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Mercedes SLK 55 AMG, Seitenansicht 24 Bilder Zoom

Mercedes SLK 55 AMG im Test: Offener Sternen-Krieger

Mit dem neuen, 422 PS starken V8-Saugmotor mit Zylinder-Abschaltung will Mercedes-AMG eine emotionale Brücke zwischen Sport und Sparsamkeit schlagen. Ob der Spagat gelingt, zeigt der Test des auch optisch erstarkten Mercedes SLK 55 AMG auf der Rennstrecke.

Eins, vier, sechs, sieben: Was wie der PIN-Code einer Bankkarte klingt, beschreibt bei Mercedes-AMG jene Hälfte der Zylinder, die beim M152 getauften V8-Saugmotor des Mercedes SLK 55 AMG mit Kennfeld gesteuerter Zylinderabschaltung stets aktiv ist. Verlässt der Pilot den von 800 bis 3.600 Touren reichenden Drehzahlbereich, in dem die Zylinderabschaltung greift, oder wählt er alternativ den das Spritsparen unterstützenden Controlled Efficiency Modus ab, schalten sich binnen 30 Millisekunden die Zylinder zwei, drei, fünf und acht zu. Das geschieht momentenneutral und verzögerungsfrei. Anschließend stehen statt der im Sparprogramm gebotenen 230 Newtonmeter Drehmoment deren 540 zu Gebote.

Kernig brabbelnder Sound

Damit übertrifft der auf 4,13 Meter Länge gewachsene Mercedes SLK 55 AMG die Klassenkonkurrenz deutlich. Auch hält er als einziger Vertreter seiner Gattung vorerst noch am Ur-Gedanken der Kultspezies fest: Allen Abgasvorschriften zum Trotz darf bei AMG auch der kleine Roadster mit 5,5 auf acht Brennräume verteilten Litern Hubraum aus dem Vollen schöpfen. Das hinterlässt sowohl akustisch als auch hinsichtlich der Performance Spuren. Bei geöffnetem Hardtop und nachdrücklicher Leistungsanforderung macht der erstmals mit je einer Auspuffklappe pro Seite bestückte Mercedes SLK 55 AMG kernig brabbelnd klar, dass er die Gene mit den großen Biturbo-Brüdern teilt. Von den konstruktiven Merkmalen her - Hubraum, Bohrung-Hub-Verhältnis, Zylinderabstand, Vierventiltechnik, Eco-Start-Stop-Funktion und Benzindirekteinspritzung - unterscheidet sich der frei saugende V8 nämlich nicht vom zwangsbeatmeten M157.

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Mercedes SLK 55 AMG taugt zum Sparwunder

Modifiziert wurden der Ventiltrieb, der Ölhaushalt und das Kurbelgehäuse. Neu sind die Ansaugluftführung und die Zylinderköpfe sowie die bereits beschriebene Zylinderabschaltung. Letztgenannte ist bei geöffnetem Verdeck übrigens stets inaktiv - so viel Soundkultur muss sein, befanden die Entwickler. Überhaupt mag der knapp geschnittene Mercedes SLK 55 AMG - auf dessen Fahrersitz es für Piloten jenseits 1,90 Meter durchaus eng werden kann, weil die Lehne recht bald und zudem vernehmlich knarzend Kontakt zur Rückwand sucht - zum Sparwunder taugen. Das Werk nennt einen prinzipiell möglichen NEFZ-Verbrauch von 8,4 Liter auf 100 Kilometer und 195 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Das ist für einen großvolumigen Achtzylinder tatsächlich aller Ehren wert.

Handschaltung abseits der Rennstrecke entbehrlich

Angesichts der Gänsehaut erregenden Stimmgewalt und des ungestümen Vorwärtsdranges des Mercedes SLK 55 AMG dürfte es jedoch nicht nur sport auto-Redakteuren schwer fallen, den Gasfuß im Zaum zu halten. Dies gilt umso mehr, als der Sportmodus, in dem die Zylinderabschaltung ohnehin keine Rolle spielt, für alle Fortbewegungsarten jenseits des Cruisens à l‘americain das deutlich ausgewogenere Automatikprogramm darstellt. Man muss die Gänge demnach nicht zwangsweise manuell mittels der am Lenkrad montierten Schaltwippen sortieren, wenn es flott vorangehen soll. Das AMG Speedshift Plus 7GTronic-Getriebe - so der blumige Name der automatischen Schaltbox - nimmt beim Hochschalten unter Volllast selbsttätig Zündung und Einspritzung zurück, feuert beim Herunterschalten markige Zwischengassalven ab, um das Drehzahlniveau anzugleichen und stellt sich schnell auf die individuelle Fahrweise des jeweiligen Piloten ein. Da erscheint die Handarbeit abseits der Rennstrecke entbehrlich.

