Suzuki Swift Sport 1600 im Dauertest: Wie alltagstauglich ist der Rallye-Ableger?

Suzuki Swift Sport 1600

Der Suzuki Swift Sport 1600 imitiert mit kernigem Ton und sportlich-straffer Fahrwerksabstimmung das Meisterauto Swift Super 1600 aus der Junior-Rallye-WM 2010. Wie standfest der Rallye- Ableger im Alltag ist, verrät der Dauertest über 50.000 Kilometer.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das Getriebe kreischt wie ein Sägewerk im Hochbetrieb. Der Vierzylinder-Reihenmotor scheppert kurz vor 7.000 Touren und peitscht den kleinen Rennfloh auf 200 km/h, während die Schalensitze Fahrer und Copilot wie ein unsichtbarer Neoprenanzug umschlingen. Fehlt nur noch, dass die Kieselsteine der Schotterpisten wie Maschinengewehrsalven in den Radhäusern trommeln.

Egal, ob Stadtverkehr, Landstraße oder Autobahn - der Suzuki Swift Sport 1600 imitiert auf über 50.000 Dauertest-Kilometern jederzeit die Stimme seiner Super 1600-Rallyebrüder. Doch die Col de Turini-Geräuschsimulation nervt im Alltagsgebrauch manches Trommelfell. "Das Auto sollte nur mit Kopfhörern verkauft werden", "Ab 120 km/h nur mit Ohrenschützern fahren" oder "nervige Wind- und Motorgeräusche": Zahlreiche Einträge im Dauertestfahrtenbuch drehen sich gebetsmühlenartig um die kernigen Swift-Laute. Dabei will der kleine Suzuki Swift Sport 1600 doch nur seinem Lifestyle-Rivalen Mini Cooper die Butter vom Brot kratzen.

Kleiner Sportler mit guter Ausstattung

Beim Preisvergleich gelingt dies dem quirligen Japaner schon mal sehr gut. Mit einem Grundpreis von 17.700 Euro ist das 125 PS starke Swift-Topmodell 1.850 Euro günstiger als der vergleichbare Retro-Kleinwagen mit 122 PS. Wer eine furchterregende Aufpreispolitik erwartet, wird beim Suzuki Swift Sport 1600 aufatmen. Dessen Motto erinnert eher an so manchen Ferienclub auf den Balearen.

All inclusive ist Trumpf. Neben dem MP3-fähigen CD-Radio mit sechs Lautsprechern und Lenkradbedienung, 17-Zoll-Speichenrädern und der Edelstahl-Pedalerie gehören auch die beheizbaren Sportsitze zum Serienumfang des sportlichen Dreitürers. Letztere sorgen mit ihrer hohen Sitzposition, kurzen Sitzflächen und dem komplizierten Verstellmechanismus jedoch des Öfteren für Unmut im sport auto-Dauertest. Immerhin passt der gute Seitenhalt zum sportlich-frechen Charakter des Kleinwagens. Neben den Schalensitzen verweist der Suzuki Swift Sport 1600 optisch mit einer zweiflutigen Abgasanlage, markanten Schürzen mit Wabengittereinsätzen und einem Dachkantenspoiler auf seine sportlichen Ambitionen.

Hoher Spritverbrauch, kein sechster Gang

Mehr Schein als Sein? Dieser Vorwurf lässt sich dem 1.083-Kilo-Leichtgewicht nicht machen. Dank der knackig-kurzen Übersetzung marschiert der Suzuki Swift Sport 1600 trotz der geringen Leistung aus unteren Drehzahlregionen munter vorwärts. Wer allerdings das maximale Drehmoment von 148 Newtonmeter abrufen will, muss fast bis 5.000 Touren drehen. Runterschalten gehört daher beim Überholen mit dem Suzuki Swift Sport 1600 zum Pflichtprogramm.

Angesichts des knackigen Fünfganggetriebes mit kurzen Wegen wandert die Hand jedoch gern zum Schaltknauf. Wer allerdings öfters die Gänge in Rallye-Manier wechselt, darf sich nicht über die Trinkgewohnheiten des Japaners wundern. Hier wird keine Schale Reiswein aufgetischt: Bei Volllast schluckt der Suzuki Swift Sport 1600 eher aus Maßkrügen. Bei einem Maximalverbrauch von 16,7 Liter stellt sich vor allem auf der Autobahn immer wieder die Frage: "Warum gibt es hier keinen sechsten Gang?" Immerhin: Der 1,6-Liter-Benziner lässt sich auch mit einem Minimalverbrauch von 6,2 Liter auf 100 Kilometern bewegen. Dennoch wäre bei einem 125-PS-Kleinwagen weniger Durst als 8,9 Liter Super im Durchschnitt wünschenswert.

