Bentley Continental Supersports Convertible ISR: Im Rekord-Renner durch Finnland

Bentley Continental Supersports Convertible ISR, Finnland

Die exklusive Reise im Bentley Continental Supersports Convertible ist geprägt von Gegensätzen: Rennwagen auf Schnee und Eis auf der einen Seite, Luxus und Cabriolet auf der anderen. sport auto fuhr mit dem 330 km/h schnellen Weltrekord-Fahrzeug 660 Kilometer durch die Winterlandschaft Finnlands. Ziel ist der Genfer Autosalon, wo das Unikat neben dem stärksten Bentley aller Zeiten ausgestellt wird.

Bentley bietet mit dem Continental Supersports Convertible nach eigenen Angaben das weltweit schnellste Seriencabriolet an. Pilotiert vom vierfachen Rallyeweltmeister Juha Kankkunen, holte sich der offene Brite nun auch den Geschwindigkeitsweltrekord auf Eis. "Anlässlich dieses herausragenden Rekords werden wir einen wirklich außergewöhnlichen Bentley präsentieren", kündigt der neue Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer für den Genfer Autosalon an. Auf der Automobil-Messe soll neben dem neuen Sondermodell Bentley Continental Supersports Convertible ISR auch das Rekordfahrzeug ausgestellt werden. sport auto überführte das Rekordauto 660 Kilometer von Oulu nach Helsinki.

Über 600 Kilometer nach Süden

In Oulu, der nördlichsten Großstadt in der Europäischen Union, beginnt die außergewöhnliche Reise. Die Temperatur liegt bei unter minus 20 Grad. Der Atem mutiert zur Rauchfahne. Von der Sonne noch keine Spur. Also, bevor die Hotel-Wärme durch die etlichen Kleidungsschichten entweicht, schnell in den Wagen hüpfen. Leichter gesagt als getan. Zwar ist das Bentley Continental Supersports Convertible serienmäßig vom Band gelaufen, allerdings haben die Ingenieure in Crewe nachträglich aus Sicherheitsgründen einen massiven Überrollkäfig, eher ein Rohrrahmengeflecht, eingebaut. Also gilt es, sich zwischen den Streben hindurchzufalten. Rennwagentypisch geht es im Luxussportler weiter. Auf den gut konturierten Ledersitzen werden die zwei vorderen Insassen von Renngurten festgehalten, während hinten die Käfigstreben die Plätze dauerhaft okkupiert haben.

Los geht's. Statt Zwölfzylinder-Motorsound bestimmt die Klimaanlage die Geräuschkulisse, während wir das Lichtermeer der Stadt gen Süden in die Dunkelheit verlassen. Einige Kilometer östlich fand am 15. Februar 2011 die Rekordfahrt statt. Auf der Ostsee. Dafür wurde eine 16 Kilometer lange Strecke geräumt. Übrig blieb eine 70 Zentimeter dicke Eisschicht als Piste. Doch inzwischen hat sich auch dort wieder Schnee abgelegt - wie überall. Denn in der Dämmerung zeigt sich die weiße Puderzuckerschicht, die Boden, Wälder und Himmel miteinander verschmelzen lässt.

Luxuscabrio als Rennwagen

Die Rolle als Copilot bietet die Gelegenheit, das Fahrzeug von innen zu inspizieren. Feinstes Leder kleidet den Armaturenträger und lässt nur aus Sichtkarbon gefertigte Flächen unbedeckt. Stepp-Muster an den Türen und Chrom-Applikationen zeugen von der edlen Abstammung des Gefährts. Mit einem Rennwagen hat das Cabrio auf den ersten Blick nichts gemeinsam - von Käfig und Mehrpunkt-Gurt abgesehen. Gut, an den Lüftungsgittern sind noch die Bohrungen der Messgeräte sichtbar und die Mittelkonsole verfügt über einen zusätzlichen Griff. Letzterer diente zum Auslösen des Bremsfallschirms, der am Heck montiert war und nun im Kofferraum liegt.

Angetrieben von 630 PS und 800 Nm

Nach einer Stunde Fahrt haben wir 60 Kilometer geschafft. Immerhin zehn Prozent. Ok, es lag nicht am Fahrer, sondern eher am Wunsch, das Bentley Continental Supersports Convertible ISR bei Sonnenaufgang zu fotografieren. Also Fahrerwechsel. Nach dem rennwagenmäßigen Einstieg startet der Dreh am Zündschlüssel den mächtigen Zwölfzylinder - der meldet sich unüberhörbar mit sonorem Brummen. Der Bentley setzt sich mit einem Bruchteil der 630 PS in Bewegung, als ob er bloß die Hälfte der angegebenen zweieinhalb Tonnen wiegen würde. Zudem lässt sich der 4,8 Meter lange und 1,9 Meter breite Brite kinderleicht manövrieren. Während bei der Rekordfahrt auf der Eispiste Juha Kankkunen mit beiden Händen das Lenkrad fest umkrallte, um Windböen nicht nachzugeben, genügt bei Landstraßentempo ein Finger, um in der Spur zu bleiben. Entspanntes Reisen.

