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Porsche Boxster Spyder im Test : Abschiedsmodell gibt einen Vorgeschmack

Wenn eine Baureihe sich dem Ende ihres Lebenszyklus nähert, ist in der Marketingabteilung Kreativität gefragt: Interessante Modellvarianten sollen helfen, die Absatzzahlen hoch zu halten. Porsche erfand zu diesem Zweck den kompromisslos offenen Boxster Spyder. Der Abschieds-Test gibt einen Vorgeschmack auf den Neuen.

„Welchen wahren Sportler zieht es schon unter die warme Dusche, wenn er sich im Freien austoben kann?“ fragt Porsche auf seinem dem Boxster Spyder gewidmeten Bereich der Homepage provokant und gibt damit scheinbar unverholen die Marschrichtung vor. Verstanden - der um 80 Kilogramm abgespeckte und von 310 auf 320 PS erstarkte Zweisitzer soll die kompromisslos fahrdynamikorientierte Hardcore-Klientel locken. Gut so! Endlich mal ein Hersteller, der sich zu sagen traut, was Sache ist. Mit Pelz und Geschmeide lassen sich halt keine Wettläufe gewinnen. Lean Management wäre an der Automobilbau-Front also durchaus angesagt.

Porsche Boxster Spyder muss nicht kompromisslos sein

Dann die Ernüchterung: So frech, fröhlich und direkt der Stuttgarter Sportwagen-Spezialist sich auf den ersten Blick auch geben mag - der Konfigurator spricht eine andere Sprache. Von wegen Verzicht auf Radio, Klimaanlage und sonstige Komfortschmankerl. Serienmäßig an Bord sind diese Goodies zwar nicht, auf Wunsch und gegen Aufpreis zu ordern aber allemal. Ganz so kompromisslos hartgesotten wie sie sich geben, sind die Schwaben also nicht. Wäre ja auch noch schöner - wo der Großteil der Porsche Boxster Spyder-Kundschaft doch eher jenseits des Großen Teichs zu suchen sein dürfte. In Kalifornien beispielsweise, wo Sonnenschein eher die Regel denn die Ausnahme ist und Niederschläge noch als willkommene Abwechslung verstanden werden. Und in Amerika klingt Verzicht zwar prinzipiell gut, konsequent praktiziert wird er jedoch kaum. Autos ohne Lederausstattung haben in den USA Seltenheitswert.

Ergo bietet Porsche den Boxster Spyder auch nur formal ohne Lederausstattung und Cupholder an. Auf Wunsch und - im Falle der Getränkeflaschenhalter - gar ohne Aufpreis ist beides selbstredend auch für den Porsche Boxster Spyder zu haben. Gleiches gilt für das serienmäßig entfallene Radio, die Klimaanlage und das Navigationssystem. Keine Frage: Darben muss auch im Porsche Boxster Spyder niemand. Lediglich im Falle des zugunsten eines mit 21 Kilogramm bezifferten Gewichtsvorteils entfallenen elektrisch betätigten Stoffverdeckes, der ohne Ablagefächer und klassische Öffner auskommenden Türen und des insgesamt minimalistischer gehaltenen Cockpits, verweigert die Aufpreisliste jedwede Abhilfe

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Leichtfüßig im Test auf der Rennstrecke

Hier gilt „friss oder stirb“, ist Konzentration aufs Wesentliche angesagt. Auf die in diesem Umfeld ohne schützende Hutze auskommenden Rundinstrumente beispielsweise, die über den durch Komfortverzicht bedingten Zugewinn an Fahrspaß respektive das spür- und messbar gestiegene Temperament des Mittelmotorsportlers Auskunft geben. Der gegenüber dem Porsche Boxster S um 20 Millimeter abgesenkte Schwerpunkt des Spyders hinterlässt im Verbund mit steifen und kurzen Federn, der strafferen Zugund Druckstufe der Dämpfer und großen Stabilisatoren nämlich durchaus Wirkung. Leichtfüßig neutral und spurstabil umrundet der mit 1.322 Kilogramm Lebendgewicht aufs Beste austrainierte Open-Air-Sportler im Test den 2,6 Kilometer langen Kleinen Kurs in Hockenheim in flotten 1.14,5 Minuten.

Beim Schalten ist in diesem bei Porsche inzwischen fast schon selten gewordenen Fall übrigens Handarbeit angesagt. Denn anders als alle anderen Boxster- und Cayman-Testwagen ging der weiße Spyder mit dem nostalgischen Porsche-Schriftzug an der Flanke tatsächlich so an den Start, wie er gegen Zahlung von 64.118 Euro auch zu haben ist: mit manuellem Sechsganggetriebe. Auch das ein Mittel zur Gewichtsreduzierung. Schlägt das aufpreispflichtige, für den Porsche Boxster Spyder selbstredend gleichfalls erhältliche Doppelkupplungsgetriebe PDK doch mit rund 35 Kilo Mehrgewicht zu Buche.

Porsche Boxster Spyder in 5,2 Sekunden auf 100

Die vom Werk versprochene Gewichtseinsparung von rund 80 Kilogramm gegenüber dem normalen Boxster hat der Zweisitzer mit feststehendem Spoiler damit ebenso erfüllt, wie die angestrebte Performance-Verbesserung. Dem 1.447 Kilogramm schweren Supertest-Porsche Boxster S mit PDK nimmt der Spyder beim Test im Badischen immerhin eine halbe Sekunde ab. Den 180 Meter langen Slalom-Parcours durcheilt er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 71,1 km/h gleichfalls flotter (Boxster S 70,4 km/h) - bei identischer Bereifung wohlbemerkt.

Die Ansage für den neuen Porsche Boxster S des Typs 981 wäre somit gemacht: Richtung 1.14,0 Minuten sollte die Reise in Hockenheim schon gehen. Das halten Sie für vermessen - wo der Neue doch mit vollelektrischem Verdeck antritt? Wir nicht. Schließlich hat der Cayman R bereits bewiesen, dass die hinterradgetriebene Mittelmotor-Fraktion den stärkeren Heckmotor-Sportlern mit Elfer-Kennung ordentlich auf die Pelle zu rücken vermag. Die Schmarre, die das giftgrüne R-Modell dem Kultsportler mit einer Rundenzeit von 1.12,4 Minuten versetzt hat (siehe Supertest Porsche Cayman R), hat erst der neue, nunmehr 400 PS starke Porsche 911 wieder gut gemacht. Allerdings war jener bei seinem beeindruckenden Überflug auf dem Kleinen Kurs mit 1.10,4 Minuten dann auch gleich drei Sekunden schneller der direkte Vorgänger.

So gesehen mag die erhoffte Rundenzeit von 1.14,0 Minuten für den neuen Porsche Boxster S gar tief gestapelt sein. Schließlich wurden hier exakt dieselben Mittel bemüht wie bei der Neuauflage der Elfer-Reihe: konsequenter Leichtbau, längerer Radstand, breitere Spur. Nur beim Leistungszuwachs musste der kleine Porsche sich bescheiden. Mit 315 PS hat der Boxster S gar fünf Pferde weniger an Bord als ehedem der Porsche Boxster Spyder. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

10. Mai 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 02/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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