Tuningtest: Arden-Mini JCW AM3: Renn-Semmel statt Lifestyle-Sportler

Arden-Mini JCW AM3, Frontansicht, Hockenheim

Lackierung in British Racing Green Metallic und glänzende 18-Zoll-Räder - der Show-Faktor stimmt beim Arden-Mini AM3. Doch ist die 249 PS starke JCW-Tuningversion auch schneller? Der Einzeltest verrät, wie aus dem Lifestyle-Sportler ein Renn-Ass wird.

Tuning. Dieses Wort sorgt immer öfter für Sorgenfalten in der Redaktion. "Die Serienfahrzeuge sind heute so gut, da haben Tuner kaum noch eine Chance", lautet die gängige Meinung. Ein Vorurteil? Nein, perfekt vorbereitete Serien-Testwagen treiben Tuning-Denker in die Enge. Kränkelnde Exoten, die auf Nimmerwiedersehen abdampfen, gehören zum Testalltag. Die jüngste Kreation aus dem Hause Arden in Krefeld will das Image der Veredler aufpolieren. Please welcome: Arden-Mini JCW AM3.

Der kleine Mini wird zur Rennmaschine

Britische Noblesse mit einem Hauch Goodwood statt Breitbau-Krawall à la Tuning World Bodensee - in British Racing Green Metallic und mit polierten Alu-Rädern stolziert der Arden-Mini AM3 auf John Cooper Works-Basis wie ein Concours-Teilnehmer daher. Die Villa d'Este lässt grüßen. Einmal den Startknopf gedrückt, verfliegt die vornehme Zurückhaltung.

Giftig faucht der Mini-Beau mit ab Kat modifizierter Edelstahl-Abgasanlage auf und mutiert akustisch zur Rennsemmel. Doch nicht nur gut Brüllen gehört zur Handwerkskunst des getunten JCW AM3. Dank umprogrammierter Motorsteuerung, zusätzlichem Ladeluftkühler und der Sportauspuffanlage presst der Arden-Mini AM3 mit 249 nun 38 PS mehr aus seinem aufgeladenen 1,6-Liter-Sportlerherz. Mit 200,5 Newtonmeter Drehmoment pro Liter Hubraum dribbelt sich der Kleinwagen sogar in andere Sportwagenligen (Porsche 911 GT2 RS: 194,4 Nm pro Liter Hubraum).

Beim Test verpufft die Kraft der 249 Pferde

Maximal stemmt der kleine Kraftmeier laut Leistungsdiagramm 320,4 Nm bei 1800/min auf die Kurbelwelle (Serien-JCW: 280 Nm mit Overboost). Doch Qualm an der Kette bringt nichts, wenn die Mehrleistung die Vorderreifen wie Disco-Kunstnebel rauchen lässt. Wer die pro Rad nur 6,9 Kilo schweren 18-Zöller mit Dunlop SP Sport 01 DSST-0815-Gummis besohlt und die Extra-Pferdchen ohne mechanische Differenzialsperre an der Vorderachse loslässt, darf sich nicht wundern.

Auch wenn der Arden-Mini AM3 mit deutlich besseren Durchzugswerten loslegt (Elastizität 6. Gang von 80 auf 160 km/h: Serien-JCW 16,9 s, AM3 13,2 s), misslingt der erste Testversuch.Mit schlechtem Gripniveau und Traktionsproblemen radiert der Mini JCW AM3 stempelnd los. Trotz einer minimalen Verbesserung der Sprintwerte des Serienmodells (Supertest Heft 4/2009: 6,6 Sekunden) verpufft ein Großteil der Extrakraft beim Galopp von null auf 100 km/h in 6,3 Sekunden.

Rennzwerg nimmt Nachhilfestunden

Wie zu erwarten quält sich der Mini beim Rausbeschleunigen aus engen Ecken mit extrem durchdrehendem kurveninneren Rad über den Kleinen Kurs in Hockenheim. Mit 1.19,0 Minuten hinkt der Arden-Mini JCW AM3 sogar dem Serienmodell um eine halbe Sekunde hinterher. Da helfen auch das H&R-Gewindefahrwerk in Arden- Spezifikation mit 30 Millimeter Tieferlegung und 30 Millimeter breiterer Spur sowie mehr Negativ-Sturz an der Vorderachse nicht. Setzen, sechs, raus! Nein, ganz so schnell fliegt kein Sportler aus dem Testkader.

Nach dem ersten missglückten Versuch nimmt der Arden-Mini AM3 endlich die bereits vor Testbeginn von sport auto empfohlenen Nachhilfestunden. Quaife-Sperrdifferenzial rein, 17-Zoll-OZ Ultraleggera mit Kumho Ecsta V700-Sportreifen rauf - fertig für die Reifeprüfung. Vergnügt schlürft der Rennzwerg die 18 Grad warme Frühlingsluft durch seinen glänzenden Belüftungsschlund (Aufpreis Edelstahl-Grilleinsätze: 543 Euro) und die Hutze auf der Motorhaube.

Mit den richtigen Reifen klappt's auch mit dem Mini

Doch bringen auch die technischen Änderungen die erhofften Frühlingsgefühle? Definitiv: Mit gut temperierten Kumho-Cupreifen fräst der Mini JCW AM3 von Arden nun mit besserer Traktion in 5,9 Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo. Ein Plus von 0,4 Sekunden.

Die Sperrwirkung der Quaife-Sperre (Torsen-Bauart) setzt relativ mild ein, Antriebseinflüsse sind in der Lenkung daher kaum spürbar. Das bereits im Schäfer-Mini JCW (sport auto 10/2010) geteste Drexler- Pendant (Lamellensperre) geht zwar auf der Rennstrecke noch beherzter ans Werk, der Geradeauslauf im Alltag ähnelt aber einem Zick-Zack-Marsch. Auch mit Quaife- Sperrdifferenzial trommelt der Arden-AM3 auf dem Referenzkurs in Hockenheim zum Angriff.

Arden-Mini stellt Serien-Bruder in den Schatten

Mit verbessertem Gripniveau und mehr Traktion prescht der Mini nun mit deutlich höheren Kurvengeschwindigkeiten um die Ecken. Durch Cupreifen und Sperre erhöht sich die Lenkpräzision vor allem unter Last. Der zuvor ausgeprägte Drang zum Untersteuern weicht einem erfrischenden Lenkverhalten. Mit 1,8 bar Luftdruck vorn und 2,2 bar hinten wedelt der Mini JCW AM3 mit gutem Eigenlenkverhalten. Der knackige Hintern schwingt bei bewussten Lastwechseln oder beim Anbremsen motiviert, aber gut beherrschbar mit.

Die Belohnung folgt mit einer Rundenzeit von 1.16,0 Minuten prompt. Nach den Anlaufschwierigkeiten glänzt der Arden-Mini AM3 doch noch und düpiert den Serien-Works in Hockenheim um 2,5 Sekunden. Und was ist die Moral von der Geschicht‘? Nur Tuner, die an den richtigen Stellhebeln drehen, können heute noch die auf einem hohen Niveau agierenden Serienwagen deutlich in den Schatten stellen.

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