Da in Finnland das Tempolimit im Winter gesenkt wird, ruht auf der Reise sowohl der Drehzahlmesser wie auch die bestimmende Tachonadel in der ersten Skalenhälfte. Während der Kilometerzähler langsam hochzählt, zieht die Bilderbuch-Winterlandschaft gemütlich an einem vorbei, als ob man in einer Glaskugel sitzt. Zufrieden brummt der Biturbo und das monotone Abrollgeräusch der gut haftenden Pirelli SottoZero-Winterreifen der Größe 275/40 R20 wird nur durch gelegentliches Rascheln von Rollsplit in den Radhäusern überstimmt. Ein Reisewagen mit erstklassigem Komfort. Wieso wählt man nur solch ein Fahrzeug für einen Geschwindigkeits-Weltrekord?

Allradgetriebenes Schwergewicht mit Luftfahrwerk

Nach drei Kriterien hat Kankkunen bereits sein erstes Rekordfahrzeug ausgesucht: Der Sportwagen muss schwer sein, damit er bei hohen Geschwindigkeiten nicht abhebt. Allradantrieb war die zweite Voraussetzung, die dritte Vorgabe war ein Luftfahrwerk. Denn natürlich ist eine Eispiste nicht eben wie eine Asphaltstrecke. "Das Heck wollte ständig ausbrechen. Das Auto fuhr sich eher wie ein Boot denn wie ein Auto. Durch die Unebenheiten war ich ständig in der Luft. Es war gut, dass der Bentley so schwer ist", beschrieb der Pilot bereits die erste Rekordfahrt im Bentley Continental 2007.

Nicht nur Kankkunen stellte die verstellbare Luftfederung auf Komfort. Selbst auf den ausgebauten Straßen bei unserer Fahrt nach Helsinki wurde das Schwergewicht von kleinsten Eisklumpen und Unebenheiten so durchgeschüttelt, dass längere Abschnitte im Sportmodus unangenehm wurden. Auf der härtesten Stufe hat das Bentley Continental Supersports Convertible übrigens im Test den Kleinen Kurs in Hockenheim in 1.17,0 Minuten umrundet, trotz merklicher Wankneigung. Bei uns ging es dagegen nicht um Bestzeiten, sondern darum, dass das Rekordfahrzeug sicher ankommt.

Aerodynamik wurde für Höchstgeschwindigkeit optimiert

Kilometerlange Geraden, vergleichbar mit den US-Highways, forderten die ganze Aufmerksamkeit. Da aus aerodynamischen Gründen für die Höchstgeschwindigkeit die Seitenspiegel demontiert wurden und Schulterblicke im angeketteten Mehrpunktgurt nicht möglich sind, brachte jeder Spurwechsel einen kleinen Adrenalin-Kick. Neben den Außenspiegeln wurden auch Scheinwerfer und Teile der Front sowie die Räder bei der Rekordfahrt mit Blenden verkleidet. Zudem wurde der Kofferraumdeckel mit einem gigantischen Flügel verlängert, der uns bei einer Vesperpause als Tisch diente.

Je tiefer die Sonne sich in die Bäume verkroch und je länger die Schatten wurden, desto näher kamen wir dem Ziel. Nach einer reinen Fahrzeit von zehneinhalb Stunden traf der Brite dann in Helsinki ein - mit 660 Kilometern mehr auf der Uhr. Und auch wenn der Durchschnittsverbrauch bei der Überführung - trotz dynamischer Fotofahrten - bei 16,6 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer lag: Der Bentley lässt sich auch ökologisch mit Bioethanol (E85) fahren.

Schnell wurden wieder die Rekordreifen aufgezogen - wir waren aus Sicherheitsgründen mit neuen Pneus unterwegs - und dann verstummte der Zwölfzylinder auf einem LKW-Anhänger. Die restlichen Kilometer nach Genf musste das Bentley Continental Supersports Convertible, bei dem es sich schließlich um ein Unikat handelt, nicht auf eigener Achse bewältigen.

Sondermodell in Anlehnung an das Rekordfahrzeug

Auf dem Autosalon in Genf stellt Bentley anlässlich des Rekords eine limitierte Sonderedition vor. Das Bentley Continental Supersports Convertible Ice Speed Record (ISR) ist das kraftvollste Straßenauto, das Bentley je gebaut hat.

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Carsten Rose

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