Mini Cooper SD im Test

Flotter Diesel kann sich sehen lassen

Mini Cooper SD

143 PS - das klingt wenig, ist aber viel: So vehement wie der Zweiliter-Twinscroll-Motor des Cooper SD trat im Mini bislang kein Diesel an. Mit seinem zwischen 1.750 und 2.700 Touren konstant abrufbaren maximalen Drehmoment von 305 Nm qualifiziert sich der Fronttriebler für den sport auto-Test.

Die Zeiten, in denen der sport auto-Chefredakteur beim Thema Diesel ungestört die Nase rümpfen durfte, sind ein für allemal vorbei. Seit der jüngsten Spritpreis-Entwicklung ist jeder, der über einen wie auch immer gearteten Kraftstoff-Etat gebietet, froh, wenn nicht stets und ausschließlich leistungsstarke, in der Mehrzahl auf Super Plus angewiesene Sechs- und Achtzylinder-Biturbo-Sportler am Werk sind.

Einen Twinscroll-Lader hat der auf zwei Liter Hubraum vertrauende 143 PS starke Top-Diesel im Mini Cooper SD zwar auch an Bord, bezüglich des Trinkgebarens hält sich der frontgetriebene Selbstzünder jedoch angenehm zurück. Mit 7,8 Liter Durchschnittsverbrauch fällt der Viersitzer nach unten aus dem Rahmen des sport auto-Testverbrauchs.

Schnelles Vorankommen im Stadtverkehr

"Klar doch" - mögen Skeptiker einwenden. "Hat ja auch nichts im Strumpf, der Zwerg." Eine Annahme, die wir so keineswegs stehen lassen können. Bei der ersten Kontaktaufnahme im Stuttgarter Stadtverkehr sind an Bord des Mini Cooper SD nämlich erst einmal hochgezogene Augenbrauen angesagt. Drehmoment ohne Ende (bis zu 305 Newtonmeter ab niedrigen 1.750 Kurbelwellen-Rotationen) sorgt für allzeit zügiges Vorankommen.

Allzu viele Gedanken zur gerade eingelegten Fahrstufe des serienmäßigen, manuellen Sechsganggetriebes sind dabei nicht erforderlich. Er marschiert einfach, der Kleine: no matter what. Im Verbund mit der für Autos der Marke Mini längst sprichwörtlichen Agilität fühlt sich der Mini Cooper SD-Eigner in der Folge zu keiner Zeit untermotorisiert.

Super Sound für einen Vierzylinder

Soll sie doch kommen, die stärker motorisierte Benziner-Konkurrenz! Im unlängst facegelifteten und seitdem wertiger daherkommenden Cockpit des kleinen Heizöl-Bombers braucht sich niemand zu verstecken - zumal auch die Akustik des erstaunlich moderat bereiften Diesel-Coopers SD allen Ansprüchen gerecht wird.

Die Soundkulisse, die den rückwärtigen Doppelendrohren entweicht, ist für einen selbstzündenden Vierzylinder aller Ehren wert. Erst bei Highspeed-Überflügen auf der Autobahn muss der kleine Mini Cooper SD dann doch Federn lassen. Wer beständig mit 200-plus-PS unterwegs ist, wird bemängeln, dass es ab rund 180 km/h dann doch etwas zäher vorwärts geht. Zwar rennt auch der stärkste Diesel-Cooper bis zu 215 km/h schnell.

Warten auf 215 km/h - Beschleunigung besser als versprochen

Bis er die vom Werk versprochene, durchaus realistisch erscheinende Höchstgeschwindigkeit erreicht, geht jedoch etwas Zeit ins Land. Beliebig große Sprünge sind mit einem Leistungsgewicht von 8,4 kg/PS des Mini Cooper SD dann eben doch nicht drin. Dabei kann der auf eher moderat bemessenen, Goodyear Excellencebereiften 16-Zoll-Rädern angetretene Fronttriebler bei der Beschleunigungsprüfung auf der Hockenheimer Messgeraden durchaus überzeugen.

Die Werksangabe von 8,1 Sekunden für den Standardsprint auf Tempo 100 unterbietet der handgeschaltete Testwagen mit deren 7,8 recht deutlich. 160 km/h liegen nach 21,6 Sekunden an. Damit füllt das neue Dieselmodell die doch recht große Leistungslücke zwischen dem 122 PS starken Mini Cooper SD und dem mit der Kraft von 185 Rössern antretenden Cooper S aufs Trefflichste.

Diesel-Besteuerung nimmt dem SD Attraktivität

Für den Kostenfaktor gilt das eben Gesagte freilich nicht. Mit stattlichen 24.650 Euro Grundpreis gerät der Einstieg in den Mini Cooper SD tatsächlich sogar teurer als jener in den ab 23.650 Euro zu habenden Mini Cooper S. Dies und die bei Dieselmodellen traditionell höhere Kraftfahrzeugsteuer dämpfen die Freude am moderaten Spritkonsum des Mini Cooper SD somit erheblich.

Wer dem 143 PS starken Diesel den Vorzug vor dem 185 PS leistenden Benziner gibt, sollte demnach ein eingefleischter Drehmoment-Wellen-Surfer sein. In dieser Hinsicht hat der 1,6-Liter-Turbo mit maximal 260 Newtonmeter nämlich das Nachsehen.

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Anja  Wassertheurer

Autor:

SPORT AUTO, Heft 6 / 2011

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