Ferrari Novitec: Weißes Eisen

Es riecht verdächtig nach neuer Bestzeit in Hockenheim. Schließlich sind die 707 PS des Novitec Rosso-Ferrari F 430 F1 Race tatsächlich nur ein kleiner Auszug aus dem mannigfaltigen technischen Rüstzeug.

Mit 707 PS durch den Schneeregen

Keiner kann uns nachsagen, wir hätten es nicht versucht. Wir haben der frostigen Witterung getrotzt, uns wegen ungebührender Phonzahl kurzzeitig sogar den Unmut der Verantwortlichen von Hockenheim zugezogen. Geholfen hat es nichts. In diesem Fall war das Glück wohl mit anderen Tüchtigen. Vollzug in Form eines kompletten Tests mit dem Novitec-Ferrari F 430 F1 Race war leider nicht zu vermelden.

Teilweise Schneeregen, ein einziger trockener Tag mit Asphalttemperaturen von fünf Grad Celsius - vorzügliche Gegebenheiten im Umgang mit 707 PS sehen wahrlich anders aus. Nichts war’s mit optimalen Rahmenbedingungen für temperaturhungrige Sportreifen. Die weiße Pracht auf Rädern brachte die gleichfarbige Pracht von oben gleich mit. Was blieb, war der allmorgendliche Anruf in Hockenheim mit der erwünschten Auskunft: "Alla, is trogge, könnt kummä ..."

Also doch auf zum Gefecht. Hinein ins Zentrum des Sturms, in die enge Stube, ausgeschlagen mit weiß vernähtem, schwarzen Leder. Wo allein die eng zupackenden Supersport-Sitze so viel kosten wie ein Kleinwagen, und der Druck auf den Starterknopf die Wände der Tiefgarage auf deren Schallabsorption überprüft.

Hydraulische Höhenverstellung der Front

Mit einem hohlen Aufschrei erwacht der offensichtlich dargereichte V8 zum Leben, schnurrt in seinem Kohlefaserbett entspannt vor sich hin. Die Gleichmäßigkeit des Leerlaufs verrät nichts von den aufwändigen Änderungen rund um die implizierte Bi-Kompressor-Technologie. Nur ein zusätzlicher Taster im Innenraum sticht ins Auge. Und dieser regelt die hydraulische Höhenverstellung der Fahrzeugfront, um den Zusatzspoiler bei größeren Absätzen nicht stumpf auf Grund laufen zu lassen.

Ab 80 km/h senkt sich die Nase automatisch wieder ab, schnüffelt mit Handflächenbreite über den Asphalt. Die flachen, 20 Zoll großen Michelin Cup-Reifen operieren nahezu dämpfungsresistent. Zumindest das Gewindefahrwerk spricht sensibel an, verleiht dem radikalen F 430 ein akzeptables Maß an sportlicher Härte.

Somit schwimmt der weiße Hai mit dem springenden Ross im Wappen weitestgehend gepflegt im Verkehr mit. Auch durch die serienmäßig belassene F1-Schaltung, die beim belanglosen Sich-treibenlassen im Automatikmodus lieber eine Fahrstufe höher zuteilt, als einem gefühlsmäßig lieb ist. Was die durchtriebene V8- Einheit im hinteren Schaukasten ebenfalls ohne Murren hinnimmt.

Der mit bedächtigen 0,48 bar zwangsbeatmete 4,3-Liter-V8 spricht auch diesseits von 2.000 Touren gepflegt an. Kein Rütteln, kein Schütteln - von einer nachträglich adaptierten Kompressortechnik ist auch im Teillastbereich nichts zu spüren. Und auch zu sehen ist leidlich wenig.

Versteckte Kompressortechnik für 47.000 Euro

Dabei hätte das durchdachte System einen Blick hinter die Kulissen seiner Kohlefaservertäfelung verdient. Stellt es doch den stattlichen Teilewert von 47.000 Euro dar. Immerhin wird dafür Kompressortechnik im Doppelpack geboten - für jede Zylinderbank einzeln.

Das ganze Konstrukt beinhaltet die speziellen Lader, vordere Wasserkühler für die in sich geschlossene Einheit zur Ladeluftkühlung sowie einen komplett neu konstruierten Ansaugtrakt inklusive größerer Luftfilterkästen in den hinteren Kotflügeln. Zwei Sportkatalysatoren sind im Preis inbegriffen, während die hoch glänzende Edelstahl-Auspuffanlage mit elektronisch geregelter Klappensteuerung nach einem weiteren Obulus verlangt.

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Jochen  Übler

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