Die ersten Fahreindrücke der neuen Corvette Coupé 6.2 V8

Aufgefrischte Corvette mit 437 PS zum 55. Geburtstag

Auch in ihrem 55. Lebensjahr ist die Corvette kein bisschen greise. Zum Modelljahr 2008 wurde der US-Sportler nun nochmals überarbeitet.

Je oller, desto doller: Im rüstigen Alter von 55 Jahren rüstet die Corvette fürs neue Modelljahr nochmal tapfer auf. Obgleich die sanfte Pflege rein äußerlich keine großen Früchte trägt und nur mit geschultem Auge zu registrieren ist - wenn überhaupt. Denn das einzige Merkmal des feinen Liftings ist das neue Design der Leichtmetallräder. Fünf filigrane Doppelspeichen in Silber oder Schwarz ersetzen das bislang Bekannte - that’s it. Auch die Dimensionen der vorn 18 Zoll und hinten 19 Zoll großen Walzen bleiben identisch.

6.162 Kubikzentimeter Hubraum

Wer die wahren Errungenschaften der C6 anno 2008 ergründen will, muss also tiefer schürfen. Oder zumindest einen Blick ins Datenblatt riskieren, das wenigstens im Ansatz darüber Aufschluss gibt, was sich unter der Kunststoffhaut getan hat. Schließlich entschlüsselt bereits die neue Bezeichnung des nach wie vor 65.290 Euro teuren Hecktrieblers einen weiteren Teil des Ganzen: Corvette Coupé 6.2 V8. Vorbei also die Zeit der läppischen 5.967 Kubikzentimeter, ab sofort wirft der Smallblock 6.162 Kubikzentimeter in die Schlacht. Doch während sich das gewaltige Volumen aus einer vergrößerten Bohrung nährt, hat der Leistungsanstieg von 404 auf 437 PS noch weitere Gründe.

So kommen beispielsweise neue Kolben, die sich auch vor höheren Drehzahlen nicht scheuen, zum Einsatz. Darüber hinaus tanzen in den überarbeiteten Zylinderköpfen größere Ein- und Auslassventile, befehligt von einem überarbeiteten Ventiltrieb. Und auch der Ansaugtrakt wurde in Nuancen modifiziert. Nun ist der subjektive Eindruck, den eine zehnprozentige Leistungssteigerung - zumal in diesem mächtigen Umfeld - hinterlässt, sicherlich nur schwer bis gar nicht einzuordnen. Dennoch zeigt der Zweiventiler beim ersten Aufeinandertreffen ein spürbar spontaneres Ansprechverhalten - auch schon auf kleinste Gaspedalbefehle.

Sensibler am Gas

Der bullige V8 hängt einfach sensibler und eine gute Spur gieriger am Gas. Er gibt den quirligen Kameraden und nicht mehr nur den bärigen Typen, der sich lediglich auf die Machenschaften seines üppigen Drehmoments verlässt. Der Feinschliff bezüglich der sportlichen Schärfe der C6 ist unverkennbar und reicht noch weiter ins technische Detail.

So entspricht das Getriebe beispielsweise größtenteils dem der Z06. Was zwar bedeutet, dass die Gänge fünf und sechs aus Verbrauchsgründen eine relativ lange Auslegung vermitteln. Andererseits vollzieht der Schaltstummel beim Dribbling durch die Gassen nun angenehm kurze Wege. Knorpelig und teilweise auch etwas widerspenstig ist die Arbeitsweise der Schaltbox aber trotzdem noch.

Ansprechen der Lenkung direkter

Wer‘s eleganter möchte, kann auf die optional angebotene Sechsstufen-Automatik zurückgreifen. Sie bietet einen manuellen Modus via Wippenspiel und bekam ebenfalls einen sportlicheren Touch verpasst. Der doch eher gemütliche Wechsel von einer Stufe zur nächsten ist passé. Nun sortiert der Automat die Übersetzungen angenehm zügig. Zackiger wird’s hingegen bei der Lenkung, die ihre leichte Taubheit um die Mittellage abgelegt hat. Eine neue, steifere Lenkspindel und eine geänderte Kalibrierung geben der Beziehung zwischen Fahrer und Fahrzeug mehr Tiefgang, da das Ansprechen der Lenkung direkter geworden ist. Wodurch der nach wie vor weniger als 1.500 Kilogramm schwere US-Sportler einen nochmals agileren Eindruck hinterlässt.

Daran mag natürlich auch die neue Abstimmung des Fahrwerks nicht ganz schuldlos sein. Schließlich stützen sich die doppelten Dreieckslenker rundum auf etwas straffer ausgelegte Feder- und Dämpfer- Elemente ab. Der Komfort bleibt für einen Sportwagen aber dennoch akzeptabel. Allerdings hat die Summe der Änderungen auch zur Folge, dass die C6 bei auftretenden Spurrillen leicht aus dem Ruder läuft. Es sei ihr verziehen, da die positiven Eindrücke doch deutlich überwiegen.

Zum Beispiel dieser markige Klang, der durch die leicht modifizierte Auspuffanlage noch etwas prägnanter in Erscheinung tritt. Und wer sich an den V8-Fanfaren gar nicht satthören kann, dem sei die optional angebotene Anlage mit Klappensystem ans Herz gelegt. Wie überhaupt der Corvette-Jahrgang 2008 im Zeichen der Individualisierung zu stehen scheint. Schließlich gibt’s zur persönlichen Innenraumgestaltung ein reichhaltiges Angebot an zweifarbigem Leder. Dabei beschränkt sich der mögliche Farbkontrast nicht nur auf die Sitze, sondern lässt sich auch auf die Gestaltung des Instrumententrägers ausweiten. Obwohl dieser so wenig Aufwertung nötig hat wie noch nie.

Denn der serienmäßig verarbeitete Kunststoff für Türverkleidung und Cockpit hinterlässt einen angenehm wertigen Eindruck. Was sich von der Möchtegern-Kohlefaser-Blende auf der Mittelkonsole nicht unbedingt behaupten lässt. Und dass die flauschigen Sitze eines Sportwagens dieser Klasse unwürdig sind, ist auch im Modelljahr 2008 geblieben. Ein wenig Raum für Verbesserung bleibt also noch - aber nicht mehr viel.

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Jochen  Übler

Autor:

SPORT AUTO, Heft 3 / 2008

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