Kurventalent dank straffer Fahrwerksabstimmung

Ein lang übersetzter sechster Gang könnte Abhilfe schaffen. Nicht nur die sechste Fahrstufe ist anscheinend dem Rotstift der Suzuki-Controller zum Opfer gefallen. "Viel Hartplastik, nicht sehr hochwertig", beschreibt ein Kollege den Qualitätseindruck des Cockpits im Langzeitfahrtenbuch. Längst vor den 50.000 Kilometern knarzt die Plastikverkleidung im Innenraum des Suzuki Swift Sport 1600 mit sprödem 80er-Jahre-Charme. Man könnte meinen, so mancher kantige Schalter aus diesem Cockpit sei einem schon einmal im Golf II begegnet.

Sei's drum, mancher mag das nüchterne Swift-Ambiente mit klarer Instrumentenverteilung lieber als das verspielte Mini-Cockpit im Barbie-Stil mit überdimensionalen Schiffsuhren. Optik hin oder her - das dreiste Fahrtenbuchurteil "japanische Mini-Kopie" bei Kilometer 2.423 lässt der flinke Shaolin Suzuki Swift Sport 1600 nicht auf sich sitzen und kämpft im Fahrdynamikkapitel motiviert gegen die Konkurrenz. Auch wenn sich der eine oder andere Gullideckel im Alltag durch die straffe Federung bemerkbar macht, ist den Ingenieuren die Fahrwerksabstimmung zweifellos geglückt. Mit 65,0 km/h wedelt der Swift Sport erst einmal flott durch den 18-Meter-Slalom, bevor es auf die Rennstrecke geht.

Kart-Feeling auf der Rennstrecke

Die Rundenzeit von 1.25,1 Minuten auf dem Kleinen Kurs von Hockenheim gibt das wirkliche Kurventalent des Suzuki nur unzureichend wieder. Hier mangelt es dem Fronttriebler schlicht an Motorkraft. Doch das schmälert die fahrdynamische Leistung des Suzuki Swift Sport 1600 kaum. Nach dem Einlenken neigt das Sport-Modell nur kurz zum Untersteuern, bevor es bei Lastwechseln mit deaktiviertem ESP lustvoll mit dem Heck auskeilt.

Nicht nur dann: "Heck lässt sich über die Bremse wie beim Kartfahren anstellen", lobt eine kurze Notiz im Fahrtenbuch. So macht auch ein Kleinwagen mit Frontantrieb und ohne übermäßigen PS-Punch richtig Spaß. Für weniger Freude sorgte die ab Kilometer 39.937 mehrfach in unregelmäßigen Abständen gelb aufflammende Motorwarnleuchte.

Bei einem außerplanmäßigen Werkstattbesuch meldete das Steuergerät "Fehlermeldung Kat- Sensor". Die Suzuki-Mechaniker löschten den Fehlerspeicher und entließen den sportlichen Rennzwerg wieder. Doch der Fahrspaß dauerte nicht lange. Rund 4.000 Kilometer später musste der Suzuki Swift Sport 1600 zur nächsten Operation auf die Hebebühne. Auf Garantie tauschte Suzuki nun den Kurbelwellensensor sowie Katalysator und Auspuffkrümmer.

Steinschlag verursacht große Rechnung

Eine Lappalie war dagegen der zitternde Innenspiegel, der durch Ausrichten der Halteklammern wieder beruhigt werden konnte. Eigentlich sollten dies die einzigen Werksstattaufenthalte außerhalb der Inspektionen im 15.000-Kilometer-Intervall sein. Eigentlich: Die Ladung eines vorausfahrenden Kieslasters hatte etwas dagegen und hinterließ einen kleinen Krater in der Windschutzscheibe. Dann nahm das Unheil seinen Lauf. "Steinschlag ist zum Riss mutiert", notierte ein aufmerksamer Testwagennutzer wenig später. Kurz danach fuhr der Suzuki Swift Sport 1600 erneut zur Zwangspause in die Suzuki-Werkstatt - ein extrem kostspieliger Boxenstopp.

Durchzuführende Arbeiten: "Windschutzscheibe aus- und einbauen", "Windschutzscheiben- Rahmen entrosten", "Fahrzeugverbringung", "Rahmen Windschutzscheibe lackieren". Fast hätten die Arbeiten und Kostenpunkte nicht mehr auf einer DIN-A4-Seite Platz gefunden - der "Rechnungsendbetrag" schockt endgültig: 1.616,39 Euro für den Scheibenwechsel und Zusatzarbeiten wegen angeblicher Vorbeschädigungen sind bei einem Unter-20.000-Euro-Kleinwagen eine Frechheit.

Suzuki Swift Sport ist günstiger als vergleichbare Kleinwagen

Doch die Unruhe im Kostenkapitel verfliegt zumindest unter Gebrauchtwagenkäufern beim Preisvergleich recht schnell. Hier hat der Suzuki Swift Sport 1600 seine Nase endgültig vor dem Mini Cooper. Ein zwei Jahre alter Suzuki mit ähnlicher Laufleistung wie der Dauertest-Rallye-Imitator wird mit 9.000 Euro gehandelt - rund 5.000 Euro günstiger als die vergleichbare Lifestyle-Konkurrenz.

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