Aston Martin Cygnet trifft Abarth 695 Tributo Ferrari: Flucht-Zwerge mit Sportgeist

Aston Martin Cygnet, Abarth 695 Tributo Ferrari, Parkhaus

Gestatten Cygnet, Aston Martin Cygnet. Falls MI6-Entwickler Q jemals auf die Idee kommen sollte, Agent 007 nicht mehr im DBS, sondern im Miniatur-Aston auf die Jagd zu schicken, haben wir das potenzielle James Bond-Mobil schon einmal Probe gefahren. Ein möglicher Bösewicht als Gegner ist der Abarth 695 Tributo Ferrari. Flucht-Szenen eines verregneten Tages.

Wladimir Putin und Gerhard Schröder, Laurel und Hardy, Ulrich Bez und Akio Toyoda - die Liste großer Männerfreundschaften reicht bis in die Autoindustrie. Regelmäßig klettern der Aston Martin-Boss und der Toyota-CEO auf der Nordschleife ins Cockpit, tauschen manchmal ihre Rennfahrzeuge oder fachsimpeln bei einem Bierchen in der Pistenklause über Kooperationspläne. Doch ob der Kleinwagen Toyota iQ wirklich in der Ring-Kneipe oder anderswo gedanklich zum Aston Martin Cygnet mutierte, ist genauso wenig überliefert wie die Vermutung, dass die Cinquecento-Knallbüchse Abarth 695 Tributo Ferrari ebenfalls eine Spontanidee zwischen Prosciutto, Parmigiano und Cappuccino war.

Zwei Kaffeebecher auf vier Rädern

Warum kümmern wir uns überhaupt um zwei Starbucks-Kaffeebecher auf vier Rädern? Erst monsunartige Regenfälle und später arktische Kälte degradieren die Testwagen-Garage der Redaktion zum Niemandsland. Während Supersportwagen bei den Herstellern im Winterschlaf dösen, dürfen die Kleinen zeigen, ob sie den großen Namen mit Recht tragen.

Auf den ersten Blick wirkt der Aston Martin Cygnet wie ein schlechter Scherz von James Bond-Tüftler Q: Drei Meter lang, 1,7 Meter breit und 1,5 Meter hoch - eher rollender Skischuh denn Agenten-Mobil. Während die Seitenlinie mit dem abgehackten Heck kaum 007-verdächtig ist, schärften die Aston-Designer mit chirurgischem Geschick die Frontpartie. Die platte Toyota-Schnauze ziert beim Cygnet ein breiter Kühlerschlund mit Aluminium-Querstreben, dazu kommen etwas verlängerte Scheinwerfer und Luftschlitze in der Motorhaube.

Aston Martin Cygnet als Luxus-Toyota iQ

Nähern wir uns dem als Stadtauto entwickelten Luxus-Winzling. Mit einem horrenden Grundpreis von 37.995 Euro ist er so teuer wie drei Basis-iQ (ab 12.050 Euro). Zum Marktstart 2011 fuhr der Drei-Meter-Würfel sogar als limitierte Edition für 48.995 Euro vom Hof. Klick, wo ist die klassische Aston Martin-Kristallskulptur für 700 Euro, die nur Auto-Muffel plump Zündschlüssel nennen? Fehlanzeige, der Cygnet-Schlüssel ist nur ein rechteckiger Plastikblock in der Größe einer Zündholzschachtel.
 
Platz nehmen, die Sitzposition ist eher Aston Martin-würdig. Nicht hölzern hoch wie auf einem Melkschemel, sondern tief über der Bodengruppe. Augen schließen und tief einatmen. Am Interieur-Geruch lässt sich der Zwergen-Aston nicht von seinen Verwandten unterscheiden. Feinstes Leder-Alcantara-Parfum liegt in der Luft. Kein Wunder, in 160 Stunden Handarbeit verwandelte sich der iQ in der Aston Martin-Manufaktur von Gaydon zum Edel-Kleinwagen. Bis auf wenige unglamouröse Toyota-Schalter fliegt die Hartplastik raus: Im Cygnet schmiegen sich insgesamt sechs Lederhäute über Sitze, Instrumentenbrett, Mittelkonsole, Lenkrad und Türtafeln.
 
