BMW M5 V8-Biturbo (F10) im Fahrbericht: Power-Limousine versucht den Spagat

BMW M5

Als traditionell führende Kraft im Segment der großen, starken Sportlimousinen zeigt sich der neue BMW M5 (F10) mit Biturbo-V8 zuvorderst betont seriös und komfortabel - um einen Lidschlag später auf geradezu überwältigende Art die Sau rauszulassen.

Aus heutiger Sicht begann die Karriere des BMW M5 im Jahr 1985 eher bescheiden, nämlich mit einem 3,5 Liter großen, optisch zierlich erscheinenden Reihensechszylinder- Saugmotor. Ihm folgte 1988 eine 3,6-Liter-, vier Jahre später eine 3,8-Liter-Version. Ab dem Modelljahr 1998 ging das Erfolgsmodell mit einem Achtzylinder-Sauger und fünf Liter Hubraum an den Start. Die vorläufige Krönung erfolgte schließlich im Jahr 2004 in Form eines scheinbar direkt aus der Formel 1 abgeleiteten, fünf Liter großen Zehnzylinder-Saugmotors mit 507 PS.
 
Nun backt die fünfte Generation BMW M5 wieder kleinere Brötchen - zumindest bei oberflächlicher Betrachtung: Auf nunmehr 4,4 Liter Hubraum beschränkt, ist es gleichfalls die um zwei auf acht Töpfe reduzierte Zylinderzahl die ein sinnvolles, oder besser: opportunes Downsizing sichtbar werden lässt. Ein vor allem unter Umweltaspekten sinnvolles Unterfangen, zumal sich der Normverbrauch des ersten BMW M5 von 11,3 Liter je 100 Kilometer auf mittlerweile 9,9 Liter beim aktuellen Modell reduziert hat.

BMW M5 mit doppelt soviel Power

Und das, obwohl die Motorleistung nahezu verdoppelt und das maximale Drehmoment gar um exakt 100 Prozent gesteigert wurden: von 340 Newtonmeter beim M5 des Jahres 1985 auf deren 680 beim neuen BMW M5. Der in diesem Zusammenhang zur Anwendung gebrachte Trick heißt „M Twin Power Turbo Technologie mit Twin Scroll Twin Turbo Aufladung“.
 
Er impliziert das Ende eines Kapitels, das die M GmbH einstmals als sehr bedeutsam fürs eigene Haus eingestuft hat und welches in der Folge als BMW-Hochdrehzahlkonzept auch einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad erreicht hat. Die neue Effizienz infolge künstlicher Beatmung drückt sich zuvorderst in der höchsten, jemals in einem BMW M Automobil bereitgestellten Leistung aus.
 
Dabei ist es weniger die absolute Spitzenleistung von 560 PS, als vielmehr das extrem breit nutzbare Drehzahlband, das der von zwei effektiv und platzsparend zwischen den Zylinderbänken untergebrachten Turboladern unter Druck gesetzte Achtzylinder offeriert. Die für einen aufgeladenen Motor auffallend hohe Drehfreude mit Drehzahlen von bis zu 7.200/min auf der einen und die Bereitstellung des maximalen Drehmoment ab niedrigen 1.500/min auf der anderen Seite kennzeichnen einen Motor, der partout keine Gelegenheiten zur Profilierung auslässt.

BMW M5 ist auch Reisetauglich

Nach dem Anlassen, durchs Wohngebiet hindurch und über die Landstraße bis zur nächsten Autobahnauffahrt offenbart der BMW M5 sich als äußerst geschmeidiger, leiser und extrem komfortabler Begleiter. Von der Zornigkeit und partiellen Ruppigkeit des Vorgängers keine Spur. Die Seriosität eines veritablen Luxusliners ist ihm passgenau aufs formschöne Blech geschnitten.

Doch wehe, der Ladedruck erreicht unter dem Befehl des Gasfußes den Zenit. Dann schleudert der mit einem perfekt arbeitenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zusammengespannte Biturbo-Achtzylinder die fast zwei Tonnen schwere Limousine mit solch einem Effekt nach vorn, dass man den Sinn und Zweck von Kopfstützen neu entdeckt.
 
Das grandiose Temperament des Motors trifft nach erster Einschätzung auf ein sehr gewissenhaft vorbereitetes Umfeld, weshalb getrost von einer Erfolg versprechenden Weiterführung des BMW M5-Gedankens ausgegangen werden darf (Hier sehen Sie alle BMW M5-Vorgänger auf dem Nürburgring). Nur eins von vielen Beispielen: Die 400 Millimeter großen Bremsscheiben werden aktuell erstmals von soliden Sechskolben-Festsätteln statt wie bisher von Schwimmsätteln in die Zange genommen. Wenn das kein Zeichen erhöhter Wertschätzung gegenüber sportlicher Betätigung ist, was dann?

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