Ferrari F12 Berlinetta, Frontansicht 43 Bilder Video Zoom

Ferrari F12 Berlinetta im Fahrbericht: Traumwagen für den täglichen Gebrauch

Er hat die Gene des legendären Ferrari 250 GTO, verfügt über die Motorleistung eines aktuellen Formel 1-Rennwagens und beweist eine Geschmeidigkeit, die ihn zum umgänglichen Traumwagen für den täglichen Gebrauch macht. Der F12 Berlinetta ist der stärkste Ferrari, der je für die Straße gebaut wurde.

Die Zahlen- und Buchstaben-Codes der Ahnenreihe sind zunächst einmal nichts anderes als Formeln, die bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Man könnte sie aber auch als Zeichen glühender Leidenschaften verstehen. Schließlich gehen sie jedem Ferrari-Fan so geschmeidig von den Lippen, dass das Gegenüber meinen könnte, er hätte mehr als nur die entsprechenden Karten des Autoquartetts in den Händen gehalten (nun, für einige Glückliche mag das ja zutreffen).

Ferrari F12 Berlinetta ist technisch zu 100 Prozent neu

Die Metaphern aus der automobilen Suchtküche in Maranello lauten: 125 S, 375 America, 250 GT Berlinetta, 250 GTO, 275 GTB, 365 GTB 4, 575 Maranello, 599 GTB Fiorano und 599 GTO. Und nun - Ferrari F12 Berlinetta. Technisch zu 100 Prozent neu, aber exakt auf Linie. Mit typischer Silhouette à la Daytona, traditionellem Frontmotor-Layout und einem Motortyp, der für die Ferraristi seit jeher das Maß aller Dinge ist - und, wie Ferrari-CEO Amedeo Felisa verspricht -, auch bleiben wird. Ein mit stattlichem Hubraum gesegneter, optisch wie immer wunderschön aufbereiteter V-Motor mit 65 Grad Bankwinkel und DOHC-Köpfen, der - naturalemente - dem Saugmotorprinzip verpflichtet ist.

Von wegen keine Zukunft ohne Aufladung: Der 6.262 Kubikzentimeter große V12-Motor saugt sich den zur Verbrennung notwendigen Sauerstoff selbst in ausreichenden Mengen über zwei riesige Luftsammler-Systeme mit angeschlossenen Resonanzkörpern in die Brennräume. Was dann folgt, gibt gleichfalls Anlass zum tiefen Durchatmen. Dieses neu konstruierte, dem Ferrari-V12-Prinzip weiterhin verpflichtete Wunderwerk der Mechanik bringt es fertig, die höchste jemals in einem Straßen-Ferrari dargestellte Leistung zu produzieren: 740 PS im Ferrari F12.

Zwölfzylinder-Kraftpaket leistet 740 PS

Ja, das entspricht in etwa dem, was ein aktueller Formel 1-Renner im Strumpf hat. Der V12 liefert die Maximalleistung aber schon bei 8.250 und nicht erst bei 20.000/min. Und er stemmt ein Drehmoment, das jeden F1-Motor mitsamt Getriebe zerreißen würde: 690 Newtonmeter bei 6.000/min. 80 Prozent liegen bereits bei 2.500/min an, bei einer Drehzahl also, die den F1-Motor fast zum Absterben zwingen würde. Die Höchstdrehzahl des nur rund 200 Kilogramm schweren Zwölfenders: 8.750 Touren.

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Wie sich das anfühlt? Nun, im Großen und Ganzen viel unspektakulärer, als es die Zahlen vermuten lassen. Das liegt allerdings nicht an ihrer objektiven Brisanz, oder besser: an dem, was sie im Ergebnis hervorrufen, sondern an einem technischen Umfeld, das in all seinen Belangen in der Lage ist, die Wucht des tief hinter der Vorderachse implantierten V12 meisterlich zu verwerten. Nicht nur der Motor schüttelt im Ferrari F12 Berlinetta die Leistung locker aus dem Ärmel - auch der Fahrer tut dies oft und gerne ...

Ferrari F12 in 8,5 Sekunden auf 200 km/h

Der Sprint auf 100 km/h ist dank bester Traktion und dem vorzüglich arbeitenden Doppelkupplungsgetriebe in 3,1 Sekunden erledigt - sozusagen mit einem Fingerschnippen. Bis 200 km/ sind es gerade einmal 8,5 Sekunden, die der markant gezeichnete, dennoch traditionsreiche Linien zitierende Hecktriebler veranschlagt. Der Sound: überhaupt nicht aufdringlich oder vulgär. Aber eindringlich wie ein Liebeslied. Sämig durch Mark und Bein gehend. So linear Ton und Lautstärke ansteigen, so gleichmäßig zieht es einem den Kopf nach hinten bis zur Kopfstütze.
 
