Fünftürer, Dreitürer, Coupé und demnächst noch Cabriolet - die Kreativität der für die 1er-Reihe verantwortlichen BMW-Entwickler scheint grenzenlos. Ob die Stufenheck-Variante anders ist, klärt die Fahrt im 135i Coupé.
Starker Motor vom größeren Bruder
Keine Frage - die Sache ist clever gemacht. Wenn man den einen zweitürigen Einser, den mit dem Stufenschnitt, vom anderen zweitürigen Einser, dem mit der großen Klappe, abheben will, hilft vor allem eines: eine andere, in dieser Baureihe bislang nicht gebotene Motorisierung.
Ergo lockt das Top-Modell des neuen 1er-Coupés mit dem aus drei Liter Volumen Kraft schöpfenden Sechszylinder-Biturbo des größeren Bruders 335i. Das Datenblatt notiert 306 PS und 400 Newtonmeter maximales Drehmoment. Auf den ersten Blick scheint das ziemlich viel Leistung zu sein für ein derart kompakt anmutendes Auto. Auf den zweiten Blick zeigt das Studium der Zahlen und Fakten, dass der Stufenheck-Einser so klein und kompakt gar nicht ist.
Mit 4,36 Meter Länge, 1,75 Meter Breite und 1,41 Meter Höhe legt der Einstiegs-BMW recht erwachsene Abmessungen an den Tag. Da erstaunt dann auch der vergleichsweise geringe Gewichtsunterschied zu den Vertretern der 3er-Reihe nicht weiter. Mit 1.560 Kilogramm bringt der kleine zweitürige Viersitzer gerade einmal einen Zentner weniger auf die Waage als der große. Das supergetestete 335i Coupé wog 1.610 Kilogramm.
Reminiszenz an den 2002tii
Da der Preisunterschied zwischen den identisch motorisierten Coupés der Baureihen mit rund 4.500 Euro gleichfalls moderat ausfällt, dürfte die Entscheidung pro Stufenheck beim Einstiegsmodell seitens BMW einen anderen Grund gehabt haben. Tatsächlich fiel der entscheidende Hinweis zwischen den Zeilen: Bei der Präsentation war zu vernehmen, dass die amerikanischen Käufer die Hatchback-Varianten nicht in vollem Umfang goutieren. Primär auf sie dürfte das neue Modell, das BMW-intern als legitimer Nachfolger des insbesondere in den USA legendär gewordenen 2002tii gehandelt wird, demnach abzielen.
Dass das ab 38.950 Euro zu habende, serienmäßig mit Sportfahrwerk und 18-Zoll-Mischbereifung versehene 135i Coupé auch unter deutschen Fahrern zum Geheimtipp avancieren könnte, ist dennoch wahrscheinlich. Schließlich wartet auch das kleine BMW Coupé mit den markentypischen Tugenden auf. Als da wären: hochwertige Materialien und Verarbeitungsqualität, perfekte Ergonomie, kraftvoll-moderner Auftritt, exzellente fahrdynamische Anlagen.
Die Lenkung agiert direkt und liefert dem Fahrer jederzeit das gewünschte Maß an Rückmeldung, die Traktion geht trotz fehlender mechanischer Sperre in Ordnung. Das elektronisch agierende so genannte Limited Slip Differenzial ist auch bei abgeschaltetem DSC aktiv und erlaubt eine leidlich verlustfreie Übertragung der durchaus beachtlichen Antriebskräfte via der hinteren, mit 245 Millimeter breiten Gummis bezogenen 18-Zöller.
Effektive Festsattelbremsen
Eigenmächtige Ausfallschritte des Hecks sind auch beim stärksten 1er-Coupé - alternativ stehen hierzulande derzeit noch zwei 177 (120d) und 204 PS (123d) starke Dieselmodelle zur Wahl - kein Thema. Der Kompaktsportler nimmt enge Kehren neutral bis gutmütig untersteuernd in Angriff und legt Lastwechseln gegenüber ein eher stoisches Temperament an den Tag.
Großes Lob erhält der 1er, dessen Kofferraum bis zu 370 Liter Gepäck zu schlucken vermag, für die tadellose Arbeitshaltung seiner mit 338 Millimeter messenden Scheiben vorn und 324-Millimeter- Disks hinten großzügig dimensionierten Bremsanlage. Die Festsättel (vorn sechs, hinten zwei Kolben) packen gnadenlos zu, das ABS regelt feinfühlig und passgenau. Zehn leidlich flotte Runden auf dem neu erbauten Gotland-Ring nördlich Visby überstanden die Stopper ohne jedwede Fadingtendenz.
Ob derlei Anlagen im Verbund mit dem beeindruckend potenten Turbomotor den von BMW im Rahmen der Efficient Dynamics- Offensive artikulierten Sparzielen entgegenkommen oder doch eher komplementär entgegenlaufen, werden die Zukunft und der Test klären. In Schweden war festzustellen, dass der kleine Münchner auch zum gelassenen Cruisen taugt und sich - die Einhaltung des dortigen Tempolimits von 90 km/h vorausgesetzt - laut Bordcomputer mit angemessenen 8,1 Liter Super Plus je 100 gefahrenen Kilometern begnügt.





