Techart-Porsche Cayenne Magnum: Der Magnum schießt mit 680 PS über 300 km/h

Techart-Porsche Cayenne Magnum

Fast zweieinhalb Tonnen Leergewicht hindern den Techart Magnum nicht daran, so manchem Sportwagen sein Heck zu zeigen. Das Überraschungsrezept: Tuner Techart schickt den Cayenne Turbo S mit 680 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h an den Start

Das Messprozedere in Hockenheim folgt stets dem gleichen Prinzip: Erst volltanken, dann wiegen, dann messen. Diesmal pendelt sich die Waage bei 1.360 Kilogramm ein. Angesichts ständig steigender Fahrzeuggewichte eigentlich ein guter Wert, doch die Augenbrauen des Testers gehen trotzdem zweifelnd hoch. Kein Wunder, der Proband stemmt bislang nur seine Vorderachse auf die Messplatte. Wenige Sekunden später steht das ganze Fahrzeug auf der Waage. Endwert: 2.486 Kilogramm. Gestatten, mein Name ist Magnum, Techart Magnum. Auf Basis des Porsche Cayenne Turbo S entwickelte der Tuner Techart einen exklusiven SUV.

Techart verpasst dem Cayenne Turbo eine Leistungsspritze von 130 PS

Das Karosseriekleid wuchs durch markante Schürzen und Schweller um 80 Millimeter in die Breite. In der neu geformten Motorhaube klaffen zwei große Entlüftungsschlitze zur besseren Motorkühlung. Anders als beim Serien-V8 mit 550 PS pocht das Magnum-Herz nun mit 680 PS. Um die Leistungsspritze zu ermöglichen, überarbeiteten die Techart-Entwickler das Achtzylinder-Aggregat vollständig. Neben zwei größeren Turboladern schärfen neue Fächerkrümmer, Sportkatalysatoren und eine Sportabgasanlage den 4,8-Liter-Motor kräftig nach.

Nun aber rein in die komfortablen Ledersitze und den Schlüssel umdrehen. Aus dem Stand sprintet der Breitbau-Cayenne in 4,4 Sekunden auf Tempo 100. Techart verspricht zwei Zehntel weniger, doch das geht in der Szenerie aus Donnerhall und Vortrieb unter. Ab 4.200/min schiebt das von 700 auf 900 Newtonmeter gestiegene maximale Drehmoment den Magnum ungestüm voran. Dabei faucht die Turbo-Stimme wie der Nachbrenner eines Jagdbombers. Die 100-km/h-Marke ist längst Geschichte, und der getrimmte Cayenne peilt Tempo 200 an. 14,8 Sekunden blinken auf dem Messgerät, womit das hohe Leergewicht endgültig in Vergessenheit gerät.

Beim Sprint auf 200 km/h spielt der Techart Magnum in einer Liga mit dem Audi RS6

Beim Sprint auf 200 km/h lässt der Zweieinhalbtonner selbst Sportkameraden wie den BMW M3 links liegen (15,7 Sekunden) und spielt in einer Liga mit dem Audi RS6 (14,6 Sekunden). Die negative Beschleunigung überzeugt weniger. Nach der zehnten Vollbremsung aus 100 km/h stoppt der Cayenne mit der optionalen Porsche-Keramikbremsanlage nach 38,1 Meter. Laut Techart verschleißen zudem die Bremsbeläge sehr schnell. Eine neue Variante mit anderen Belägen wird derzeit getestet.

Doch ist der SUV-Renner nur ein Längsdynamiker? Mit Tempo 63 wedelt er 0,6 km/h langsamer durch die Pylonengasse des 18-Meter-Slaloms als das Serienmodell aus Stuttgart-Zuffenhausen. Auch ohne Wankausgleich PDCC überzeugt der Techart hier mit seiner geringen Seitenneigung, die durch eine härtere Fahrwerksabstimmung erreicht wird. Durch ein verändertes Luftfederungsmodul (Aufpreis 1.915 Euro) senken die Techart-Ingenieure die Karosserie im Normalniveau um 30 Millimeter ab. Wegen des härteren Setups verliert der getrimmte SUV allerdings auch Grip an der Vorderachse und tendiert stärker zum Untersteuern als der Werks-Cayenne. Im Slalom verhärtet bei schnellen Lenkwechseln zudem die Lenkung um die Mittellage.

Der Techart Cayenne verlangt von seinem Fahrer viel Gefühl im Gasfuß

Mit einer Rundenzeit von 1.15,7 Minuten ist der Magnum eine Sekunde schneller als der serienmäßige Turbo S. Ähnlich wie beim Slalom untersteuert der Techart auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim besonders in engen Ecken und unter Last spürbar. So sind viel Gefühl im Gasfuß und ein extrem runder Fahrstil gefragt. Doch bei aller für sport auto typischen Fachsimpelei über Querdynamik: Einen SUV auf der Rennstrecke sichtet man etwa so oft wie einen Bären außerhalb des Tierparks. Ab in das Alltagsrevier der SUV. Dank der erhöhten Sitzposition überblickt der Fahrer das Geschehen sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Autobahn sehr gut. Durch die breite Rad-Reifen-Kombination läuft der Magnum Spurrillen nach und hat bei hohen Geschwindigkeiten nur einen mäßigen Geradeauslauf. Im Sportmodus nervt das harte Fahrwerks-Setup und gibt sämtliche Bodenwellen an die Passagiere weiter. Auf langen Etappen wählt der Fahrer daher besser die Komfort-Taste.

Mehr als der Federungskomfort verwöhnt die Innenausstattung des Magnum. Typisch für Techart überarbeitet der Edeltuner das qualitativ ohnehin hochwertige Porsche-Interieur noch einmal umfassend. Ob exakte Ziernähte, eine modifizierte Mittelkonsole mit Ablagefächern im Fond oder weitere mit Leder überzogene Bauteile, hier bleibt kaum ein Kundenwunsch offen. Entsprechend hat die individuelle Innenausstattung ihren Preis. Im Test-Magnum kostet allein das Interieur-Design fast 30.000 Euro zusätzlich.

Der Preis für den Testwagen beläuft sich auf 267.232 Euro

Wer schon 30.000 Euro für das Innenraum-Design hinblättert, gibt sicherlich auch gern nochmal fast 40.000 Euro für die Leistungssteigerung aus. Dafür werden ja auch 680 PS geboten. Ein Magnum in freier Wildbahn, pardon auf der Autobahn, muss lange nach seinen Gegnern suchen. Gierig saugt sich der schwarze Wagen mit den breiten Kühllufteinlässen über den Asphalt. Der ungestüme Vorwärtsdrang lässt die von Techart angegebene Höchstgeschwindigkeit von 308 km/h glaubhaft erscheinen. Eine Diskussion über Benzinverbräuche zettelt man mit einem Magnum-Fahrer bei einem Durchschnittsverbrauch von 25,4 Liter auf 100 Kilometer besser nicht an. Doch der große Durst dürfte wahren Enthusiasten die Freude am Techart Magnum ebenso wenig verderben wie der astronomische Testwagenpreis von 267.232 Euro.

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