Audi e-tron Spyder: Elektromeister der Zukunft

Audi e-tron Spyder, Front

Die Elektro-Mobilität ist auf dem Vormarsch, weil politisch gewollt und könnte, glaubt man der Zukunftsvision, die Audi mit dem e-tron Spyder entwirft, in absehbarer Zeit auch im Sportwagenbau andocken.

Der Begriff "Showcar" sagt klar, um was es geht: Wer ein solches baut, will etwas zeigen - englisch: to show. Vordergründig ein Auto - a car. Genau genommen und im Falle des Audi e-tron Spyder geht es dabei jedoch um mehr. Der 1,11 Meter flache, 1,81 Meter breite und 4,06 Meter lange Zweisitzer ist eine Art Versuchsballon. Wie bei anderen Studien auch, will der Ingolstädter Premiumhersteller an und mit ihm die Reaktion des Publikums testen - und das in diesem speziellen Fall gleich in zweierlei Hinsicht.

e-tron Spyder: Antriebskonzept sucht Seinesgleichen

Zum einen geht es natürlich um das sehr interessante, in dieser Form bislang einmalige Antriebskonzept: Zwei an eine rund 100 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Batterie gekoppelte, zusammen 87 PS starke Elektromotoren vorn sind an den aus dem Audi A6 bekannten 313 PS starken, in diesem Umfeld aber nur 300 PS leistenden Biturbo-V6-Diesel gekoppelt. Da der mit einem Alu-Spaceframe und einer komplett aus Kohlefaser bestehenden Außenhaut gefertigte Roadster beide Antriebseinheiten beim Beschleunigen kombinieren kann, stehen dem ökologisch orientierten Piloten bei Bedarf demnach beinahe 400 Pferdestärken zu Gebote.

Noch beeindruckender fällt das insgesamt mobilisierbare maximale Drehmoment aus: 650 Newtonmeter lässt der Selbstzünder des Oben-Ohne-Sportlers auf die dem Audi R8 entstammende Hinterachse los, deren 352 geben die Elektromotoren an die vom Audi TT RS entlehnte Vorderachse ab. So gerüstet soll der von Hand gefertigte Prototyp binnen 4,4 Sekunden auf Tempo 100 spritzen und bis zu 250 km/h schnell werden. Angesichts des mit rund 1.450 Kilogramm bezifferten Gesamtgewichts ein durchaus glaubhafter Wert, der die Gesamtidee durch die grüne Brille betrachtet ein Stück weit aber auch wieder ad absurdum führt. 

CO2: Aus dem Blick, aus dem Sinn

Sei´s drum: Die dahinter stehende Intention, die da lautet, wer will und mag kann im Großstadt-tauglichen Bummeltempo auch bis zu 50 Kilometer rein elektrisch und somit zumindest vordergründig emissionsfrei und somit besten Gewissens in die Innenstädte der Ballungszentren fahren statt laufen, erfüllt der e-tron Spyder allemal. Schließlich wird das aufgrund der zunehmenden Erderwärmung stark in die Kritik gekommene CO2 in diesem speziellen Fall an anderer Stelle, nämlich bei der Stromerzeugung, freigesetzt und gemäß dem Motto "aus dem Blick, aus dem Sinn" geflissentlich verdrängt.

Auch auf die Frage des tatsächlichen Strom-Verbrauchs respektive der damit verbundenen Kosten bei rein elektrischer Fahrweise wussten die Audi-Strategen keine rechte Antwort. Genaue Zahlen habe man nicht parat. Dabei wären eben diese doch interessant und entscheidungsrelevant, wenn über die Güte von Antriebsalternativen gesprochen und nachgedacht wird. 

Allgemeinverträglichkeit einer möglichen neuen Designstudie

Vielleicht ist jener Informationsmangel aber auch dem zweiten und möglicherweise viel relevanteren Zweck des Studienobjekts geschuldet. Tatsächlich nimmt der auf einem im Radstand um 22 Millimeter verkürzten Chassis basierende Zweisitzer, der bislang ohne Dach und wie auch immer gearteten Stauraum auskommen darf und mangels vorderen und hinteren Überhängen angenehm stämmig und kompakt auftritt, nämlich bereits etliche Designelemente vorweg, die so oder ähnlich im R8-Nachfolger Anwendung finden könnten. Studiert wird seitens Audi anhand des e-tron Spyder somit auch die Allgemeinverträglichkeit einer möglichen neuen Designlinie. 

Klar - die überaus filigranen, jedwede Sicht nach hinten konsequent unterbindenden Außenspiegel und die aus 66 Einzelteilen, weil mit an Flugzeug-Turbinen erinnernden Alu/ Karbon-Streben versehenen Leichtbauräder werden so in der Serie nie kommen. Etliches anderes, wie beispielsweise die spitz zulaufenden vorderen LED-Scheinwerfer oder die neugestalteten Kühllufteinlässe sowie die scharf geschnittene, sich über den Radhäusern sanft wölbende seitliche Lichtkante könnte indes sehr wohl bereits einen ersten Ausblick auf die R8-Zukunft geben.

Der e-tron Spyder ist wenig serientauglich

Doch die Frage, ob der e-tron Spyder sich so "kurvenwillig und bis in den hoch angesiedelten Grenzbereich neutral" gebärdet, wie die anlässlich seiner Premiere auf dem Pariser Autosalon des vergangenen Jahres herausgegebene Pressemitteilung glauben machen will, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Sicher: Prinzipiell handelte es sich bei dem Termin, zu dem Audi in Kalifornien geladen hatte, schon um eine Fahrvorstellung. Und ja: Das Auto war sowohl fahrfertig als auch einsatzbereit. 

Allein: Dem "Fahrverhalten eines Gokarts" war bei einer auf 37 Meilen pro Stunde begrenzten Höchstgeschwindigkeit inmitten einer Polizei-Eskorte und bei einmaligem den Berg-Hinauf-und-wieder-Hinunterfahren beim besten Willen nicht auf die Spur zu kommen. Auch dürfte die mangels jedweder Dämmung recht präsente Geräuschkulisse des im Normalfall mitlaufenden Diesel-V6 sicher ebenso wenig serientauglich sein wie ein Auto ohne jede Art von Dach. 

Was also zeigt der e-tron Spyder wirklich? Ein Auto ganz sicher, neue Ideen und gelungene Proportionen auch. Und Details, die wir so oder ähnlich an anderer Stelle wiederfinden werden. Mehr aber auch nicht.

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Anja  Wassertheurer

Autor:

SPORT AUTO, Heft 11 / 2011

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