Es scheint kein Halten mehr zu geben - die rote Fuhre legt los wie eine Furie. Aber sie macht keinen Zoff und nervt nicht mit Getue. Seinen professionellen Charakter blendet der Ferrari F12 zu keinem Anlass aus. Die in dieser Dynamik verhafteten Insassen ergeben sich sprachlos in ihren tiefen, belederten Sitzkuhlen und malen sich aus, was denn wohl passieren würde, wenn die 740 PS im öffentlichen Umfeld zu 100 Prozent freigesetzt werden würden. Diese Vorstellung ist ebenso reizend, wie sie Angst macht.

In Fiorano schneller als der Enzo

Ungeachtet der Hoffnung, möglichst immer freie Fahrt zu haben: Der Ferrari F12 will gemäß seiner Natur kein Rennwagen sein. Er ist auch kein kerniger Supersportwagen à la Lamborghini Aventador. Das Gegenstück dazu - der Nachfolger des Ferrari Enzo - erscheint erst im nächsten Jahr. Die Meriten des F12 liegen ungeachtet der gegenüber dem bisherigen Enzo um zwei Sekunden schnelleren Rundenzeit in Fiorano im öffentlichen Gebrauch, also diesseits jedes Rennstrecken-Abenteuers.
 
Als geschliffener, auffällig komfortabler Begleiter scheut er weder den quälenden Stadtverkehr noch zähe Langstreckenetappen, und seien es solche auf schlechtem Geläuf. Und je kurvenreicher die Strecke ist, desto besser. Die Lenkung arbeitet extrem direkt und zielgenau. Ihre Rückmeldungen erzeugen nach etwas Eingewöhnung ein ungemein sattes Gefühl nicht nur für das Auto selbst, sondern auch für die Erfordernisse.

Kein Größen- und Gewichtswachstum

Die von bester Übersicht gekrönte Umgänglichkeit dieses Supersportlers gipfelt in einer Agilität und Handlichkeit, die in dieser Größen- und Leistungsklasse bisher kaum je erlebbar war. Aber was heißt hier groß? Der Ferrari F12 Berlinetta ist 50 Millimeter kürzer, 20 Millimeter schmaler und 60 Millimeter flacher als sein Vorgänger 599 GTB - noch dazu um rund 70 Kilogramm leichter. Wo gibt es das heute noch? Kein Größen- und Gewichtswachstum - und das bei deutlich gesteigerter Fahrdynamik und gewachsenen Ansprüchen in Sachen Sicherheit, Entertainment und Fahrkultur.
 
Als der Ferrari, der laut seiner Erbauer den „mit Abstand größten Fahrspaß“ bietet, geht die F12 Berlinetta auch technologisch stark in Vorlage, wenn auch mit konventionellen Mitteln. Die filigrane Leichtbaustruktur des geräumigen Zweisitzers besteht aus nicht weniger als 12 verschiedenen, nach Festigkeit unterschiedenen Aluminiumsorten. Dieses intelligent zusammengesetzte Chassis lässt nicht die Spur von Instabilität erkennen und wiegt doch nur kaum mehr als 200 Kilogramm.
 
Die grandiose Antriebsseite findet gottseidank eine passende Entsprechnung auf der Soll-Seite: Die zusammen mit Brembo neu entwickelte Keramikbremsanlage setzt dem Vernehmen nach neue Maßstäbe, und zwar nicht nur in der Verzögerungsleistung. Links und rechts in der F12-Front sind Klappen integriert, die ab einer bestimmten Bremsentemperatur einen Belüftungsschacht freigeben, um einem drohenden Hitzestau entgegenzuwirken.

Knapp 270.000 Euro incl. 7 Jahre Wartung

Immerhin: Sechs schnelle Runden in Fiorano konnten der Bremse nichts anhaben - bei einer prognostizierten Vmax von 340 nicht schlecht zu wissen. Aus 200 km/h wird ein Bremsweg von 131 Meter angegeben. Auch das nicht von schlechten Eltern: Die Wartung des knapp 270.000 Euro teuren Ferrari F12 Berlinetta geht generös aufs Haus - für die nächsten sieben Jahre.

Von am 11. April 2013
Heft 09 / 2012
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