Zum Vergleich: Im V8 Vantage verarbeiten die Aston-Techniker ebenfalls sechs Lederhäute. Leder in schmackhaftem Braunton „Bitter Chocolate“, dazu noch einen Schuss „Cirrus Grey“ Alcantara, Ziernähte in „Silver Coarse“ und viel Lack in „Pianoblack“ - fertig ist der MI6-Verfolgungswagen im Miniaturformat? Denkste, unter der Motorhaube zirpt ein 1,3-Liter-Motor so sexy wie eine Nähmaschine. Mit 98 PS könnte 007 bestenfalls Motorroller jagen. Schmalbrüstig heulend dreht der Vierzylinder hoch und beschleunigt den Knirps ohne übermässigen Schub, aber dank stufenloser Automatik mit gleichmäßigem Vortrieb. Das CVT-Getriebe hat der Cygnet genauso wie die japanischen Schriftzeichen im Motorraum und die Toyota-Fahrgestellnummer im Fahrzeugschein vom iQ übernommen.

Aston Martin Cygnet taugt zum Driften

Doch zum Trost für 007-Fans: Mit einigermaßen straffer Federung, halbwegs präziser Lenkung, vollständig abschaltbarem ESP, echter Handbremse und ein wenig Herzblut driftet der Aston Martin Cygnet in Bond-Manier durchs Parkhaus - 180-Grad-Fluchtwenden inklusive.
 
Während sich der Luxus-Brite mit seiner Optik zufrieden gibt, rauscht der Abarth 695 Tributo Ferrari schnaubend wie ein aufgeregter Stier heran. Laderzwitschernd soll der 180-PS-Spross mit Garrett-Turbolader an die glorreichen Abarth-Zeiten der sechziger Jahre erinnern, als die von dem Konstrukteur Carlo Abarth frisierten, kleinvolumigen Rennsemmeln in ihren Klassen fast unschlagbar waren.

Italienische Rennsemmel als Kurvenstar

Die in offizieller Ferrari-Farbe „Rosso Corsa” lackierte Kleinwagen-Granate marschiert vorwärts und rotzt dabei röchelnd durch die vierflutige Sportabgasanlage „Record Monza”. Unter Last zerrt der Fronttriebler frech in der Lenkung - Antriebseinflüsse sind hier deutlich spürbar. Die im Vergleich zum Abarth 500 kürzeren Federn senken den Fahrzeugschwerpunkt um 10 Millimeter ab. Auf kurvigen Landstraßen wedelt der Abarth 695 Tributo Ferrari dank der strafferen Abstimmung samt Koni-Dämpfern quietschfidel ums Eck.
 
Weniger Freude bereitet das halbautomatisierte Getriebe. Durch die langen Schaltpausen wippen die Köpfe der Insassen beim Schalten wie ein Punchingball hin und her. Mittels Sporttaste können die Schaltzeiten etwas verkürzt werden, die behäbige Gangart der Schaltbox lässt sich jedoch nicht kaschieren. Im Sportmodus reagiert der frisierte 500er zudem aggressiver auf Gasbefehle und punktet mit direkterer Kennlinie der Lenkung.
 
Wo wir gerade beim Motzen sind: Zur Kategorie „Geht gar nicht“ gehört auch bei diesem Cinquecento die Ergonomie der Lenkrad- und Sitzposition. Das ausschließlich höhenverstellbare Lenkrad müsste unbedingt auch längenjustierbar sein. Mit der aktuellen Sitzposition fühlen sich nur Durchschnittsitaliener mit langen Armen und kurzen Beinen halbwegs wohl im flinken Rennfloh. Auch die Höhe der Sitzposition erinnert mehr an Kneipenhocker denn an sportliches Flair.

Abarth 695 Tributo Ferrari mit Sportwagen-Ausstattung

Sämtliches Sportzeug im Innenraum haben die Abarth-Jungs scheinbar in Maranello entwendet. Im Abarth 695 Tributo Ferrari kommen zwei je zehn Kilo leichtere Schalensitze mit Alcantara- und Lederbezug von Sabelt sowie mit Kohlefaser-Rückwand zum Einsatz. Der Karbon-Werkstoff ziert ebenso großflächig den Instrumententräger. Von unschönen Großserienkunststoffen (Türverkleidungen und Mittelkonsole) sollen zudem ein zweifarbiges Lederlenkrad mit Rallye-Markierung sowie das von der Uhrenmanufaktur Jaeger entworfene Design des weißen Ziffernblattes im Kombiinstrument ablenken.
 
Wer sich auch von Punktabzügen in der B-Note (Getriebe, Sitzposition) nicht ablenken lässt, sollte sich beeilen. Anders als der Aston Martin Cygnet ist der auf 1.696 Exemplare limitierte Abarth 695 Tributo Ferrari fast vollständig ausverkauft. So extrovertiert diese Kleinwagen auch sind: Wir bei sport auto freuen uns jetzt schon wieder auf die nächste Ablenkung aus dem Hause Aston Martin und Ferrari - dann aber hoffentlich wieder vom Schlage eines Supersportlers à la One-77 oder 599 GTO.

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