Mercedes SLK 350 Blue-Efficiency im Test: Fortschritt kostet Sportlichkeit

Mercedes SLK BlueEFFICIENCY, Frontansicht, Ausfahrt

Mit seiner steiler im Wind stehenden Frontpartie sucht der Mercedes SLK 350 Blue-Efficiency die Nähe zu den großen Brüdern SL und SLS AMG. Maskuliner und erwachsener will die dritte Generation sein. Doch ist der kleine Roadster auch Sportlicher?

Der Mercedes SLK war das erste Coupé-Cabriolet unter den kleineren Roadstern und hat als solches Zeichen gesetzt. Die Konkurrenz sah sich gezwungen nachzuziehen. Ob Mazda mit dem MX-5 oder BMW mit dem aktuellen Z4: Das Hardtop ist in dieser Klasse inzwischen kaum mehr wegzudenken. Einzig Porsche blieb beim Boxster bislang dem zumeist deutlich leichteren, weichen Käppi treu.

Dennoch, oder vielleicht auch gerade deswegen, haftete dem kleinen Bruder des SL ein - nun sagen wir mal - etwas unmännlicher Touch an. In der Folge war der Mercedes SLK vor allem beim weiblichen Teil der Kundschaft beliebt, galt als typischer Hausfrauen-Roadster. Ein ungeliebtes, unerwünschtes Image, von dem Man(n) sich mittels einer neuen Designsprache nun endgültig verabschieden will. Deshalb die neue, steiler stehende Frontpartie, die bei Betrachtung von schräg vorn zwar etwas aufgesetzt wirkt, aber fraglos ein neues Selbstbewusstsein demonstriert, deshalb die wollüstiger geformte Heckpartie mit dem markanten Hüftschwung.

Das regt die Phantasie an und weckt Erwartungen: Wer so überzeugend daherkommt, die lange Nase lässig in den Wind gereckt, der wird schon wissen warum. Dabei hat sich motorseitig beim vorläufigen Topmodell Mercedes SLK 350 mit Sechszylinder-Saugmotor streng genommen nichts getan.

25 Prozent Spritersparnis im Mercedes SLK 350

Einzig das serienmäßige Eco-Start-/Stop-System, dem der Newcomer den Namenszusatz Blue-Efficiency verdankt, hat Neuheitenwert. Es soll für bis zu 25 Prozent Kraftstoffersparnis gut sein - ein Wert, der in gleicher oder ähnlicher Höhe inzwischen bei nahezu jeder Fahrzeug-Neuvorstellung kolportiert wird. Eine ganz und gar magische, wenngleich nicht wirklich nützliche Neuerung lässt sich im Dach des nunmehr in drei Varianten zu habenden Roadsters Mercedes SLK 350 bewundern.

Serienmäßig ist der Mercedes SLK 350 Blue-Efficiency wie gehabt mit einem in Wagenfarbe lackierten, elektrisch bedienbaren Hardtop versehen. Alternativ werden ein Panorama-Variodach mit getöntem Glas und ein ebensolches mit Magic Sky Control angeboten. Ein Begriff, den Mercedes ob seiner Einmaligkeit durchgängig in Großbuchstaben schreibt und der "Wellnessatmosphäre auf Knopfdruck" bescheren soll.

Mittels eines vorn oberhalb der Insassenköpfe befindlichen Knopfes lässt sich die Farbe des Dachhimmels beim Testwagen von leuchtend dunkelblau auf fast durchsichtig umschalten - je nachdem, ob im Cockpit gerade lichte Helligkeit oder kuscheliges Zwielicht gefragt ist. Das könnte hier und da dann vielleicht doch wieder von Nutzen sein, insbesondere für den männlichen Teil der Mercedes SLK-Klientel. Doch Spaß beiseite.

Mercedes SLK 350 ist schwerer und teurer

Wie viel besser und leistungsfähiger der neue Mercedes-Einstiegsroadster tatsächlich ist, wird letztlich auf anderem Terrain entschieden: beim Test auf der Messgeraden und dem Kleinen Kurs in Hockenheim. Und hier hat der Mercedes SLK 350 Blue-Efficiency es gegenüber dem als zu weich gezeichnet geschmähten Vorgänger erst einmal schwer - im wahrsten Sinne des Wortes. Im Gegensatz zu seinem serienmäßig mit einem manuellen Sechsganggetriebe ausgerüsteten und in der Folge lediglich 1.487 Kilo schweren älteren Bruder belastet der aktuelle Testwagen die Fahrzeugwaage nämlich mit stattlichen 1.566 Kilogramm.

Das kostet bei nahezu gleich gebliebener Motorleistung schon mal einen Punkt in der Leistungsgewicht-Wertung. In der Preis-Leistungskategorie kommt der Newcomer dagegen noch einmal mit einem blauen Auge davon. Obwohl jede Pferdestärke inzwischen 171 statt wie noch im letzten Mercedes SLK 350-Test im Jahr 2008 mit 154 Euro zu Buche schlägt, bleibt die Punktzahl hier mit neun von zehn möglichen Zählern konstant. Für andere Wertungsdisziplinen gilt das nicht.

SLK 350 mit herausforderndem Fahrverhalten

Überall da, wo Gewicht, Güte der ESP-Abstimmung und sportliche Konditionierung des Setups eine Rolle spielen, kann der in Bezug auf die Cockpit-Anmutung fraglos deutlich moderner daherkommende Zweisitzer nämlich keine Stiche machen. Ein paar Beispiele gefällig? Beginnen wir mit dem Slalom. Diesen durcheilte der mit herkömmlichen Stahlfedern bestückte Vorgänger Mercedes SLK 350 im Test noch mit guten 67,6 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit.

Der neue, gegen Aufpreis mit einem Fahrdynamik-Paket nebst elektronisch geregeltem, vollautomischen Dämpfersystem versehene Hecktriebler Mercedes SLK 350 Blue-Efficiency geht die gleiche Übung mit mittleren 64,8 km/h deutlich ruhiger an - ohne dabei seinem Fahrer Ruhe zu gönnen. Jener hat an Bord des zuerst spitz einlenkenden, dann seitlich einknickenden und in der Folge hinten den Ausbruch probenden Stahldach-Roadsters nämlich alle Hände voll zu tun. Schnell macht ein solches Fahrverhalten nicht.

Mercede SLK 350 enttäuscht auf der Rennstrecke

Bei der Zeitenhatz auf dem Kleinen Kurs ergibt sich ein ähnliches Bild. Dass das ESP sich aus dem eiligen Geschehen nicht zur Gänze heraushalten mag, ist bei Mercedes nicht neu. Die unharmonische Auslegung der Regelalgorithmen hingegen schon. In die Sachskurve geht es zwar denkbar zackig hinein, am Scheitelpunkt will dann aber das Heck weg, welches kurz darauf vom elektronischen Fahrstabilitätsprogramm wieder eingefangen wird.

Das ist zwar sicher, vermittelt aber einen unharmonischen Eindruck. Gut möglich, dass der Mercedes SLK 350 Blue-Efficiency mit serienmäßigem Stahlfederfahrwerk oder jener mit dem alternativ erhältlichen traditionellen Sportfahrwerk sich diesbezüglich besser in Szene setzen können. Die Fadingempfindlichkeit der Bremsanlage bleibt ungeachtet dessen ein Thema.

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Anja  Wassertheurer

Autor:

SPORT AUTO, Heft 5 / 2011

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