Bericht über die erste Fahrt mit dem neuen Fiat 500 Abarth

Neuer Skorpion: Kultverdächtiger Abarth 500 mit 135 PS

"Mit dem 500 Abarth haben wir einen Joker", behauptet Abarth-Chef Luca de Meo. Die zweite Variante eines Fiat mit dem Skorpion im Emblem sticht tatsächlich - 135 PS stark und absolut kultig.

Karl hätte sicherlich seine Freude an der aktuellen Interpretation des 500 Abarth: klein - was man anno 2008 als klein definiert -, bullig und vor allem sportlich und klanglich bestens sortiert. Genau das Schema, nachdem auch die Ur-Fünfhunderter des Karl, genannt Carlo, Abarth in den Sechzigern um Ruhm und Ehre auf den Rennpisten rannten. Fast 30 Jahre nach dem Tod des gebürtigen Wieners und dem Abtauchen der motorsportlichen Speerspitze von Fiat erlebt der Name Abarth seine Wiedergeburt. Auf den Renn und Rallyepisten und auch auf der Straße ist das Emblem mit dem Skorpion - dem Sternzeichen des Firmengründers - wieder was.

In Form des Grande Punto Abarth, und ab August sticht der Skorpion auch als 500 Abarth. Und zwar mitten ins Herz. Mit einer Coolness und einem kultigen Auftritt, der wie seinerzeit aus den kurzen Überhängen, der knuffigen, leicht gestaucht wirkenden Nase und dem stämmigen Heck resultiert. Unter dem hinteren Rocksaum mit dem angedeuteten Diffusor lugt hervor, mit was sich Abarth einst einen Namen gemacht hat: Nämlich zwei stattliche Endrohre einer Auspuffanlage, die dem Giftzwerg einen kernigen, biestigen Klang verleihen. Die Authentizität ist überzeugend.

Mehr als ein gedopter Fiat

Weil das Thema Abarth nicht nur platt auf einen herkömmlichen Fiat 500 oben draufgepappt, sondern zu Ende gedacht wird. Auch im Innenraum, wo gut geschnittene Sportsitze der Pilotengemeinschaft einen sehr ordentlichen Seitenhalt gewähren, auch wenn die Sitzfläche etwas kurz ausfällt. In der ansonsten akzeptabel wirkenden Plastiklandschaft stechen der Lederschaltknauf und ein dickes, griffiges Lenkrad heraus. Links neben dem gut ablesbaren Kombiinstrument mit integriertem Tacho und Drehzahlmesser turnt ein roter Zeiger zur Dokumentation des Ladedrucks und blinkt eine Schaltanzeige. Im Normalmodus ermuntert diese den Fahrer zum frühzeitigen, Benzin sparenden Hochschalten. Im auf Knopfdruck anwählbaren Sport-Programm leuchtet die Schaltaufforderungen erst kurz vor Erreichen der Maximaldrehzahl von über 6.000 Touren. Zudem wird die Gasannahme nachgeschärft und die Overboostfunktion zur maximalen Leistungsabgabe aktiviert.

Auch die Lenkung wirkt nun angenehm sportlich direkt, während sie im Normal-Modus einen teigigen, synthetischen Eindruck hinterlässt. Ganz und gar nicht teigig präsentiert sich das Fahrwerks-Layout. Kompromisslos wäre zwar zweifellos eine Übertreibung, aber der Kleine federt und dämpft schon ordentlich straff und knackig. Recht so, denn diese Charakteristik passt bestens zur gelungenen Gesamterscheinung und generiert eine launige Fahraktivität. Zackig und direkt lenkt der Fronttriebler ein, bleibt auch in schnellen Kurven absolut spurstabil. Der Grenzbereich kündigt sich mit vertretbarem Schieben über die Vorderachse an. Lastwechselreaktionen sind dem knapp 1.100-Kilo-Spielzeug fremd. Zumal das ESP sowieso immer parat steht, um (wenn auch nicht übertrieben früh) helfend einzugreifen.

Elektronische Sperre an Bord

Eine weitere, durchaus lobenswerte Hilfe ist ebenfalls elektronischer Natur, und zwar die auf Knopfdruck aktivierbare Torque Transfer Control (TTC). Was demnach bedeutet, dass sich der 500 Abarth nicht den Luxus eines mechanischen Sperrdifferenzials gönnt. Vielmehr gebietet der gezielte Bremseneingriff beim Herausbeschleunigen aus der Kurve dem eventuell durchdrehenden Vorderrad Einhalt.

Dies geschieht allerdings wohl dossiert und ohne die Motorleistung zu reduzieren. Der Fahrspaß bleibt also auch in engen Ecken erhalten, und der Schlupf an der Vorderachse im minimalen Rahmen. An Leistung mangelt es nämlich nicht wirklich. Immerhin 206 Newtonmeter maximales Drehmoment und 135 PS mobilisiert der lediglich 1,4 Liter große Turbomotor. Die Art der Kraftentfaltung ist einerseits harmonisch, andererseits scheut sich der kleine Schreihals auch nicht, gierig die 6.000er-Marke zu entern. Unterlegt von einem kernigen, deutlich präsenten Klangteppich. 18.100 Euro kostet der kultige Fahrspaß, der in Deutschland nur bei den bislang 17 auserwählten Händlern zu haben ist.

Und diese haben ab Ende des Jahres noch eine al arrabiata-Mischung im Programm: Eine Tuning- Stufe für den 500er. Das Performance-Kit beinhaltet eine nochmals modifizierte Fahrwerksabstimmung, andere Felgen, gelochte Bremsscheiben und eine Leistungssteigerung auf rund 160 PS. Satte 200 PS hingegen leistet der "Assetto Corse". Die Rennversion des 500 Abarth erlebt ihre Premiere zunächst 2009 in Italien, später auch in anderen Ländern; in einem Markenpokal, der im Rahmen der Ferrari Challenge ausgetragen wird. Karl wäre wohl auch damit zufrieden. Schließlich war ihm der Stich der Skorpione auf der Rennstrecke immer ein ganz besonderes Anliegen.

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Jochen  Übler

Autor:

SPORT AUTO, Heft 8 / 2008

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