Mini JCW Clubman Facelift im Test: Quirliger Oxford-Sportler

Mini JCW Clubman Facelift, Front, Kurve

Mit gezielten Farbtupfern Akzente setzen und für Aufmerksamkeit sorgen - die Kunst des Schminkens beherrschen die Mini-Designer von jeher. Mit dem unlängst erfolgten Facelift der Baureihe wurde sie perfektioniert. Bestes Beispiel ist der zum Test-Update angetretene Mini JCW Clubman.

Ein Hingucker war der Mini schon immer. Ganz gleich ob als Coupé, Cabriolet oder Clubman - so frisch, frech und trendy wie der Deutsch-Brite kommt kaum ein anderer Kleinwagen daher.
 
Gewürzt mit einer ordentlichen Portion Retro-Kult und perfekt an die Bedürfnisse der jungen oder jung gebliebenen Lifestyle-Klientel angepasst - zahllose Individualisierungsmöglichkeiten sind ebenso im Angebot wie der problemlose Anschluss moderner Entertainment-Medien à la iPhone oder iPod nebst Twitter-, Facebook- und sonstwelchen Zugängen via Mini Connected - gibt das, was die Briten uns von Oxford aus auftischen, ein ausgesprochen schmackhaftes, alters- und nahezu klassenloses, wenngleich nicht wirklich preiswertes Gericht. Für kleines Geld ist der Mini JCW Clubman, der längst viel mehr Format hat, als der Name glauben machen will, nämlich nicht zu haben.

Mini JCW Clubman ist alles andere als billig

Insbesondere die sportlichen John Cooper Works Modelle schlagen monetär ordentlich ins Kontor. Der Einstieg in den Mini JCW Clubman ist ab 30.700 Euro möglich. So schick wie der graurote Testwagen kommt der zweieinhalbtürige Fronttriebler dann freilich nicht daher. Navi, Soundsystem mit iPod-Anschluss, Leder und die individuelle Gestaltung des nach wie vor 211 PS starken Topmodells kosten selbstredend extra. Unterm Strich notiert der Testwagen mit 38.360 Euro - kein Pappenstiel für einen Kleinwagen.

Sei’s drum: Wer den Mini mag und den Clubman will oder braucht, weil er nicht immer und überall allein oder zu zweit und ohne Gepäck und größere Einkäufe unterwegs ist, wird den Mini JCW Clubman, so wie es seit dem Facelift daherkommt, lieben.

An der Motorleistung hat sich im Gegensatz zu den anderen Modellen der Baureihe zwar nichts getan, was die im Vergleich zum Vorgänger nahezu identischen Messwerte auf der Hockenheimer Geraden erklärt. Das Wohlgefühl im Cockpit des Mini JCW Clubman fällt indes noch ein gutes Stück größer aus. Zwar blieb auch das Sitzgestühl unverändert, doch trifft der genüsslich umherschweifende Fahrerblick nun auf ungleich wertiger anmutende Instrumenteneinheiten und Bedienpaneele. Die Plaste-und-Elaste-Anmutung, die Ästheten im sport auto-Dauertest-Clubman noch störte, ist im facegelifteten JCW kein Thema mehr.

Sicher - der Zentraltacho ist immer noch übergross, das muss man mögen. Die überaus pfiffige, an die Bewegungen der Luftblase in einer Wasserwaage erinnernde Zeigerführung des Geschwindigkeitszeigers erfreut jedoch jeden Tag aufs Neue. Gleiches gilt für das grafisch exzellent aufbereitete und mittels iDrive-Knopf intuitiv zu bedienende Navigationssystem im Mini JCW Clubman. BMW-Qualität lässt grüssen.

Quirliger Clubman ist weiterhin eine Nummer für sich

Das auf Wunsch mit kontrastfarbenen Nähten versehene Leder-Lenkrad liegt so gut in der Hand, dass man es kaum loslassen mag, der runde Handschmeichler von Schaltknauf ebenso. Der Mini JCW Clubman selbst ist trotz seines kleinen 1,6-Liter- Turbotriebwerks angenehm gut bei Stimme und allzeit bereit, bei flotten Überlandfahrten auf Befehl des Fahrers den einen oder anderen viel größeren und stärkeren Gegner zu vernaschen. In der Stadt ist der trotz knapp vier Meter Gesamtlänge und des gegenüber dem Zweitürer deutlich längeren Radstandes immer noch sehr quirlige Clubman ohnehin eine Nummer für sich.

Die geänderte Frontschürze mit den markanten chromumrandeten Lufteinlässen rechts des unteren Kühlergrills hilft in Sachen Überholprestige zwar wenig (Ignoranten nehmen den Kraftzwerg auf der Autobahn leider immer noch nicht ernst), steht dem Mini JCW Clubman aber bestens zu Gesicht. Gleiches gilt für den ovalen, gleichfalls mit Chrom verzierten Kühlluftauslass am Heck.

Gegenüber dem eierschalfarbenen Dauertest-Clubman bestach das Facelift-Modell zudem mit einer deutlich größeren Konzilianz gegenüber allzu rüden Bodenwellen und Asphaltabsätzen. Knapp 240 km/h schnelle Autobahnüberflüge sorgten an Bord des grauroten Viersitzers nicht mehr für schweißnasse Handinnenflächen. Der Federungs- und Abrollkomfort des Mini JCW Clubman war spürbar höher.

Der Grund hierfür ist schnell ausgemacht: Da bei sport auto der stete Wahlspruch gilt „sei hart gegen dich und andere“, hatten wir den Dauertestwagen einst zugunsten bestmöglicher Rennstreckenperformance mit der sportlichen Fahrwerksabstimmung bestellt; was logischerweise Einbußen beim alltäglichen Fahrkomfort mit sich brachte.

Der hübsch gemachte aktuelle Mini JCW Clubman trat nun ohne dieses Hardcore-Extra an und verwöhnte die Insassen in der Folge mit deutlich mehr Umgänglichkeit. Das beim Dauertest-Mini zuweilen zu verzeichnende markerschütternde Poltern der Vorderachse gab beim Facelift-JCW keinen Anlass zu Kritik. Wohl aber die Performance in den fahrdynamischen Disziplinen Slalom und Rundenzeitenhatz.

In Hockenheim sechs Zehntel langsamer als sein Vorgänger

Auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim war der Neue mit einer Rundenzeit von 1.20,2 Minuten exakt sechs Zehntelsekunden langsamer als der alte Mini, im Slalom fehlt dem aufgehübschten Clubman exakt ein km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Woher das kommt, ist unschwer zu spüren: So gerüstet gibt der Mini JCW Clubman im wahrsten Sinne des Wortes den Frontscharrer. Aufgrund erheblicher Traktionsprobleme schiebt der Mini ohne Sportfahrwerk in Kurven unter Last nahezu haltlos nach außen. Wie sollte er auch nicht - bei der Leistung und ohne mechanisches Sperrdifferenzial.

Welch segensreiche Wirkung ein solches bei starken Fronttrieblern entfaltet, zeigt beispielhaft der Test des Opel Corsa OPC Nürburgring Edition . Womit wir wieder einmal beim Thema wären...

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