Maserati GranTurismo MC Stradale im Test: Sportlicher GT dank Renn-Genen

Maserati Gran Turismo MC Stradale, Seitenansicht

Akustisch konnte der Maserati GranTurismo mit heiserer V8-Stimme schon immer auf den Putz hauen, nur bei der Fahrdynamik haperte es bisher. Als Straßenableger des Markenpokal-Rennwagens will der GranTurismo MC Stradale nun auch im Test sportlich ein Zeichen setzen.

Der V8-Schrei lässt die Espresso-Tassen erzittern. Willkommen auf Stuttgarts Theodor-Heuss-Straße. Die schwäbische Meile zwischen Cafés, Bars und Clubs nutzen Sportwagen-Möchtegernhelden gern, um ihre Kisten zu zeigen - angeben was das Zeug hält. Regelmäßiger Gast der fragwürdigen Szenerie: ein Maserati GranTurismo, der bei Schleichfahrt mit heiserem Auspuff-Röcheln die Blicke auf sich ziehen will. Vom Flanierkönig zur Rennsemmel mit Straßenzulassung - der Testwagen Maserati GranTurismo MC Stradale, eine vom Cup-Rennwagen Trofeo GranTurismo MC abgeleitete Straßenversion, soll das Image des Dreizacks in der waschechten Sportwagen-Fraktion wieder aufpolieren.

Hält das neue Modell was es verspricht?

Fahrdynamik und GranTurismo? Bisher Gegensätze wie Feuer und Wasser. Präziser: Mit fast zwei Tonnen zu schwer, dazu ein zu weiches Fahrwerk und insgesamt querdynamisch zu langsam. Schreien wie eine Schreckschusspistole und dann nicht scharf schießen - trotz des einst von Ferrari initiierten V8 mit lasziver Verbrennungsstimme endet das Fazit über den GT meist mit: „eher was für die gediegene Reise."

Strenge Diät beim Maserati GranTurismo MC Stradale

Optisch erinnert der neue Maserati GT-Extremist nicht mehr an einen Langstreckengleiter. Die Frontschürze mit größeren Lufteinlässen sowie die Kotflügel mit Schlitzen zur Bremsenentlüftung stammen genauso wie der Heckflügel sowie die Heckschürze mit Diffusor vom MC-Rennmodell. Auch im Innenraum schwelgt der GT-Fahrer nun in Rennatmosphäre: Schalensitze mit Hosenträgergurten und ein Überrollbügel bestimmen hier das Bild. Neben den Fahrwerksänderungen (steifere Federn, Stabis mit größerem Durchmesser) kümmerten sich die Ingenieure endlich auch um die prallen Fettpölsterchen. So krass wie die Gewichtreduzierung beim Rennauto (minus 600 kg) fällt die Diät beim Straßenableger nicht aus. Mit 1.855 Kilo ist der Maserati GranTurismo MC Stradale immer noch weit vom Sportwagen-Ideal entfernt, bringt aber 105 Kilo weniger auf die Waage als das letzte getestete Maserati GranTurismo S-Modell.

Ein Auszug der Diätkost: Unter anderem der Entfall der Rückbank (minus 16 kg), die Karbon-Schalensitze (minus 26 kg), eine Keramik-Bremsanlage (minus 14 kg) sowie ein Sportauspuff (minus 6 kg) und weniger Dämmmaterial (minus 25 kg) tragen zur Gewichtsreduzierung bei. Stürzen wir uns endlich ins V8-Delirium. Der 4,7-Liter-Motor kitzelt im Maserati GranTurismo MC Stradale dank Reibungsoptimierung statt 440 nun 450 PS aus dem hinter der Vorderachse thronenden Front-Mittelmotor.

Hosenträger-Gurte festzurren, ESP off, Race-Modus an - der Dreizack ist nun messerscharf. Das nochmals modifizierte Cambiocorsa-Sechsgang-Getriebe schießt die Gänge im Race-Modus innerhalb von 60 Millisekunden mit emotional-brachialen Schaltsalven rein. Über den furchtbar stockend schaltenden Automatikmodus (Schaltzeit: 240 ms) des Testwagens schweigen Renn-Fans lieber. Während der Maserati GranTurismo MC Stradale bei schnellen Autobahn-Tempi auf Bodenwellen noch immer wie ein Dampfer auf hoher See schaukelt, wechselt er auf der Rennstrecke blitzschnell seinen Charakter.

In 15,3 Sekunden auf Tempo 200 km/h

Trotz Bewegungen um die Längs- und Querachse beherrscht der Maserati GranTurismo MC Stradale das Spiel zwischen Curbs, Scheitelpunkten und Bremszonen präziser als alle anderen GT-Kandidaten aus dem Maserati-Stall. Nach dem direkten Einlenkverhalten zieht das Heck unter Last lange neutral aus der Kurve raus, bevor das Coupé gutmütig schmierend von der Haft- in die Gleitreibung übergeht. Die Pirelli P Zero Corsa-Reifen haben mit hohem Gripniveau nicht unerheblichen Anteil am zackigen Kurventempo.

Zum gutmütigen Fahrverhalten im Grenzbereich trägt auch die klassische Leistungscharakteristik des Saugmotors bei. Drehzahllechzend jagt der Maserati GranTurismo MC Stradale die Bestzeit seiner Gran Turismo-Modellverwandten im Test auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim. Mit einer fantastischen Rundenzeit von 1.13,0 Minuten schlägt er den GranTurismo S um 3,3 Sekunden. Für den Applaus sorgt der Italiener wie immer mit schallender V8-Fanfare ganz von selbst.

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