Dass die Spanier mehr Temperament besitzen als die Deutschen, ist eine Binsenweisheit. Vor diesem Hintergrund geht der Umstand, dass der sportlichste Leon sich nicht mit 210 PS bescheiden muss wie der Golf GTI, sondern trotz grundsätzlich identischem Motor auf 240 Pferdestärken vertrauen darf, nur als konsequent durch.
Vorteile bei der Beschleunigung
30 PS und 20 Newtonmeter mehr bescheren dem knapp 40 Kilogramm schwereren Seat im Standardsprint erst einmal klare Vorteile. Landstraßentempo liegt nach 6,6 Sekunden an, die 180-km/h-Marke passiert der Spanier nach 18,6 Sekunden. Noch deutlicher schlägt das Pendel zugunsten des Leon Cupra in der Bremsprüfung aus. Hier scheinen die vorn deutlich größer dimensionierten Scheiben positive Wirkung zu zeigen. Jedenfalls packt die Anlage des stärkste Leon nach der zehnten Vollbremsung deutlich kraftvoller zu als die zum Fading neigende Bremse des Golf VI GTI.
Nachteile bei der Fahrdynamik
Beim 18-Meter-Slalom und auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim sieht die Sache allerdings ganz anders aus. Hier krankt der Seat stärker als der Golf an seinem nicht vollständig abschaltbaren ESP. Dem agilen Einlenken folgen spürbare Regeleingriffe des elektronischen Stabilitätsprogramms. Dass diese sehr viel rigoroser ausfallen als beim gleichfalls nie gänzlich von der Leine gelassenen Top-Golf, liegt an der deutlich ausgeprägteren Drehfreude des Seat-Hecks.
Auf der Rennstrecke wäre mehr drin gewesen
Anders als beim GTI wäre jenes nämlich durchaus willens ordentlich mitzulenken. Eine Eigenart, die der bedingungslos auf Sicherheit programmierte elektronische Rettungsanker als "Gefahr in Verzug" interpretiert und zur Tat schreitet - leider. Ansonsten wäre für den auf 225/40 ZR 19 großen Dunlop Sportmaxx angetretenen Fronttriebler auf dem Kleinen Kurs nämlich sicher mehr drin gewesen als die so erzielten 1.20,5 Minuten.
Im Slalom muss der Spanier den Deutschen aus dem gleichen Grund dann noch deutlicher ziehen lassen: Hier fehlen dem Cupra fast drei km/h auf den VW Golf GTI.





