Cadillac CTS-V: Markant geschnittene Power-Limousine

Mit dem markant geschnitzten CTS-V setzt Cadillac auf deutsche Tugenden: Eine mit 564 PS grandios motorisierte Power-Limousine, die mit fahrdynamischen Akzenten glänzt - gut genug, um auch auf der Nordschleife zu brillieren.

Angriff ist die beste Verteidigung. Und so nimmt sich General Motors doch tatsächlich die Dreistigkeit heraus, ein urdeutsches Genre ins Visier zu nehmen: die Eroberung der sportlichen Oberklasse. Seit Jahren ein in sich geschlossenes Haifischbecken für potente Dampfer vom Schlage eines Audi RS6, BMW M5 oder Mercedes E63 AMG. Und nun das. Der Cadillac CTS-V stürzt sich mitten hinein in die Phalanx der V10-, Biturbo- und Hubraumriesen. Kastig, kantig, markant - mit Leidenschaft und Engagement versucht der charismatische 1,9-Tonner den Teutonen- Bombern die Stirn zu bieten.

Was ihn mit der Ausdrucksstärke seines großzügig dimensionierten und - natürlich - verchromten Grillgeflechts zunächst zweifellos gelingt. Auch die wulstigen Radhäuser zeugen nicht gerade von einer kleinbürgerlichen Zurückhaltung. Nebelscheinwerfer, Kühlluftschächte für die Bremsanlage mit darunterliegenden Spoilerflaps - Indizien der Sportlichkeit gibt es zuhauf. Nicht zuletzt in Form des dezenten Powerdome auf der extrovertiert aufgebügelten Motorhaube, was keineswegs nur als provokantes Imponiergehabe gilt.

Motor aus der Corvette ZR1

Tatsächlich erfüllt die Erhebung auf der Haube ein nicht unmaßgebliches Mittel zum Zweck. Nämlich um Raum zu schaffen für den darunterliegenden Ladeluftkühler, der wiederum die Spitze des Kompressors bildet, der sich zwischen die beiden Zylinderbänke des 6,2 Liter großen Achtzylinders schmiegt. Hier agiert, wenn auch akustisch zurückhaltend, jener prächtige Motor, der auch in der Corvette ZR1 sein Unwesen treibt . Jedoch mit einer im Gegensatz zum Supersportler reduzierten Leistung - wenn reduziert überhaupt der treffende Ausdruck ist. Schließlich hat der Hecktriebler einen derartigen Bums, dass sich das europäische Establishment für einen zukünftigen Vergleichstest schon mal warm anziehen darf. Angeblich hat der US-Boy den Europa-Rat sogar schon im Sack. John Heinricy, seines Zeichens Entwicklungsingenieur, soll den CTS-V in einer Zeit von 7.59,42 Minuten um die Nordschleife des Nürburgring getrieben haben.

Und das nicht nur, weil der V8 in der Lage ist, den Viertürer längsdynamisch bis 302 km/h zu prügeln. Tatsächlich hat der Cadillac auch querdynamisch einiges auf dem Kasten. Dabei erkauft er sich die Dribblingqualitäten zunächst durch ein straff abgestimmtes Fahrwerk. Zwar arbeiten die Stoßdämpfer mit einem Magnetic-Ride-System, wodurch ein Sport- und auch Tour-Modus wählbar ist. Komfortorientiert spricht die Federung allerdings in keinem der beiden Fälle an.

Direkt Lenkung

Was das Ansprechverhalten der Lenkung betrifft, so verdient dies durch die gebotene Direktheit höchstes Lob. Auch wenn die Lenkkräfte selbst übertrieben leicht ausfallen, so ist der CTS-V dennoch zielgenau auf Kurs zu bringen. Die speziell entwickelten Michelin-Reifen tun ein Übriges, um der Agilität eine überzeugende Schärfe zu verleihen. Leichtfüßig und leicht untersteuernd wuchtet sich das kantige Schlachtschiff also überraschend beherzt um Kurven.

Perfekt gestaltete Recaro-Sitze verhindern dabei, dass die Crew von der Kommandobrücke gleitet. Das Cockpit an sich ist angenehm übersichtlich gestaltet. Auch die gewählten Materialien, bestehend aus wertigen Kunststoffen, gut verarbeitetem Leder und einer Brise Klavierlackoptik, sorgen für ein angenehmes Ambiente. Das manuelle Sechsganggetriebe (Automatik alternativ) arbeitet solide und agiert mit kurzen Schaltwegen. Die Bremsanlage mit Brembo-Komponenten zeigt sich bissig und standfest, erst recht mit den optional erhältlichen, entkoppelten Scheiben. Der CTS-V ist also aus sportlicher Sicht mit allen Wassern gewaschen, um zum Angriff auf die deutsche Bastion zu blasen. Und zudem lockt er ab November auch noch mit einem nahezu unschlagbaren Kampfpreis.

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Jochen  Übler

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