BMW 650i Cabrio im Fahrbericht: Offenes Sechser-Vergnügen mit V8

BMW 650i Cabrio

Das BMW 650i Cabriolet ist mit seinem fürstlichen Grundpreis gewiss kein Fall für jedermann. Dafür geht der 2+2-Sitzer als echter Allrounder durch: Lässiges Cruisen ist dem 407 PS starken Cabrio ebenso auf den eleganten Leib geschneidert wie stilvolles Kilometerfressen.

Bisher war die Automobilwelt vergleichsweise einfach. Wenn ein Hersteller ein neues Modell auf den Markt brachte, galt stets folgende Reihenfolge: Erst Limousine und Kombi, dann Coupé, dann vielleicht noch ein Cabriolet. Ein fast schon ehernes Gefüge, das BMW mit dem neuen 6er nun durcheinanderbringt. Zwar schürten die Münchener auf dem Pariser Automobilsalon im September vergangenen Jahres gleichfalls mit dem Coupé das Verlangen nach der neuen Oberklasse. In den Verkaufsräumen macht nun aber der 6er ohne festes Dach den Anfang - pünktlich zum Frühjahr halt. Der geschlossene Zweitürer folgt im Herbst, eine auf dem BMW Gran Coupé Concept basierende viertürige Variante, der Insider die gelungensten Proportionen zuschreiben, im kommenden Jahr.

Designer bleiben dem 6er-Stil treu

Dabei lässt eigentlich schon die Statur des BMW 650i Cabriolets keine Wünsche offen. Dem von den Kunden geliebten, weil mit einer elektrisch versenkbaren Heckscheibe versehenen Finnenverdeck blieben die Bayern ebenso treu wie der charakteristischen langen Nase. Der nunmehr gänzlich eben gehaltene Heckdeckel soll - glaubt man den Designern - an das Deck edler Boote erinnern. Auch wenn derlei vielleicht etwas weit hergeholt sein mag: In Sachen Wertigkeit setzt das neue BMW 650i Cabriolet tatsächlich Maßstäbe. Die serienmäßigen Sitze mit integrierter Gurtführung sind üppig gepolstert und bequem, der große Flachbildschirm frei von Reflexionen und schmuck anzusehen. Ein eleganter Schwung auf der partiell mit Leder bezogenen Mittelkonsole unterstreicht die für BMW-Modelle typische Fahrerorientierung des Cockpits.
 
Jenes mutet in den in Südafrika bereitgestellten, rechtsgelenkten Cabrios noch eine Spur breiter an, als es ohnehin schon ist. Dies liegt auch und vor allem an dem Umstand, dass bei den Rechtslenkern nicht alle Bauteile mit der Lenksäule umziehen. So bleiben beispielsweise im BMW 650i Cabriolet sowohl das Radio als auch der iDrive-Knopf auf der Mittelkonsole an ihrem angestammten Platz und rücken damit ein gutes Stück aus der idealen Griffweite des Näherliegendes gewohnten Fahrers heraus. Gleichzeitig eckt der gewöhnlich frei bewegliche rechte Arm des Festlandseuropäers immer wieder an. Dabei geht es in dem zwar als 2+2-Sitzer firmierenden, vier Personen aber ausreichend Raum bietenden Oberklasse-Cabriolet streng genommen nirgendwo eng zu. Was bei 4,89 Meter Länge und knapp 1,90 Meter Breite des BMW 650i Cabriolet wohl auch nicht verwundern sollte. Ergo gemahnt der BMW 6er sowohl in seinen Abmessungen als auch in Bezug auf die Qualitätsanmutung eher an die Siebener- als an die Fünfer-Limousine.

4,4-Liter-Biturbo-V8 bewegt zwei Tonnen

Da passt das vom Hersteller mit 1.940 Kilogramm bezifferte Gewicht des BMW 650i Cabriolets ins Bild. Die aufgrund der neuen Vorschriften zum Fußgänger- und Radfahrer-Schutz bedingten Änderungen in der Front (plus 70 Kilo) hinterlassen hier deutlichere Spuren als die aus Aluminium respektive Glasfaser-Verbundstoff gefertigten Bauteile wie Türen, Motorhaube, Federstützen, vordere Seitenwände oder Verdeck- und Gepäckraumklappe. Über eine ungebührliche Trägheit der Masse ist an Bord des Sechser-Topmodells dennoch nicht zu klagen. Dank des in allen Drehzahlbereichen bullig antretenden und perfekt mit der Achtgang-Automatik harmonierenden 4,4-Liter-Biturbo-V8 ist das BMW 650i Cabriolet stets zum munteren Zwischenspurt bereit. Akustisch untermalt von einem markanten, aber nie aufdringlichen Achtzylindersound.
 
Befehlen zum Richtungswechsel folgt das mit einer elektromechanischen Servolenkung ausgestattete, wahlweise aber auch mit Integral Aktivlenkung für die Vorderräder nebst zusätzlicher lenkbarer Hinterachse bestellbare BMW 650i Cabriolet leichtfüßig und akkurat. Die großzügig dimensionierte Bremsanlage mit 374 Millimeter messenden Scheiben vorn verfügt über einen präzisen Druckpunkt und packt verlässlich zu. Sein stattliches Gewicht kann der BMW 6er auf schnell durcheilten, kurvigen Bergab-Passagen freilich nicht verhehlen. Masse schiebt - auch hier. In seinem ureigensten Element ist der bayerische Newcomer aber ohnehin beim genüsslichen Offenfahren. Sehen und Gesehen werden macht im BMW 650i Cabriolet gleichermaßen Spaß. Von einer luftigen Brise umweht bei rundum versenkten Scheiben, mittels Seiten- und hochgefahrener Heckscheibe bis in mittlere Geschwindigkeitsbereiche wohl behütet, oder durch das über den Fondsitzen montierbare Windschott vor widrigen Winden zuverlässig geschützt - Cruisen mit Weitblick hat im BMW 650i Cabriolet viele Facetten.

Luxus-Cabrio mit entsprechendem Preis

Wer vorübergehend Ruhe sucht, findet diese bei geschlossenem Verdeck. Wer den Wind will, die Sonne aber scheut, kann mit Mützchen, jedoch ohne Scheiben reisen. In letztgenanntem Fall geht es allerdings nicht nur vergleichsweise zugig zu - auch der Geräuschpegel im Innenraum ist dann durchaus stattlich. Apropos stattlich: Dass jenes Attribut auch beim Preis Gültigkeit hat, dürfte in Anbetracht der Herkunft und Güte des BMW 650i Cabriolets nicht wundern: Unter 94.300 Euro ist der Einstieg in das Top-Cabrio-Vergnügen bayerischer Provenienz nicht zu haben.

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