Erste Fahrt mit dem BMW X6 M

Crossover-Spagat: Sportlichkeit und Komfort

BMW X6 M

Langstreckenkomfort und Rennstreckentauglichkeit - dem BMW X6 M stand die Quadratur des Kreises ins Lastenheft geschrieben. In seiner US-amerikanischen Heimat Giorgia durfte der potente Zweitonner zeigen, ob der im süddeutschen Garching erdachte Crossover-Spagat gelungen ist.

Mit der Globalisierung ist das so eine Sache: Sie wird viel beschworen und ist in weiten Teilen fraglos auch längst Realität, wirklich verinnerlicht haben sie jedoch die wenigsten Menschen. Das erklärt, warum dem muskulösen BMW X6 bei seinem Debüt nicht selten mit Kopfschütteln und Unverständnis begegnet wurde. Derart üppige Abmessungen (4,88 x 1,98 x 1,68 Meter) bei aufgrund der coupéhaften Linienführung vergleichsweise geringem Raumangebot müssen in einem Land, in dem der Freiraum begrenzt, die Parkflächen klein und die Straßen eng sind, befremden.

Flaggschiff der X6-Baureihe mit 555 PS
 
Tatsächlich mutet der wuchtige Crossover-Allradler in deutschen Städten etwas zu präsent an. Understatement sieht anders aus. Dies gilt selbstredend auch und gerade für das nun vorgestellte Flaggschiff der Baureihe, den dank des TwinPower-Turboladers zwischen den Zylinderbänken auf 555 PS erstarkten X6 M. Wuchtige Schürzen mit großen Lufteinlässen vorn und hinten sowie die für M-Fahrzeuge typischen Stilelemente in Form der in die vorderen Kotflügel integrierten Kiemen und der markanten Vierrohr-Auspuffanlage am Heck des Offroad-Coupés unterstreichen die "Hallo-jetzt-komm-ich-Attitüde" des Bajuwaren.
 
Gleiches gilt für den potenten V8-Treibsatz unter der vorderen Motorhaube. Mit 555 PS und 680 Newtonmeter maximalem Drehmoment spielt der BMW X6 M in einer Liga mit dem Porsche Cayenne Turbos, dem Range Rover Sport Supercharged oder dem Audi Q7 V12 TDI. Dabei reklamieren die Weiß-Blauen die besten Effizienzwerte des Wettbewerbsumfeldes für sich. Neben einer wirkungsgradoptimierten Benzindirekteinspritzung sollen die Bremsenergie-Rückgewinnung, die bedarfsgerechte Steuerung der elektrischen Kraftstoffpumpe und des abkoppelbaren Klimakompressors sowie die aus der 7er-Reihe übernommene volumenstromgeregelte Hydraulikversorgung der Wankstabilisierung einen moderaten Umgang mit den fossilen Brennstoffen gewähren.
 
Durchschnittsverbrauch von 13,9 Liter/100 km
 
Das Werk gibt den mittleren Verbrauch nach EU-Norm mit 13,9 Liter an. Dass dieser im Alltag eher theoretischer Natur sein dürfte, versteht sich dabei fast von selbst. Bei ersten Erprobungsrunden auf und um den amerikanischen Racetrack von Road Atlanta legte das charaktervolle Sports Activity Coupé (SAC) jedenfalls einen deutlich größeren Durst an den Tag - was in Anbetracht der am Testtag herrschenden Außentemperaturen von rund 35 Grad Celsius aus menschlicher Sicht jedoch nur verständlich erscheint.
 
Aber zurück zur eigentlich interessanten Frage - der nach der Sporttauglichkeit des imposanten, in Amerika aber keineswegs überdimensioniert wirkenden Offroad-Coupés. Verdient ein 2,4-Tonnen-Schiff den Letter M? Oder hat sich die Garchinger Sportdependance, von der fahrdynamisch aktive Fans sich nichts sehnlicher wünschen als einen Nachfolger des legendären BMW M3 CSL, mit dem X5 und dem X6 M endgültig verstiegen? Fakt ist, dass man sich von einem derart beleibten Automobil, das auch und gerade für flott vorgetragene Überlandflüge konzipiert ist, auf der Rennstrecke keine Wunder erhoffen darf.
 
Turbo-V8-Modell sprintet in 4,7 s auf Tempo 100
 
Fakt ist aber auch, dass der BMW X6 M seine Sache in Road Atlanta weit besser macht, als aufgrund der genannten Rahmenbedingungen zu erwarten stand. Die groß dimensionierte, mit Stahlscheiben versehene Bremsanlage erweist sich der gewichtigen Aufgabe gewachsen und die Mühelosigkeit, mit der der Turbo-V8 den Viersitzer nach vorn katapultiert, überzeugt ebenso wie die hecklastige Auslegung des xDrive-Antriebs. Einzig der via DSC-Taste aktivierbare M Dynamic Mode (MDM) zeigt auf, dass das X5 Coupé aller Leistungsfähigkeit zum Trotz nicht primär für die Rennstrecke erdacht worden ist. Wirklich flott geht es nur bei völligem Verzicht auf die elektronischen Regelsysteme voran.
 
Auch beim von BMW Sport-Automatic getauften Wandlergetriebe führt die Handarbeit per Lenkradwippen on track schneller ans Ziel. Mit Unverständnis muss dem BMW X6 M dennoch nicht begegnet werden. Solange dem starken US-Dickschiff seitens der M GmbH irgendwann auch noch ein kräftiges europäisches Leichtgewicht folgt, sind die Garchinger gemäß dem Motto "das eine tun, ohne das andere zu lassen" sicher auf dem richtigen, weil neue Kundenkreise ansprechenden Weg.

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Anja  Wassertheurer

Autor:

SPORT AUTO, Heft 8 / 2009

Werden BMW X5 M und BMX X6 M die neuen Platzhirsche bei den Sport-SUV?
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