Alles über JE Design Seat Ibiza
JE Design-Seat Ibiza Cupra 23 Bilder Zoom

Seat Ibiza Cupra vom Tuner JE Design: Kleinwagensportler im Rennstrecken-Test

Je schneller desto besser? Nachdem die Serienvariante im sport auto-Test keine gute Note einheimste, gab JE Design dem Seat Ibiza Cupra sportlichen Nachhilfe-Unterricht: Test des getunten Kleinwagen-Sportlers mit 205 PS.

Frühbucherrabatte, menschenleere Sandstrände, zweistellige Plusgrade auf dem Thermometer - das sind momentane Assoziationen zu Ibiza. Doch nicht nur die Baleareninsel lockt in düsteren Wintertagen mit südländischem Temperament, auch der aufgefrischte Seat Ibiza Cupra von JE Design sorgt bei Kleinwagen-Fans für Frühlingsgefühle.

Seat Ibiza Cupra mit Leistungssteigerung auf 205 PS

Unter der blauen Karosse pusht ein MTM-Chip den Vierzylinder-TSI von 180 auf 205 PS. Dazu gibt’s noch ein KW-Variante-3-Gewindefahrwerk, schicke 18-Zoll-Speichenräder und einen kräftig grummelnden Sport-Endschalldämpfer aus der hauseigenen Produktion. Martialische Rennstreifen und zusätzliche Tagfahrleuchten verwandeln den ohnehin schon markanten Ibiza endgültig in einen selbstbewussten Torero.

Doch was vor der Eisdiele und auf dem Discoparkplatz für ein Spotlight reicht, sorgt beim anspruchsvollen sport auto-Testprozedere längst nicht für einen Trommelwirbel. Und so kauert der getunte Seat nun trotz Kampfanzug etwas schüchtern in der Boxengasse von Hockenheim. Hier regiert das 2D-Messgerät und selektiert knallhart zwischen Boulevard-Posern und Sportsmännern.
 
Die Boxenampel springt auf Grün, und der blaue Cupra hastet auf den kleinen Kurs. Eine Runde aufwärmen, dann läuft die Uhr. In der Nordkurve vermeldet das Datarecording einen ersten Erfolg. Statt wie das Serienmodell mit 118 km/h (siehe Test Seat Ibiza Cupra) rennt der JE mit Tempo 121 durch die Nordkurve. In der Querspange notiert das elektronische Mess-Helferchen mit Tempo 158 zwei km/h mehr. Eingang Motodrom, in der Sachskurve sowie in der Senke herrscht Eintracht. Nur in der Südkurve knappst der getrimmte Ibiza dem Normalo vom Band noch einen Kilometer pro Stunde ab, bevor der blau-weiß gescheckte Tuning-Express in Richtung Ziellinie rauscht.
 
Die Rundenzeit auf dem Hockenheimring ist besser
 
Mit einer Rundenzeit von 1.21,3 Minuten ist der JE-Seat eine halbe Sekunde schneller als das Werksmodell. Den Vorsprung auf der Piste erarbeitet er sich allerdings nicht in erster Linie mit Hilfe des kräftigeren 1,4-Liter-Direkteinspritzers. Die Pluspunkte gibt‘s vor allem für das Fahrwerkssetup. Dank des um 40 Millimeter heruntergeschraubten Schwerpunktes und der veränderten Fahrwerkskinematik lenkt der JE deutlich knackiger ein. Durch den 18-Meter-Slalom wedelt er mit weniger Seitenneigung und mit 67,9 km/h über zwei km/h schneller als das Serienmodell. Auf der Rennstrecke tendiert der JE-Ibiza in engen Ecken unter Last zum leichten Untersteuern.
 
Den agileren Eindruck als beim Serienauto verstärkt ein ansatzweise mitschwenkendes Heck, das allerdings sofort elektronisch wieder gezügelt wird. Wie beim Cupra von der Stange lässt sich das ESP nicht vollständig abschalten. Für bessere Traktion soll auch im JE-Modell die elektronisch simulierte Differenzialsperre XDS sorgen. Doch auch hier nerven beim Rennstreckenbesuch viel zu vehemente Regeleingriffe. Das Siebengang-DSG schaltet analog zum Werks-Ibiza bei Erreichen der Drehzahlgrenze eigenmächtig hoch und hält die Gänge auch im manuellen Sequenzialmodus nicht - Grund für weiteren Unmut bei Pistenfans. Eine mechanische Sperre und ein Umprogrammieren der Getriebe-Software könnten die Rennstreckentauglichkeit deutlich verbessern.
 
Beim Sprint hat der modifizierte Spanier keine Vorteile
 
Dank der per Bits und Bytes modifizierten Gaspedalkennlinie reagiert der spanische Kleinwagen zwar deutlich spontaner auf Gasbefehle, beim Kräftemessen mit dem 08/15-Cupra schneidet er trotz 25 PS Extraleistung und einem von 250 auf 300 Newtonmeter gestiegenen maximalen Drehmoment nur marginal besser ab. Im Sprint-Duell aus dem Stand schieben die beiden Kontrahenten ihre Wabengitterschnauze exakt nach sieben Sekunden über die 100 km/h-Marke. Geht der Spurt bis Tempo 180 weiter, fällt der gestärkte Ibiza sogar noch etwas hinter den mit 17-Zoll-Rädern und Conti SportContact3 bereiften Werksbruder zurück.
 
Andererseits glänzt JE mit durchweg besseren Werten bei der Elastizitätsmessung. Wie das gemessene Serienpendant verzögert der getunte Seat mit der ab Werk erhältlichen, aber optionalen Sportbremsanlage. Mit 10,0 m/s² stoppt er nach der zehnten Messung etwas besser als der normale Cupra (9,9 m/s²). Nach den schnellen Runden in Hockenheim ermüdet jedoch die Bremse ebenfalls mit erschlaffendem Pedaldruck. Für Trackdays und Touristenfahrten bleibt also auch hier noch weiteres Optimierungspotenzial.

So testet sport auto
Messprozedere
Teil 1 Die Standardmessung in Hockenheim: Beschleunigungs- und Bremsprüfung, Elaszitätsmessung
Teil 2 Fahrdynamik-Tests und Rundenzeit auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim
Teil 3 Das Testprogramm auf der Nürburgring-Nordschleife
Überblick Rundenzeiten Hockenheim (Einzel-/ Vergleichstests)
Überblick Rundenzeiten Supertests (Nürburgring, Hockenheim)
0-300-0 Extrem-Leistungstest: Beschleunigungs- und Bremsduell 0-300-0 km/h
Christian Gebhardt

Foto

Frank Herzog

Datum

7. April 2010
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 03/2010.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
5 4 3 2 1 5 5 2
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Felgensuche
  • Alle Bereiche
  • Aktuelles
  • Tests
  • Motorsport
  • Videos
  • Markt
  • Fahrzeuge
SPORT AUTO für:
iPad iPhone Android Windows Phone