Fahrbericht Maserati GranTurismo MC Stradale: Dank Diätprogramm fällt die 300 km/h-Mauer

Maserati Gran Turismo MC Stradale

Der Maserati GranTurismo MC Stradale wurde auf 450 PS erstarkt und um 110 Kilogramm erleichtert, damit er die 300 km/h-Grenze durchbricht. Zudem schlägt der Sportwagen die Brücke zum Rennsport, wo der GranTurismo MC als Trofeo- und GT4-Rennwagen bereits schnelle Runden dreht.

Die Salami-Taktik - in diesem Fall eine positiv besetzte -, hat bei Maserati Tradition. Wann immer die Italiener ein neues Modell vorstellen, darf dieses mit einer kleinen Portion Mehrleistung aufwarten. Beim 4,93-Meter-Coupé Maserati GranTurismo MC Stradale wurden aus 430 Pferdestärken erst 440 beim Gran Turismo mit S-Kennung, dann 450 beim neuen, nicht nur namentlich an den Kundensport-Rennwagen Trofeo GranTurismo MC angelehnten Topmodell MC Stradale. 20 Newtonmeter mehr Drehmoment sind zudem geboten.

Die 300 km/h-Schallmauer fällt

So gerüstet soll der Straßen- Renner als erster Maserati überhaupt die 300-km/h-Schallmauer brechen. Das Werk verspricht 301 km/h Höchstgeschwindigkeit. Möglich wird dies auch und vor allem durch eine strenge, dem Zweitürer seitens der Entwicklungsabteilung verordneten Diät.

110 Kilogramm hat der Hecktriebler abgespeckt, ohne nennenswert an Komfort einzubüßen. Klimaanlage, CD-Radio und Navigationssystem sind beim Maserati GranTurismo MC Stradale wie selbstverständlich mit an Bord. Wo also sitzen die Stellhebel für das versprochene Plus an Agilität und Lendenkraft? Zum einen selbstredend beim Setup. Das Fahrwerk des Topmodells verfügt über acht Prozent härtere Federn, stärkere Stabilisatoren und wurde vorn um zehn, hinten um zwölf Millimeter abgesenkt.

10 Pferdestärken mehr unter der Motorhaube

Der 4,7-Liter-Saugmotor mobilisiert dank Reibungsoptimierung nunmehr 450 statt ehedem 440 PS und soll zudem 13 Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen. Die Schaltzeiten des über drei verschiedene Programme verfügenden automatisierten Sechsganggetriebes wurden im Race Mode auf 60 Millisekunden verkürzt. Bezüglich der Geschmeidigkeit der Schaltvorgänge reicht der Maserati GranTurismo MC Stradale allerdings nicht an die Verschliffenheit moderner Doppelkupplungsgetriebe heran.

Das Wohlbefinden von Pilot und Beisitzer steigt, wenn Erstgenannter beim Zug am Schaltpaddle leicht das Gaspedal lupft. So wird ungewolltem Kopfnicken sicher entgegengewirkt. Ein Verhalten, das zum kernigen, von einem intensiveren V8- Sound untermalten Charakter des Newcomers passt.

Große Klappe: Maserati brüllt im Race Modus

Im Race Modus gibt es im Maserati GranTurismo MC Stradale aufgrund der dann konstant geöffneten Auspuffklappen nämlich ordentlich was auf die Ohren. Im Sport-Programm reißt das System ab 4.000 Touren das Maul auf, im Automatik-Modus gar nicht. Dann taugt das zum Zweisitzer mutierte Coupé mit der überarbeiteten Aerodynamik zum Cruiser.

Apropos Zweisitzer: Der Feinschliff im Detail allein hätte bei dem stattlichen Italiener noch keinen Sommer gemacht. Zu groß ist die Last, die der Maserati mit sich herumschleppt.Brachte doch der letzte in der Redaktion befindliche GranTurismo S üppige 1.960 Kilo auf die Waage. Ergo waren bei einem in Rennwagen-Nähe positionierten Sportmodell erhebliche Maßnahmen auf der Gewichtsseite gefordert.

Diät macht den Maserati schneller

Gedacht, getan.Über 100 Kilogramm - so das erklärte Entwicklungsziel -, galt es zu eliminieren. Zu diesem Zweck wurden sowohl die rückwärtige Sitzbank entfernt (minus 16 kg) als auch auf die vorderen Komfort-Fauteuils verzichtet. Hier herrschen nun Karbon-Sitzschalen mit deutlich besserem Seitenhalt und einer Durchführung für die im Verbund mit dem verschraubten Käfig optional erhältlichen Vierpunktgurte (minus 26 kg).

Darüber hinaus darf der Maserati GranTurismo MC Stradale nun auf eine Karbon- Keramik-Bremse mit größeren Scheiben (380 mm vorn, 360 mm hinten) nebst Sechskolben- Festsattel vorn vertrauen, was weitere 18 Kilo Gewichtsersparnis bringt. Zeitgleich verspricht der Hersteller einen Bremsweg von 33 Meter aus 100 km/h. Ob warm oder kalt wurde nicht definiert.

Vier Kilogramm kommen auf eine Pferdestärke

So oder so ist das Ansprechverhalten der neuen Stopper nicht Keramik- Bremsen-typisch. Das Pedal gibt sich weicher als bei Hochleistungsbremsen gemeinhin üblich. Aber zurück zur Gewichtsbilanz. Bei der Verkabelung wurden weitere zwei, bei den ansehnlichen 20-Zoll-Alu-Rädern insgesamt fünf Kilogramm eingespart.

Das nachhaltige Entfernen überflüssigen Dämmmaterials schlug mit beachtlichen 25 Kilo zu Buche. Deren sechs brachte der Sportauspuff, zwölf Kilo wurden an der Karosserie gefunden. Ergibt 110 Kilogramm unterm Strich. Im Verbund mit der gestiegenen Motorleistung verbessert sich auch das Leistungsgewicht von ehedem 4,5 kg/PS signifikant. Der Maserati GranTurismo MC Stradale soll laut Werksangabe mit jeder Pferdestärke nurmehr 3,9 Kilogramm in Bewegung setzen müssen. Was das auf der Uhr ausmacht, wird der Test klären.

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