Race-Start-Funktion fehlt beim Mercedes SLK 55 AMG

Wer mit seinem Mercedes SLK 55 AMG doch einmal einen Sidestep auf abgesperrtes Terrain unternimmt, wird das manuelle Schaltprogramm indes zu schätzen wissen - insbesondere, weil der im Verbund mit dem V8-Biturbo bei den AMG-Modellen gebotene, für die Rennstrecke durchaus taugliche S+-Modus beim kleinen Roadster nicht an Bord ist. Hier ersetzt der aus den geringer motorisierten Modellen der Mutter bekannte, mit den Lettern C-S-M beschriftete Druckschalter links des Wahlhebels den markanten Drehknopf der großen AMG-Modelle. Entsprechend fehlt im Mercedes SLK 55 AMG auch die Race-Start-Funktion. Vom Fleck weg geht es trotzdem schnell. Landstraßentempo liegt binnen 4,8 Sekunden an, die 200-km/h-Marke ist nach 15,9 Sekunden geknackt. Da vermisst niemand einen Turbolader.

Deutlicher Sprung in Sachen Fahrdynamik

Auch auf der Bremse zeigt der Newcomer konstant gute, wenngleich nicht wirklich bahnbrechende Leistungen. Die Stopper des Hardtop-Roadsters packen kalt wie warm mit soliden 10,4 bis 10,5 m/s² zu. In dieser Disziplin operiert der neue Mercedes SLK 55 AMG somit auf dem Niveau des Vorgängermodells. Einen deutlichen Sprung nach vorn hat der von 360 auf 422 PS erstarkte und mit 1.631 Kilo Lebendgewicht rund einen Zentner schwerer gewordene V8-Roadster in Sachen Fahrdynamik getan. Sowohl in der 180 Meter langen Wechselgasse, als auch bei der Rundenzeitenjagd im Test auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim nimmt der alte dem neuen SLK wertvolle Sekunden ab. Eine straffere Feder-Dämpfer-Abstimmung, steifere Zugstrebenlager an der Vorderachse, dickere Stabis sowie mehr Sturz an der Hinterachse machen‘s möglich.

Lenkung folgt präszise und frei von Verzögerungen

Die Seitenneigung des aktuellen Zweisitzers ist deutlich geringer, die Kurventempi sind auch dank der deutlich üppiger gewordenen Besohlung höher als beim Vorgängermodell. Zudem unterstützt die beim Mercedes SLK 55 AMG serienmäßig an Bord befindliche Torque Vectoring Brake, die im Kurvengrenzbereich gezielt das entlastete kurveninnere Rad abbremst und somit eine Drehbewegung um die Fahrzeughochachse einleitet, die zügige Wegfindung. Ein leichtes Eingangs-Untersteuern ist zwar zu verzeichnen, alles in allem folgt der Mercedes SLK 55 AMG Lenkbefehlen jedoch präzise und frei von Verzögerungen. Lustvollen Heckschwenks gegenüber ist der offene Zweisitzer gleichfalls nicht abgeneigt: Power-Oversteering ist immer drin.

Im Slalom tendiert der insgesamt gut beherrschbare Roadster, der das anstehende Überschreiten des Grenzbereichs in vorbildlicher Manier ankündigt, zwar zum Aufschaukeln mit dem Heck. Schnell unterwegs ist der SLK 55 AMG dennoch: Mit mittleren 67,0 km/h schenkt der Newcomer dem Vorgänger exakt 1,2 km/h ein. Auf der 2,6 Kilometer langen badischen Rennstrecke beträgt der Vorsprung neu gegen alt gar 2,9 Sekunden. Damit gibt es ab sofort eine weitere Ziffernfolge, die den Mercedes SLK 55 AMG auszeichnet. Sie lautet 1.14,8, benennt die Rundenzeit in Minuten und dürfte sportlich orientierten Fahrern weit mehr bedeuten als die eingangs genannte.

Von am 20. Dezember 2012
Heft 06 / 2012
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