Brabus-Tesla Roadster: Erste Fahrt mit dem Elektro-Schocker

Es mag noch ein Marketing-Gag sein, aber mit Zukunftschancen. Der von Mercedes-Veredler Brabus modifizierte Tesla Roadster geht als erstes Tuningauto mit Elektroantrieb in die Geschichte ein

Die bittere Pille für alle eingefleischten Drosselklappen-Jünger: Die sportliche Gesinnung des Brabus-Tesla Roadsters ist nicht so einfach unter dessen waffelförmig gesteppten Lederteppich zu kehren. Nicht, wenn der rote Bereich der Antriebseinheit auf der breit gefächerten Skala des Drehzahlmessers erst bei wagemutigen 14.000 Touren beginnt. Auch nicht, wenn eine Leistung von 250 PS auf ein annehmbar schlankes Gewicht von 1.238 Kilogramm trifft. Und erst recht nicht, wenn ein maximales Drehmoment von satten 380 Newtonmeter im Bedarfsfall von jetzt auf gleich in den Nacken der Besatzung springt.

Der US-Roadster aus Kalifornien zeigt bereits vor dem Feinschliff in Bottrop in mehrerlei Hinsicht Flagge: Er bekennt sich natürlich zu Zero Emission. Und angesichts seiner verheißungsvollen Eckdaten glänzt der auf der Lotus Elise basierende E-Renner zweifellos auch mit sportlichen Tugenden. Wenngleich sich die erste Tuningversion eines Elektrosportlers vom Zero Emission-Gedanken tatsächlich wieder etwas löst. Schließlich emittiert der aus Aluminium und Kohlefaser gestaltete Zweisitzer nach dem Brabus-Eingriff zumindest wieder Geräusche. Und zwar sind auf Knopfdruck unter dem Mitteltunnel al gusto diverse Klänge abrufbar.

Keine Leistungs- oder Reichweitensteigerung

Das E-Tuning in den Kinderschuhen bedeutet also zunächst weder einen Zugewinn an Watt noch eine Steigerung der Lithium-Ionen-Spannung. Auch wenn sich Brabus-Chef Bodo Buschmann davon nicht grundsätzlich distanziert: "Natürlich spielen wir mit dem Gedanken einer Leistungssteigerung. Warten wir es ab." Momentan jedenfalls wandelt sich das für Brabus-Fahrzeuge so typische Plus an Hubraum eher in Richtung Weltraum.

Schließlich bildet der Space Sound Generator im Heck der Kohlefaser-Flunder das Tuning-Herzstück und generiert Bohrung mal Hub rein virtuell - über drei Lautsprecher im Heck. Zwei Soundvarianten stehen zur Wahl: V8 und Space. Wer letztere anknipst, aktiviert allerdings einen relativ schrägen Klang aus den Anfängen der Science-Fiction-Ära. Während die Verbrennungstakt-Animation tatsächlich realitätsnahe Züge annimmt.

Jedenfalls im Stand wummert der virtuelle Achtzylinder voluminös und müht sich um eine regelmäßige Zündfolge. Ein stetes Leerlauf-Beben lässt den mit feinstem, extra dünnem und leichtem Leder ausgetäfelten Innenraum erzittern. Der Tritt aufs Gaspedal schnalzt den Hecktriebler dann nicht nur stürmisch davon, sondern sorgt auch für eine bessere Ordnung der virtuellen Verbrennungstakte. Obwohl der V8-Sound beim animierten Drehzahlanstieg an Präsenz und Überzeugungskraft verliert. Es bleibt jedoch eine durchaus überzeugende Art und Weise, in der sich der erste Tuning-Tesla bewegt.

Kein billiger Spaß

Zwar ist er noch ein Einzelstück, aber mit allem an Bord, was die Elektrotuning-Preisliste bereits ausweist - eben jene edle Lederausstattung, Tagfahrlicht, Unterbodenbeleuchtung, Frontspoiler, Lufteinlässe und ein Heckflügelchen aus Kohlefaser, üppig dimensionierte, aber leichte Felgen und ein angemessen abgestimmtes Gewindefahrwerk, das sogar 30 Prozent leichter als die Serienvariante ausfällt. Ein billiger Spaß wird die Elektrifizierung allerdings nicht. Allein die Tesla-Basis kostet 117.800 Euro. Aber bis zum tatsächlichen Ende der Drosselklappe ist es ja noch etwas hin.

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Jochen  Übler

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