell beim manuellen Runterschalten per Lenkradwippe Schaltbefehle anfangs nur widerwillig und mit langen Pausen angenommen hatte, modifizierte Lotus die Getriebe-Software. Der manuelle Modus (kein autonomes Hochschalten bei Maximaldrehzahl) arbeitet unter Volllast halbwegs zufriedenstellend. Beim Gangwechsel im Automatikbetrieb im Teillastbereich gönnt sich das Getriebe die eine oder andere Gedenksekunde.
 
Sinnvoller machen sich die Gedankengänge der Briten in puncto Verarbeitung bemerkbar. Vorbei sind die Zeiten, als billiger Kunststoff und schlecht verarbeitetes Leder den Innenraum bevölkerten. Während der Seitenhalt der Recaro-Schalen ohnehin sehr gut war, sitzen die Passagiere dank besserer Polsterung nun noch komfortabler. Neue Ziernähte, wertigere Verkleidungsteile und neue Einstiegsleisten runden den höherwertigen Auftritt ab. Die Version mit Handschaltgetriebe bekam neue Schaltzüge und eine neue Kupplung. Außerdem modifizierte Lotus Motorlager und Schwungrad.

Willst du gelten, mach dich selten

Die Lotus Evora-Qualitätsstandards scheinen nun nicht mehr Lichtjahre von schwäbischer Präzisionsarbeit aus Stuttgart-Zuffenhausen entfernt, sondern fast auf Augenhöhe. In einer inoffiziellen Wertung liegt der Evora S IPS in der eleganten Farbe „Autumn Bronze“ ohnehin vor Porsche Cayman und Co. Nach dem Motto „Willst du gelten, mach dich selten“ zieht der Evora durch seine geringeren Stückzahlen deutlich mehr Blicke als die Konkurrenz auf sich.

Christian Gebhardt
Von am 12. Dezember 2012
Heft 04 / 2012
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