Fahrt mit dem umweltfreundlichen Heico-Volvo S80 T6 HPC

Umgerüsteter Schwede läuft mit Bioethanol statt Benzin

Nach seinem Auftritt auf der Sema-Show in Las Vegas macht der mit Bioethanol betriebene Heico-Volvo S80 T6 HPC nun anderweitig von sich reden: bei seiner exklusiven Ausfahrt auf der Nordschleife.

Echtheit ist in diesem Glanz und Gloria zweitrangig. Auf dem alljährlichen Tuning-Highlight in den USA, der Sema-Show, ist Show and Shine die ganze Miete. Wenn schon mindestens 95 Prozent der von den Messe-Schönheiten ausgestellten Oberweiten aus der Retorte stammen, ist es auch mit der Habhaftigkeit der automobilen Preziosen nicht besonders weit her. Meist verschwinden die von Hand angefertigten Einzelstücke nach dem glamourösen Auftritt auf Nimmerwiedersehen in der Versenkung. Der von Volvo-Haustuner Heico Sportiv auf Kiel gelegte S80 T6 High Performance Concept wählt hingegen den konträren Weg. Der letztjährige Sema-Star gibt sich die besondere Ehre, von der Glitzerwelt Nevadas in die harte Realität der Eifel zu wechseln.

Dabei wirkt der Brückenschlag vom Glamour-Strip in die Grüne Hölle zunächst befremdlich. Inmitten der dunklen Schluchten zwischen den Eifelwäldern schneidet sich ein chromatisierter Schwedenstahl seine Schneise. Ein dumpf brummelnder Silversurfer reitet auf den Wogen zwischen Flugplatz, Schwedenkreuz und Hohe Acht. Den Aufräumtrupps nach der 24-Stunden-Schlacht am Ring offenbart sich ein paradoxes Bild.

Der Lack ist eine Sache für sich

Tatsächlich ist der umfangreich modifizierte S80 T6 aber alles andere als ein ungelenker Poser, auch wenn seine Erbauer um einen äußerst pfleglichen Umgang mit ihm flehen. Die siebenschichtige, metallisch anmutende Lackierung sei doch bitte zu hüten wie ein Augapfel.
"Der ganze Lackierprozess hat mehr als zwei Wochen gedauert. Schäden oder Kratzer sind nicht so einfach auszubessern", beschwört Heico-Chef Holger Hedtke. Versprochen: Windschattenduelle oder gar Kiesbettbekanntschaften werden gemieden.

Eitelkeit trifft auf raue Natur, wenngleich sich auch diese Gegensätze anzuziehen scheinen. Zielstrebig stürzt sich der High Performance Concept durch die kurvige Aufgabenstellung in der Hatzenbach. 40 Millimeter kürzere Sportfedern und die darauf abgestimmten Stoßdämpfer drücken die allgegenwärtigen Bodenwellen gekonnt weg. Außen hui und innen hui - das Einzelstück zeigt durchaus technische Größe. Einen turbogeladenen Sechszylinder beispielsweise, der die wuchtige Fuhre mit links die Quiddelbacher Höhe hinauftreibt. Anstatt der ursprünglichen 285 PS schieben nun deren 350 an. Aus den einstigen 400 Newtonmeter ist ein maximales Drehmoment von 520 Nm entwachsen. Und das alles auch noch vermeintlich umweltfreundlich, da sich der in die glänzende Schale gewandete Schwede nun Bioethanol (E85) in die Einspritzdüsen presst.

Es lässt sich also sauber, zügig und standesgemäß reisen, auch durch die Haken im Adenauer Forst. Dank der im Gegensatz zur Serie stärker konturierten vier Einzelsitze, die nunmehr einen vernünftigen Seitenhalt bieten. Hinab in Richtung Metzgesfeld mit dem Ansatz des Gedankens, dass man sich nun auch mal ein Stück chauffieren lassen könnte, anstatt selbst am umgestalteten Automatik-Wählhebel zu werkeln.

Gelungene Symbiose von Show und Sein

Ganz gediegen in der zweiten Reihe versteht sich, wo die Gurte, die Nähte und der Teppichboden farblich mit dem in Mystic Blue fein verlegten Leder verschmelzen. Der Blick streift über die bis in die Rückbank verlängerte, scheinbar frei schwebende Mittelkonsole aus silberner Karbonfaser. Ein kurzer Gedanke noch an die darunter versteckte Steuerung des Rear Seat Entertainment Systems, bevor die kleinen Spoilerflaps der umgestalteten Frontschürze in die Anbremszone für Wehrseifen eindringen.

Der harsche Tritt aufs Bremspedal hat überzeugende Konsequenzen. Die Sechskolbenzangen und die wuchtigen, gelochten Scheiben der vorderen Bremsanlage sind keineswegs nur Blender für die Showbühne. Im Gegensatz allerdings zu den als Einzelanfertigung elegant in die Heckschürze integrierten Endrohren, aus denen ein dumpfes Heulen strömt, als sich der Heico-T6 den Kesselchen-Anstieg hinaufbohrt und sich kurz darauf gekonnt ins Karussell stürzt.

Trotz oder gerade wegen der in Handarbeit modellierten Kotflügelverbreiterungen knarzen die 255 Millimeter breiten Contis auch auf der Betonrüttelpiste nicht in den Radhäusern. Hohe Acht, Wippermann und kurz zum Gruße Brünnchen, zwei kleine Sätze über die Pflanzgarten-Rampen - die Gewichtsersparnis der 9 x 20 Zoll großen Schmiedefelgen scheint spürbar. Die Heckspoilerlippe verlässt den Schwalbenschwanz, das LED-Tagfahrlicht blinzelt der Döttinger Höhe entgegen. Dann ist Schluss, der Beweis erbracht, dass der Heico-S80 HPC beides beherrscht - Show und Sein.

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Jochen  Übler

Autor:

SPORT AUTO, Heft 7 / 2008

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