Alfa Romeo 8C Competizione Spider: Fahrt mit dem italienischen V8-Supersportler

Alfa Romeo 8C Spider

Alfa Romeo füttert seine Fangemeinde rund ein Jahr nach dem 8C Competizione mit einem weiteren Häppchen Automobilbaukunst - der Spider-Version des Sportwagens. Neben einem Stoffverdeck erhielt der Zweisitzer eine neue Fahrwerksabstimmung und legte um 90 Kilogramm zu.

Kaum einer Automobilmarke wird so viel Liebe und Hass entgegengebracht wie Alfa Romeo. Die Fahrzeuge der Mailänder erhalten viel Zuneigung aufgrund ihres Designs oder ihrer Fahrdynamik, zeitweise auch wegen beidem. Alfa-Fahrer verdammen ihre Autos zuweilen, da sie früher gern rosteten oder liegen blieben. Oft taten sie beides. Und immer wieder facht der Hersteller die Liebe zur Marke mit Traumwagen wie dem RZ oder eben jetzt dem 8C Spider an.

Anbetungswürdiger Sportwagen mit Volks-Spider-Maßen
 
Mit der offenen Version des längst ausverkauften Competizione beweisen die Italiener, dass sie bei nahezu gleichen Ausmaßen wie denen des etwas pummelig geratenen Volks-Spider einen anbetungswürdigen Sportwagen schaffen können. Neider mögen ihm die kleinteiligen Leuchten an der Front oder die Heckpartie vorwerfen, die in ähnlicher Form schon Corvette-Modelle zu einem schönen Abschluss brachte. Den 8C stört das nicht: Die nahezu vollständig gefüllten Auftragsbücher verleihen ihm das letzte Quäntchen Selbstbewusstsein.
 
Den Rest besorgen die vom Competizione bekannten Zutaten wie das von viel Kohlefaser flankierte Stahl-Chassis sowie das von Maserati entliehene V8-Triebwerk, das offenbar mit einem Schuhlöffel dicht an die Spritzwand bugsiert und dort von einer üppigen Domstrebe eingesperrt wird. Daneben wurden in das Gerüst des Spider weitere Versteifungen eingeflochten, die einerseits den Stabilitätsverlust durch das fehlende Dach kompensieren, andererseits ein Mehrgewicht von 90 Kilogramm mit sich bringen. Doch die Ingenieure werden nicht müde zu beteuern, dass die zusätzlichen Pfunde keine Auswirkungen auf die Fahrdynamik haben. Schließlich konnten an anderer Stelle, wie beispielsweise der Bremsanlage, einige Kilo eingespart werden. Zudem blieb es bei der exakt hälftigen Gewichtsverteilung.
 
450 PS pfeifen durch die vierflutige Auspuffanlage
 
Tatsächlich fühlt sich der stolze 1,7 Tonnen schwere Alfa nicht nach so viel Masse an. Der Zweisitzer folgt unverzüglich den Lenkbefehlen, die der Fahrer der Elektronik-freien Servolenkung erteilt. Nachdem er sich engagiert in die Kurve hineingeworfen hat, behält der Spider stur die vorgegebene Linie bei und lässt sich auch von Lastwechseln kaum aus der Ruhe bringen. Nur wenn der Pilot im Überschwang der Gefühle, sei es nun Liebe oder Hass, das Gaspedal malträtiert und am schicken Dreispeichen-Lenkrad kurbelt, kommt Unruhe ins hübsche Hinterteil. Doch selbst dann reißt zumindest auf trockener Fahrbahn die Traktion nicht schlagartig ab. Vielmehr kündigt sich das obere Ende des Grenzbereichs rechtzeitig an, dass entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Gleichwohl bleibt eine akustische Unruhe im Heck.
 
Endlich darf ein Alfa zu Recht eine vierflutige Auspuffanlage tragen. Denn erstens ist im 8C eine der Optik entsprechende Motorleistung vorhanden. Zweitens verstehen es die 450 PS, sich so herrlich trompetend in die Gehörgänge zu bohren, dass man sich fragt, warum es überhaupt Alfas mit kleineren Motoren gibt. Donnernd wie Pavarotti selig oder triumphierend wie Caesars Fanfaren - ohne eine Spur vom Sägewerk-Sound, der anderen italienischen Supersportlern eigen ist -, musiziert der 8C um die Alfa Romeo-Teststrecke in Balocco, stets aufs Neue von lautmalerischen Höhepunkten unterbrochen. Jedesmal wenn eine der beiden Kehren auftaucht, deren Einlenkpunkt sich unmittelbar nach einer Unterführung befindet, muss der Fahrer schnell reagieren. Fordert er rechtzeitig mit einem kurzen Zucken am linken Schaltpaddel den nächst kleineren Gang des automatisierten Sechsganggetriebes an, bellt der V8 - angestachelt von einem Spritzer Zwischengas - laut und donnergrollend auf.
 
8C Spider auf 500 Exemplare limitiert
 
Zum Jubeln bleibt keine Zeit, der Fuß steht längst auf der Bremse. Doch die mit gelochten Scheiben aus Karbon-Keramik-Verbundmaterial versehene Anlage packt zuverlässig und ohne unwürdiges Quietschen zu. Gefühlvoll dosieren lassen sie sich obendrein. Besonders sensibel soll im Vergleich zum Competizione auch die Fahrwerksabstimmung geraten sein, sagen die Ingenieure. Der Rücken des Fahrers sagt etwas anderes. Angesichts der möglichen Querdynamik geht das gewählte Setup jedoch in Ordnung. Wenngleich die dünnen, scheinbar mit Zangen statt mit Seitenwangen ausgestatteten Schalensitze dem Komfort nur bedingt zuträglich sind. Doch das sind definitiv keine Gründe, den 8C nicht zu mögen. Dass vom 8C Spider nur 500 Exemplare gebaut werden, dürfte hingegen sehr wohl den Zorn der Alfa Romeo-Fans wecken. Mal wieder. 

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Jens Dralle

Autor:

SPORT AUTO, Heft 9 / 2009

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