Alles über Wiesmann MF3
BMW Sportwagen
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sport auto 03/2010 Heftinhalt 23 Bilder Zoom

Wiesmann Roadster MF3 im Test: Schwarz Fahren mit BMW M3-Technik

Ganz in Schwarz präsentiert sich der 343 PS starke Wiesmann Roadster MF3 als idealer Begleiter für Menschen, die das Besondere lieben. Der klassisch anmutende handgefertigte Zweisitzer lockt mit Hinterradantrieb, Softtop und SMG-Getriebe.

Dass das kleine Schwarze einen festen Platz im Kleiderschrank verdient, ist eine Binsenweisheit, die nicht nur bei den Flugbegleiter-Lehrgängen der Lufthansa in den 1980er Jahre ein allgegenwärtiges Thema war. Auch die Geschäftsfrau von heute kommt selten ohne aus. Im Automobilbau sieht die Sache kaum anders aus: Die kleinen Schwarzen haben seit Jahrzehnten und Klassenübergreifend Konjunktur. Und auch hier wird auf Wunsch Haute Couture statt Prêt-à-porter offeriert - bei Wiesmann zum Beispiel. Von der Stange gibt es in der Dülmener Automobil-Manufaktur nämlich nichts. Wer dort ein kleines Schwarzes ordert, wahlweise hoch geschlossen oder tief ausgeschnitten, erhält ein in liebevoller Handarbeit gefertigtes automobiles Einzelstück - im vorliegenden Fall einen Roadster mit der Kennung MF3 nebst formschönen Rundungen und wuchtigen 20-Zoll-Rädern. Lediglich in Sachen Chrom herrscht Fehlanzeige. Selbst der charakteristische Kühlergrill und die Michelin Pilot Sport 2-bereiften 8,5- und 10-Zoll-Vielspeichen-Felgen glänzen in der edlen Nichtfarbe.

Wiesmann Roadsters – einer grundehrliche Haut mit guten Umgangsformen

Das maßgeschneiderte Stoffverdeck des Roadsters - schwarz, wie sonst - ist manuell zu bedienen und verschwindet ganz klassisch und gänzlich unbeschwert unter einer kragenähnlichen Persenning am Heck. Dies und die nostalgische Formensprache beschreiben die Retro-Seite des westdeutschen Edel-Cabriolets, die unter der wollüstig gerundeten Karosse verborgene Technik die moderne. 343 PS aus 3,2 Liter Hubraum, sechs in Reihe angeordnete Zylinder und ein automatisiertes Schaltgetriebe namens SMG. Klingt bekannt? Ist es auch. Die Antriebseinheit entstammt dem BMW M3 E46 und passt perfekt zum Charakter des gleichfalls hinterradgetriebenen Wiesmann Roadsters - einer grundehrlichen Haut mit guten Umgangsformen, die weder bedingungslos dem Mainstream verschrieben noch über die Maßen weichgespült daherkommt. Da passt der sämig-kernige Sechszylinder nebst Herzschlagwummern im Schiebebetrieb perfekt ins Bild. Edle Materialien und saubere Verarbeitungsqualität im sehr intimen Innenraum treffen auf eine streng der Funktion verschriebene Konzentration aufs Wesentliche.

Macht auf öffentlichen Straßen und abgesperrten Strecken eine gleichermaßen gute Figur

Hier gibt es sie noch, die schlichten, zum Fahrer hin geneigten Rundinstrumente, die andernorts längst von mit aufwändiger Leuchttechnik und schicken Ziffernblättern für Aufmerksamkeit sorgenden Anzeige-Einheiten ersetzt worden sind. Akzente setzen lediglich die mit roten Steppnähten versehenen, exzellent konturierten Leder-/Alcantara-Sitze. Seit 1993 baut Wiesmann den Roadster. An Frische oder Charme verloren hat der Zweisitzer mit den markanten Leuchtenreihen und den Doppelendrohren am Heck über die Jahre indes nicht. Das aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigte, auf einem feuerverzinkten und aluminiumbeplankten Gitterrohrrahmen aufsetzende Retro-Cabrio macht auf öffentlichen Straßen und abgesperrten Strecken eine gleichermaßen gute Figur. Mit gerade einmal 1220 ausgewogen auf beide Achsen verteilten Kilo Lebendgewicht und dem so antritts- wie durchzugsstarken BMW-Reihensechszylinder nebst des automatisierten Schaltgetriebes SMG sprintet die 1,16 Meter hohe Flunder in 4,7 Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo. Die 200-km/ h-Marke knackt der Wiesmann binnen 16,7 Sekunden.

Etwa auf Porsche Boxster S-Niveau

Dem vehementen Vortrieb der Antriebseinheit steht eine nicht minder beeindruckende Performance seitens der Bremsanlage gegenüber: Kalt wie warm packen die mit 355-Millimeter-Scheiben vorn und 328er-Discs hinten nicht übermäßig üppig dimensionierten Stopper mit exzellenten 11,0 bis 11,3 m/s² zu. Damit operiert der Leichtathlet aus dem westfälischen Dülmen hier wie auch auf dem Kleinen Kurs in etwa auf Porsche Boxster S -Niveau. Nach 1.15,2 Minuten erklärt das Messgerät die 2,6-Kilometer- Runde für beendet, ohne dass die flotte Fahrt den Piloten über die Maßen Nerven gekostet hätte. Zwar zeigt sich der Wiesmann MF3 launigen Heckschwenks gegenüber durchaus zugetan, zickig oder gar bösartig agiert der Saugmotor- Sportler im Grenzbereich aber nicht. Die weit nach hinten gerückte Sitzposition trägt das Ihre dazu bei, dass sich etwaiges Übersteuern im Ansatz erkennen und rechtzeitig korrigieren lässt. Das ungewollte Anecken des linken Ellbogens lässt sich aufgrund der hochgezogenen Schwellerkante und des geringen Abstandes zur Fahrertür allerdings nicht immer vermeiden. Das gilt auch in der 180 Meter langen Pylonengasse, wo eine kundige Hand am Volant eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 67,6 km/h erlaubt.

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12,1 Liter pro 100 Kilometer

Und wie ist es um die Alltagsqualitäten des Wiesmann-Einstiegsmodells bestellt? Was den Spritverbrauch angeht zunächst einmal gut. Wer sein Temperament und das des Autos zügelt, kommt gut und gerne mit unter neun Liter Super Plus auf 100 Kilometer aus. Wer seinem vierrädrigen Partner das Letzte abverlangt, muss nach derselben Distanz 16,2 Liter nachfüllen. Im Mittel pendelt sich der Durst des 1.220-Kilo-Flohs bei leistungsgerechten 12,1 Liter pro 100 Kilometer ein. Einzig bei der Anschaffung des maßgeschneiderten Roadsters muss dann doch etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden. 99.900 Euro Grund- und 140.005 Euro Testwagenpreis sind in dieser Leistungsklasse durchaus eine Ansage - feiner Zwirn hin oder her. Aber der unverwechselbare, zeitlos-elegante Auftritt kostet halt - in der Mode wie im Automobilbau. Da macht das kleine Schwarze aus Dülmen keine Ausnahme. 

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