McLaren MP4-12C Rundenzeit-Test: Kann der Brite in Hockenheim überzeugen?

McLaren MP4-12C, Front

Im eigenen Land hat der 600 PS starke McLaren MP4-12C bei ersten Tests Prügel bezogen. Daraufhin wurde ein Testwagenstopp verhängt und gründlich gearbeitet. Nun geht der mit Formel 1-Expertise gebaute britische Supersportler in die zweite Runde. Erster Test des Briten auf dem Hockenheimring.

Keine Frage - der McLaren MP4-12C ist wunderschön, wie er so dasteht. Aber wie zum Teufel kommt man in das gute Stück hinein? Ist doch albern, sich bei der Suche nach einem wo auch immer versteckten Türöffnungsknopf oder -griff so zu verrenken! Außerdem ist da einfach nichts.
„Oh - sorry. I forgot to show you“, McLaren-Cheftester Chris Goodwin gibt sich gramgebeugt. „The doors open like this.“ Spricht’s, streicht sanft mit der Hand von vorn nach hinten an der unter der Scheibe in der Tür befindlichen Sicke entlang - schon klickt die schräg nach oben öffnende Einstiegsluke sanft aus ihrer Verankerung. „It’s so easy to fall in love ...“

Fast möchte man es in Anbetracht des Magic-Touch-Mechanismus beim McLaren MP4-12C - so die leicht kryptische Bezeichnung des britischen Newcomers, der sich anschickt die deutsche Sportwagenwelt aufzumischen - mit Buddy Holly halten. Schön, wenn auch in dieser gemeinhin streng der Performance verpflichteten Wagenklasse noch Raum für liebevolle Neuerungen bleibt.
Apropos neu: Neu ist an Bord des hinterradgetriebenen Zweisitzers McLaren MP4-12C mit der ein wenig an den Lotus Evora gemahnenden Nase so einiges. Das gerade einmal 75 Kilo schwere, vorn und hinten an Alu-Hilfsrahmen für Radaufhängungen, Motor und Getriebe gekoppelte Karbon-Monocoque beispielsweise oder auch der Motor selbst.

Britisches Leichtgewicht mit Power-Aggregat

Gewiss, acht Brennräume und Biturboaufladung gibt’s andernorts auch. Aber mit gerade einmal 3,8 Liter Hubraum ist das McLaren-Aggregat auffallend kompakt geraten - ohne Abstriche bei der Leistungsausbeute - versteht sich. Bereits bei niedrigen 1.500 Touren stehen zwei Drittel des sich bis zu 600 Newtonmeter auftürmenden Drehmomentberges zur Verfügung. Ab 3.000 Kurbelwellenrotationen pro Minute kennt der 1.451 Kilogramm schwere Zweisitzer dann erst recht kein Halten mehr.

Supersportwagen unter zehn Sekunden auf 200

Was der Fahrer bei der mit der Kraft von 600 Rössern vorgetragenen Beschleunigungsorgie auf die Ohren bekommt, kann im Track Modus indes durchaus für eine gewisse Anspannung gut sein. Von „wohlig“ oder „sonor“ kann bei diesem Achtzylinder nämlich nicht die Rede sein. Oben heraus kreischt der selbstredend über eine Trockensumpfschmierung verfügende Kurzhuber, wie es eines veritablen Renntriebwerkes würdig ist. McLaren-Chef Ron Dennis und die Formel 1 lassen grüssen. Erst im Normalprogramm geht’s im McLaren MP4-12C deutlich ruhiger zu.
Dass der Newcomer die Sprint-Vorgaben seiner Erbauer bei ersten Testfahrten auf der Hockenheimer Geraden nicht ganz erfüllte, darf nicht überbewertet werden. Weil McLaren die Werkswerte nach eigenen Angaben mit minimalem Tankfüllstand und einer Person ermittelt hat, sport auto aber stets auf ein volles Spritreservoir und den bei Messfahrten zuweilen hilfreichen menschlichen Ballast auf dem Beifahrersitz besteht, gehen die bei idealen äußeren Bedingungen ermittelten 3,4 beziehungsweise 9,8 Sekunden für den Antritt auf 100 respektive 200 km/h im McLaren MP4-12C vollauf in Ordnung.
 
Sobald die Testpilotin nurmehr allein im McLaren MP4-12C war, sanken die entsprechenden Werte trotz des zu diesem Zeitpunkt immer noch zu gut Dreivierteln gefüllten Tanks umgehend auf 3,2 und 9,2 Sekunden mit den optional bestellbaren Pirelli P Zero Corsa Pneus im Format 235/35 ZR 19 vorn und 305/30 ZR 20 hinten. Die Sache geht also in Ordnung so.
Die vom Kollegen Christian Gebhardt anlässlich des McLaren MP4-12C Fahrberichts gestellte Frage, ob der mit einer Air-Brake à la Mercedes SLR versehene McLaren MP4-12C aus 100 km/h tatsächlich nach gut 30 Metern zum Stehen kommt, muss dagegen vorerst verneint werden. Die noch nicht ganz stimmige ABS-Applizierung vereitelt dies. Zwar beißen die rundum mit Keramik-Verbund-Scheiben versehenen AP Racing-Stopper oben herum erst einmal giftig zu, ab 50 km/h abwärts notiert das 2D-System dann jedoch nurmehr klassenunwürdige Verzögerungswerte von unter 10 m/s². Das ergibt im Mittel 10,9 m/s² warm - was gut, aber nicht bahnbrechend ist.

Rundenzeit des McLaren MP4-12C: 1.08 Minuten

Ein beeindruckendes Feuerwerk brennt der Brite hingegen auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim ab. Unter der kundigen Hand von Supertest-Autor Horst von Saurma stanzte der 4,51 Meter lange Hecktriebler mit dem von Graziano zugelieferten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe im Track Mode auf Anhieb eine Rundenzeit von 1.08,7 Minuten in den Asphalt. Das macht Lust - Lust auf noch mehr Runden und noch mehr beeindruckende Ergebnisse.

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