Heutzutage ist es löblicher denn je, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Wo manch anderer die Thematik Sport lieber mit einem grimmigen Zähneknirschen dokumentiert, schaltet Renault erfreulich engagiert einen Gang hoch. Die jüngst aktualisierte Generation des Clio reflektiert erfrischend: Es gilt ein Sowohl als Auch, und das zudem in den unterschiedlichsten Facetten. Eco- und Öko-Ausrichtung einerseits verschließt die sportliche Ader also nicht zwangsläufig.
Der 1,6-Liter-Motor ist aus dem Twingo bekannt
Der überarbeitete Clio weiß ein Lied davon zu singen, zum Beispiel als neue Variante namens GT - immerhin 128 PS stark, rein äußerlich mit einigen peppigen und sportlichen Details gesegnet. Innen fast schon üppig ausgestattet und gerademal 16.300 Euro teuer. Ein flammendes oder sogar loderndes Sportlerherz gibt der vermeintlich kleine, aus dem Twingo bekannte 1,6-Liter-Motor zwar nicht gerade ab. Aber er ebnet als Zwischenstufe schonmal den Weg für die Speerspitzen im Clio-Programm.
Käuferschaft wird in zwei Klassen eingeteilt
Für ein pfiffiges, technisch nahezu identisches Duo, das die Käuferschaft ab sofort in zwei Klassen einteilt. Laut den Marketingstrategen gibt es da die eine, sportlich angehauchte, aber deshalb nicht gleich fahrdynamisch gänzlich durchtriebene Klientel, auf die jetzt der Clio Renault Sport abzielt. Wie von seinem Namensgeber und nahezu baugleichen Vorgänger bekannt, hat der mit einem Preis von nun 22.500 Euro teuerste seiner Zunft so ziemlich alle Annehmlichkeiten der Aufpreisliste mit an Bord.
Inklusive eines Sportfahrwerks, das in der jüngsten Generation jedoch um 15 Prozent softer, also komfortbewusster ausfällt. Von Variante eins für den stylischen Auftritt auf dem Boulevard nun aber hin zu Variante zwei, dem Clio Sport Cup. Das ist der eineiige Zwilling mit identischem Herz, aber deutlich differenzierteren Anlagen. Radikaler, reduzierter - und das nicht nur im Preis.
Clio Renault Sport Cup wiegt 1.244 kg
Für 19.900 Euro übt der Clio Cup sich und seinen Lenker in Verzicht. Eine Klimaanlage und ein HiFi-System gibt es nur gegen Aufpreis. Die Außenspiegel werden manuell betätigt. Der Instrumententräger und die Seitenverkleidungen der Türen schmeicheln in ihrer Hartplastikausführung nur bedingt den Augen und der Haptik, wohl aber der Waage. Denn die vertretbare Reduktion auf das Wesentliche soll gut 35 Kilogramm Gewicht einsparen. Wer wieder etwas aufsatteln will, kann dies mit dem Klang- und Klimapaket (1.300 Euro) optional tun. Querkraft-Junkies investieren die identische Summe besser anderweitig: In die hoch montierten Recaro-Schalensitze, die den Halt der Seriensitze zweifellos noch weiter toppen.
Optionaler Dachflügel aus dem Markenpokal
Um den optischen Auftritt des Clio Cup auch nach außen hin noch weiter zu forcieren, wäre der aus der Rennserie stammende Dachflügel eine Option. Per se und exklusiv outet sich der kernigste aller Clio mit roten Bremssätteln hinter anthrazitfarbenen Felgen.
Dennoch kommt das wahre Ich des Cup erst in Aktion zum Vorschein: Wenn das komplett deaktivierbare ESP die ansonsten spät einsetzenden Fesseln löst und der Fronttriebler zeigen darf, was tatsächlich in ihm steckt - einen erfrischend drehfreudigen und überzeugend umgänglichen Vierzylinder sowie ein um sieben Millimeter abgesenktes, spürbar zugespitztes Fahrwerk und eine direkter ausgelegte Lenkung.
6,9 Sekunden für den 0-100 km/h-Sprint
Es sind die kleinen, überaus feinen Änderungen, die im Clio Cup Schule machen, denen man jedoch erst nach einem eindringlichen Studium auf die Schliche kommt. Und dazu zählt nicht, die nunmehr nominell vier PS mehr bei 150 Umdrehungen weniger zu entschlüsseln. Vielmehr ist es die tatsächlich spürbare, gepflegtere Leistungsentfaltung, die der überarbeitete Vierventiler an den Tag legt.
Zwar bleibt er nach wie vor ein quirliger Drehzahltäter. Aber die Detailarbeit im Zylinderkopf des hinlänglich bekannten, nun wohl ausgereizten Motors zeigt in mehrerlei Hinsicht Wirkung. Auch bezüglich des verbesserten CO2-Ausstoßes und noch plakativer in Hinsicht auf die von 215 auf 224 km/h gestiegene Höchstgeschwindigkeit, was primär der neuen Getriebeabstufung zuzuschreiben ist.
Kompromissloses Cup-Fahrwerk
Die unteren Gänge etwas kürzer, die oberen etwas länger - was tatsächlich prägt, sind die ausreichend exakten und vor allem kurzen Wege des Schalthebels. Knackig eben, wie das gesamte Wesen der Cup-Variante, das sich vor allem in den Charakterzügen des Fahrwerks widerspiegelt. Denn die deutlich verstärkten Feder-Dämpfer-Einheiten kennen beim Kampf mit den Fahrbahnunebenheiten wenig bis gar kein Pardon. Kleinen Wellen wird kurz und trocken der Garaus gemacht. Die Bezeichnung Cup-Fahrwerk ist alles, nur kein Werbe-Gag.
Der 201 PS-Zwerg bringt Spaß
Der radikalste aller Clio trifft absolut ins Schwarze - zumindest wenn dies das Asphaltband der Rennstrecke verkörpert. Auf jenem Terrain lassen sich mit der exakten Lenkung passgenaue Konturen schnippeln, die auch ein Maßschneider nicht besser umsetzen könnte. Das Pedalgefühl und die Verzögerung der Bremsanlage sorgen für ein sicheres Gefühl. Und für die Erkenntnis, dass die Bezeichnung Bremspunkt auch tatsächlich zutrifft.
Sicher und ehrlich entgegnet der Clio Sport Cup auch dem Grenzbereich. Nur ein klein wenig keilt das stämmige Heck bei Lastwechseln aus. Aber der Schwung mit der Hüfte kommt berechenbar und nicht überspitzt. So muss es eben sein, wenn man das eine tut, ohne das andere zu lassen.
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