Renault Laguna Grandtour GT 2.0 dCi FAP: Dauertest-Fazit: Sportlicher Diesel-Kombi

Mit dem Renault Laguna Grandtour GT 2.0 dCi FAP bereichert ein zweifellos wirtschaftliches und praktisches, aber durchaus auch sportliches Modell den aktuellen Fuhrpark von sport auto. Nach 63.000 Kilometern Dauertest zeigt sich, ob der Franzose auch zuverlässig ist.

Nach mehr als 63.000 Kilometern mit dem Renault Laguna Grandtour lässt sich ein klares Dauertest-Fazit ziehen: Der Franzose fristet zu Unrecht ein schattiges Dasein auf den eher unteren Plätzen der emotionalen Zuneigung und dito der Zulassungsstatistik. Was seinen Nutzen im Alltag angeht, aber auch bezüglich der Fahrfreude steht der Renault Laguna Grandtour seinen direkten Konkurrenten wie dem Audi A4 Avant, dem BMW 320 d Touring oder dem Mercedes C-Klasse-Kombi nicht nach.

Dabei kommt der Renault Laguna Grandtour  in der Anschaffung wesentlich günstiger als die Klassenkameraden aus Deutschland. Mit einem Listenpreis von 36.450 Euro ist der sehr komplett ausgestattete, in aufpreispflichtigem, schmuckem Gordini-Metallic-Blau (550 Euro) lackierte Dauertest-Franzose zwar nicht gerade ein Schnäppchen, doch Vergleichbares aus heimischen Gefilden kostet wesentlich mehr.

Kompletter Name: Renault Laguna Grandtour GT 2.0 dCi FAP

Würde der komplette Name auf der Heckklappe prangen, müsste der ohnehin schon stattliche Kombi wohl mindestens drei Meter breit sein. Renault Laguna Grandtour GT 2.0 dCi FAP heißt er mit vollem Namen - wobei FAP für Filtre à Particules steht = Partikelfilter.

Das Herz des Renault Laguna Grandtour arbeitet nach dem Selbstzünderprinzip - und zwar sehr gut. 178 PS leistet der Zweiliter-Vierventiler; wichtiger aber ist der Drehmomentbestwert von 400 Nm. Akustisch unauffällig verrichtet der Diesel seine Arbeit. Der gallische Leisetreter erfreut auch mit zurückhaltendem Durst - der durchschnittliche Verbrauch im Dauertest betrug akzeptable 8,6 Liter pro 100 Kilometer - und mit guten Manieren. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die für Turbodiesel typische Kraftentfaltung und sein spontanes Ansprechverhalten.

Renault Laguna Grandtour enttäuscht auf der Autobahn

Die 8,7 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h sind dagegen nur Klassendurchschnitt. Auf der Autobahn enttäuscht der Renault Laguna Grandtour etwas: Geschwindigkeitszuwachs jenseits von 180 km/h erfolgt nur sehr behäbig, und bei 213 km/h ist Schluss - das sind bis zu 15 km/h weniger, als die Konkurrenz zu bieten hat. Zum Vergleich: Der mit 177 PS praktisch gleich starke BMW 320 d Touring schafft bis zu 228 km/h. Ein erfreuliches Detail des Renault Laguna Grandtour versteckt sich im Übrigen tief in den technischen Datenblättern: Die Nockenwellen werden per Steuerkette angetrieben, das turnusgemäße Wechseln eines Zahnriemens entfällt daher.

Langzeitbesitzer des Renault Laguna Grandtour wird‘s freuen. Am Getriebe ging der Dauertest genauso spurlos vorüber wie am Motor: Die sechs Gänge ließen sich stets sehr exakt sortieren. Nur ein Testfahrer rügte eine als "Knorpeligkeit" beschriebene Widerspenstigkeit des Schaltstocks. Dessen Alu-Knauf schrie jedoch förmlich nach Kritik: Denn bei Minusgraden fürchtete man als Fahrer des Renault Laguna Grandtour bisweilen, mit der rechten Hand am eiskalten Leichtmetall festzufrieren. Nicht ganz ernst gemeinte Empfehlung: Der gute alte Fahrer-Handschuh, ein in den letzten Jahrzehnten doch sehr aus der Mode gekommenes Accessoire, sollte im Winter beim Laguna zur Grundausstattung gehören.

Allradlenkung im Renault Laguna Grandtour GT

In der Modellvariante GT verfügt der Renault Laguna Grandtour über Allradlenkung - ein technisches Schmankerl, an dem sich schon vor mehr als zwei Jahrzehnten, als Honda das System erstmals in Serie brachte, die Geister schieden. So ist es auch beim beim Renault Laguna Grandtour. Denn die elektronisch gesteuerte dynamische Allradlenkung namens 4CONTROL wartet zwar mit habhaften Vorzügen auf, erfordert allerdings auch erhöhte Wachsamkeit beim Rangieren in engen Parkgaragen. Unterhalb von 60 km/h schlagen die Hinterräder mit maximal 3,5 Grad in entgegengesetzter Richtung zur Vorderachse ein.

