Donkervoort D8 GT: Puristischer Zweisitzer mit Gepäckabteil

Anfang 2007 präsentierte Firmenchef Joop Donkervoort erstmals einen Zweisitzer mit Gepäckabteil und festem Dach. Der 270 PS starke D8 GT soll die Romantik historischer GTs wiederbeleben. Wir fuhren die Straßenversion am Firmensitz in Lelystad.

Knappe 30 lange Jahre lang konnten Fans des holländischen Kleinserienherstellers Donkervoort auf eines vertrauen: Feste Dächer - andernorts wesentlicher Bestandteil des automobilen Glücks - gab es nicht. Mit dem Debüt des D8 GT 270 auf dem Genfer Automobilsalon des Jahres 2007 ist diese Bastion gefallen. Der primär als GT4-Rennfahrzeug konzipierte Hecktriebler überraschte die Fachwelt mit einer aus Kohlefaserverbundstoff gefertigten Kopfbedeckung nebst aufklappbarem Heckfenster. Unter Letztgenanntem verbirgt sich erstmals in der Geschichte so etwas wie ein Kofferraum, der die unproblematische Mitnahme der Fahrerausrüstung oder des kleinen Wochenendgepäcks erlaubt. Sportlich orientierte Donky-Fans können hier zudem an den die Höhe ihres fahrbaren Untersatzes justierenden Schrauben drehen.

Leistungs-Gewichtsrelation von 2,41 Kilogramm pro PS

Geentert wird die ab 101.000 Euro teure 270-PS-Fahrmaschine durch nach vorn oben aufschwenkende Leichtbautüren, die dem Donky im Stand gleichsam Flügel verleihen. Dass dies nach dem Tritt auf das in den dunklen Tiefen des weit nach vorn reichenden Fußraums befindlichen Gaspedals so bleibt, garantiert das nach wie vor beispielhaft niedrige Gesamtgewicht von gerade einmal 650 Kilogramm. Im Verbund mit dem auf 270 PS gepushten, bei Audi inzwischen zu Gunsten der neuen Direkteinspritzer-Generation ausgemusterten 1,8-Liter-Turbo-Triebwerk, ergibt sich auf dem Papier eine überzeugende Leistungs-Gewichtsrelation von 2,41 Kilogramm pro PS.

Möglich wird diese durch den konsequenten Verzicht auf jedwede entbehrliche Extras. Servolenkung, ABS oder gar eine Radio/CD-Kombination sind auch beim jüngsten Donkervoort-Spross nicht an Bord. Für mehr oder minder lautstarke Unterhaltung sorgt der Pilot des 3,80 Meter kurzen Zweisitzers höchstselbst. Ein Teil des von lustvollem Pfeiffen und Prusten untermalten Symphoniekonzerts lässt sich mit Hilfe des Gaspedals komponieren. Den Rest erledigen die vergleichsweise ungefiltert ans Ohr dringenden Fahrgeräusche. Gleichmäßig auf die links und rechts hinter den Insassen befindlichen Radhausabdeckungen trommelnde Steinchen und plötzlich aufklatschender Schlamm bestimmen den Rhythmus der alltäglichen Fahrt im Donky. So gesehen hat sich am grundsätzlichen Charakter des auf dem legendären Lotus Seven basierenden Hardcore-Sportlers nichts geändert. Weichgespült wird anderswo. Donkervoort-Piloten haben und brauchen Nehmerqualitäten.

Der D8 GT macht Lust auf mehr

Dass der D8 GT sich im Grunde seines Herzens nicht wirklich von der offenen Bauweise verabschiedet hat, beweist der Blick aufs Detail: Der Türverschluss mittels einer über den seitlichen Fahrzeugrahmen zu ziehenden Lederlasche nebst Druckknopf mutet so ewig gestrig an wie eh und je und hat zuweilen das ungewollte Aufschwingen des frei beweglichen unteren Türenteils zur Folge. Denn wer bei Wendemanövern oder plötzlichen Richtungswechseln allzu engagiert am Volant dreht, fädelt mit dem linken Ellenbogen halt schon mal unter der Lederlasche ein und löst in der Folge ungewollt den Knopfverschluss. Von derlei Lässlichkeiten und dem erstaunlich groß geratenen Wendekreis des Hardtop-Donkys einmal abgesehen, macht der D8 GT jedoch Lust auf mehr.

Sicher mittels Vierpunktgurten in den mit Leder bezogenen minimalistischen Sitzschalen verwahrt und vom Pfeiffen, Zischen und Prusten des Laders aufs Trefflichste unterhalten, zieht es den nunmehr auf 17- statt 15-Zoll-Rädern rollenden GT-Piloten pfeilschnell gen Horizont. Die Rundumsicht geht trotz der filigran anmutenden Außenspiegel in Ordnung, die vorn mit Sechskolben-Fest-, hinten mit Zweikolben-Schwimmsätteln bestückte Taroxx-Bremsanlage hat den 650-Kilo-Floh allzeit gut im Griff.

Der holländische Purist braucht das passende Terrain

Ein gewisses Maß an Wadenkraft sollten GT-Piloten jedoch mitbringen, weil das Pedal etwas widerwillig anspricht. Inwieweit die vorn wie hinten deutlich breiter gewordene Spur, die modifizierten Radaufhängungen und die größeren, mit sechs Kilo pro Stück sehr leichten Räder des japanischen Herstellers Rays fahrdynamisch positive Wirkung zeigen, ließ sich bei der ersten Ausfahrt in der holländischen Tiefebene hingegen nicht in Erfahrung bringen. Dafür hätte es des dem Donkervoort D8 GT eigentlich zugedachten Terrains gebraucht. Hoffen wir also, dass wir den holländischen Puristen in Hockenheim wieder sehen.

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