Die Begrüßung zwischen Team und unbekanntem Testfahrer fällt etwas unterkühlt und mit zweifelnden Blicken aus. Eine zugegeben logische Verhaltensweise - wer gibt sein Kind schon gern in fremde Hände? Und auch das monströse VLN-Arbeitsgerät trägt einen gehörigen Teil dazu bei, die erste Kontaktaufnahme mit einer guten Portion Demut und Respekt zu vollziehen. Schon die 11 und 13 Zoll breiten Räder nähren den Verdacht, dass eine Leistung von 520 PS bei einem Gewicht von 1.275 Kilogramm wohlwissentlich verwaltet werden will.
Der Verbund von Zusatzflügelchen an der Front, das monumentale Bügelbrett am Horizont des Heckdeckels und der mächtige Diffusor unter den beiden Endrohren geben einen vagen Aufschluss darüber, mit welcher Vehemenz es im Getrag-M3 zur Sache gehen kann. "Am Ende der Döttinger Höhe haben wir 286 km/h gemessen", erläutert Teamchef Michael Bäder. Und Markus Gedlich ergänzt: „Mit wenig Verkehr sind Rundenzeiten von 8.17 Minuten drin.“ Na dann, rein in die gute Stube ...
Brachiale Optik und dennoch lammfromm
Das Cockpit des Getrag-M3 präsentiert sich so, wie es sich für einen BMW gehört: extrem fahrerorientiert. Weil sich die zum Fahren notwendigen Informationen auf ein einziges digitales Display wenige Zentimeter hinter dem Lenkrad und damit einen guten Meter weg von der Frontscheibe konzentrieren. Vom Schalter- und Sicherungsklavier rechts neben dem Mitteltunnel einmal abgesehen.
Sprotzelnd und bebend verschafft sich die V8-Maschine auf Knopfdruck Gehör und injiziert seinem Piloten einen Anflug von Ehrfurcht. Um sodann jedoch in das wohlige Timbre eines gleichmäßig tief grummelnden Leerlaufs zu verfallen - was der Blind-Date-Atmosphäre schon mal die erste Spannung nimmt. Raue Schale, weicher Kern möchte man meinen - denn so extrovertiert der Auftritt auch ausfällt, so handzahm lässt sich der Getrag-M3 zur Ausfahrt animieren. Keine biestig einrückende Kupplung stemmt sich in die Wade, keine unwillige Gasannahme führt zu ungewollten Bocksprüngen. Rundum ein Typ mit guten Manieren.
Ab 5.500 Touren tobt der Bär
Der lange Schaltprügel des sequenziellen Getriebes flutscht wie durch Butter. Und abgesehen von der orchestralen Geräuschkulisse gebärdet sich der V8 so zivilisiert, als könne er kein Wässerchen trüben. Jenseits von 5.500 Touren ist‘s mit dem Schmusekurs allerdings doch vorbei. Dann tobt der Bär mit durchdringendem Gebrüll und bei 8.500 Touren im Vollbesitz seiner Kräfte. 8.750: Schaltdrehzahl. Scheinbar im Sekundentakt verlangt das Display nach einem kurzen Ruck am Schalthebel, um den steten, nachhaltigen und gleichmäßigen Vorwärtsdrang in sechs Akten zu vollziehen.
Und dann wäre da noch eine Bremse wie ein Anker, so gefühlvoll zu treten wie ein Romika-Schuh. Und zudem noch mit den Annehmlichkeiten eines Renn-ABS gesegnet. Ein Renner also mit Manieren und Charakter - im Lauf der Jahre keineswegs gealtert, sondern bestens gereift.