Wer beim Rangieren nicht aufpasst, fügt der Flanke des Laguna schnell unschöne Schürfwunden zu. So geschehen in der Tiefgarage der Motor Presse. Die Rechnung für den Blechschaden am hinteren Radlauf des Dauertest-Renault Laguna Grandtour betrug mehr als 3.000 Euro. Die Vorteile der Allradlenkung sind alles in allem aber nicht von der Hand zu weisen: Der Wendekreis wird um mehr als einen halben Meter kleiner. Und das Fahrverhalten profitiert enorm.

Untersteuern ist eine Fremdwort für den Laguna

Flottes Kurvenwetzen auf Passstraßen, eine fahrdynamische Disziplin, die großen Autos französischer Abstammung traditionell gar nicht liegt, wird im 4WS-Renault Laguna Grandtour zum Vergnügen. Ungebührliches Untersteuern? Ein Fremdwort für den Allradgelenkten. Das ESP lässt sich erfreulich lange Zeit, bevor es korrigierend eingreift. Über die Lenkung mit der geschwingkeitsabhängigen, degressiven Unterstützung fanden sich im Dauertest-Fahrtenbuch fast nur lobende Anmerkungen. "Sehr direkt und agil" sei sie, meinten die meisten. Lediglich ein Tester empfand ein "synthetisches Gefühl".

Auch für die engagierte Talfahrt ist der Renault Laguna Grandtour bestens gerüstet, denn die Bremsanlage gab sich keine Blößen. Dass die hinteren Bremsscheiben nach knapp 65.000 Kilometern unseres Dauertests gewechselt werden mussten, lag wohl eher am allzu lässigen Laissez-faire der Werkstatt beim 60.000er-Kundendienst. Da wurde den Bremsbelägen gute Gesundheit attestiert. Falsch geraten, wie sich bald herausstellte. Denn die alsbald völlig runtergenudelten Beläge schabten tiefe Rillen in die Bremsscheiben.

Renault Laguna Grandtour zeigt sich zuverlässig

Ansonsten gab es in puncto Defekten kaum Anlass zu Beschwerden. Lediglich eine Fehlermeldung bei Km-Stand 58.315 des Dauertests führte zu Stirnrunzeln bei den Testern des Renault Laguna Grandtour. "Servolenkung prüfen!" befahl das Display, und dann "ABS prüfen!". Ein kurzer Test auf leerer Straße ergab: Lenkung okay, Bremsen ebenso. Nach kurzer Zeit verschwand der Alarm plötzlich wieder vom Bildschirm. Blieb nur die Erkenntnis, dass die Wege der Bits und Bytes oft unergründlich sind.

Leichter nachzuvollziehen und zu beurteilen ist der Qualitätseindruck: Da gab‘s nichts zu meckern. Quietschen, Knarzen oder Klappern? Nichts davon war in unserem Renault Laguna Grandtour zu hören, weder zu Beginn noch am Ende des Dauertests. Auch die Möblierung präsentierte sich fast neuwertig. Die Sportsitze mit ihren Sitzflächen aus Alcantara und den ledernen Wangen setzen Maßstäbe. Auch Mammutetappen über mehr als 1.000 Kilometer am Tag gehörten im Laguna zu den erfreulicheren Tätigkeiten im Dasein eines Redakteurs.

Sport-Kombi mit viel Komfort

Zumal es im Interieur des Kombis an nichts fehlt. Im Winter sorgt die Heizung - eher dieseluntypisch - schnell für behagliche Temperaturen. Sommers arbeitet die Air Condition sehr beflissen. Dank Tempomat kann sich der Fahrer des Renault Laguna Grandtour sogar mit Speedlimits anfreunden. So bleibt Muße, sich an dem (trotz 18-Zöllern) geschmeidigen Abrollkomfort zu delektieren und entspannt dem Wohlklang der Bose-Audioanlage zu lauschen.

Lediglich die ungelenken Ansagen aus der Bord-Navigation des Renault Laguna Grandtour trübten die Behaglichkeit bei Dauertest etwas. Vor allem jene, die ihr Geld mit der deutschen Sprache verdienen, etwa dem Verfassen von kurzweilig zu lesenden Tests, ärgerten sich, wenn die Stimme aus dem Off in artikelfreier Diktion rüde befahl: "Folgen Sie A8!" Von einem Franzosen ist eigentlich ein etwas freundlicherer Ton zu erwarten, oder?

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Claus Mühlberger

Autor:

SPORT AUTO, Heft 9 / 2010

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