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GTM Supercar im Fahrbericht: Sportwagenteile neu kombiniert

In den wilden 70ern boomten Kitcars. Heute sind extrovertierte Bausatz-Vehikel selten. Mit dem GTM Supercar rollt ein besonderes US-Exemplar im Münsterland.

Rezept für das individuelle Traumauto

Man nehme das V8-Triebwerk einer Corvette C5, dazu noch ein Porsche-Getriebe und verpacke das Ganze unter einer Silhouette im Ford GT40-Design. Gestatten: Supercar, GTM Supercar. Das Rezept für das individuelle Traumauto klingt einfach: Exklusive Zutaten, ein schnittiger Name mit Supersportwagen-Charakter - und dies als Bausatz zum Schnäppchenpreis von 19.900 US-Dollar. Seit 2002 entwickelt die Sportwagen-Manufaktur Factory Five in Wareham im US-Bundesstaat Massachusetts das sportliche GT-Kitcar. Bisher wurden rund 200 Bausätze verkauft. Nur vier Stück davon rollen fertig montiert auf deutschen Straßen.

Der erste Import-Renner gehört Axel Nüsing. "Ich habe den GTM im Internet entdeckt. Das war Liebe auf den ersten Blick", erzählt der Münsteraner, während er über die silbergrauen, muskulösen Flanken streichelt. Doch vor der ersten Jungfernfahrt mussten 2.000 Einzelteile erst einmal zusammengeschraubt werden. Das war die Aufgabe von GTM Spezialist Shane Vacek, der in einer kleinen Hinterhofwerkstatt in der amerikanischen 1.000-Seelen-Gemeinde Anita (Iowa) die GT-Flundern montiert. So wuchs in 2.000 Stunden Bauzeit ein fahrbereites Unikat zusammen. Mehr als der kryptische Bauplan mit 600 Seiten half dabei die technische Erfahrung des Schraubers. "Von der ersten Mutter an gab es Probleme mit nicht passenden Teilen oder nicht zu Ende durchdachten Details", beschreibt Besitzer Nüsing den schwierigen Aufbau. Allein die Montage der Türen und elektrischen Fensterheber dauerte 200 Stunden.

Der Endpreis ist nicht ohne

Genauso untertrieben wie die vom Hersteller vorhergesagte Bauzeit von 300 Stunden für den kompletten Wagen ist der niedrige Preis für den Bausatz, der ohne Motor, Getriebe und zahlreiche Anbauteile geliefert wird. "Inklusive aller Teile, dem Transport und der Zulassung in Deutschland sind aus den 19.900 Dollar schnell 100.000 Euro geworden." Dafür gab's echte Handarbeit. Über eine geschweißte Rohrrahmen-Konstruktion mit Aluminiumbeplankungen spannt sich eine flache Hülle aus Kunststoff. Dank der GFK Konstruktion wiegt die Karosserie nur 80 Kilogramm. Kaum Handarbeit, aber nicht weniger attraktive Stangenware bietet hingegen die Antriebseinheit.

Die 380 PS haben leichtes Spiel

Hinter der Fahrgastzelle thront längs vor der Hinterachse ein LS1-Stoßstangenmotor aus der Corvette C5. Ansaugtrakt und Abgasanlage wurden ebenfalls aus der fünften Vette-Generation transplantiert. Dank Änderungen am Steuergerät und einem Sportluftfilter kletterte die Leistung von 344 auf 380 PS. Kein Wunder, 380 Pferde zerren lediglich an 1.080 Kilogramm. Dank des asketischen Body-Mass-Index hat der 5,7-Liter-Achtzylinder leichtes Spiel, und der GTM schlägt schon kurz über der Leerlaufgrenze brachial wie ein Knockout-König in der ersten Runde zu. Auch anschließend wird Vortrieb nicht zum Fremdwort.

Für die manuelle Sechsgang-Schaltbox griffen die Entwickler tief ins Porsche-Teileregal und verpflanzten ein G50/20-Getriebe aus den 911-Modellen der Baureihe 993 (ab Modelljahr 1997). Beeindruckender als die hakelige und schwergängige Gassenführung des Getriebes ist der vehemente Vortrieb des Sportlers aus dem Baukasten. Die Leistungsentfaltung bleibt bis zur Drehzahlgrenze von 6.000/min in allen Gängen fast konstant. Ähnlich gleichmäßig entfaltet sich der orchestrale V8-Lärm, den der Mittelmotor wild fauchend direkt hinter dem Rücken der Passagiere abbrennt. So muss sich der GTM nicht verstecken.

Im Gegenteil - mit gläserner Motorabdeckung à la Ferrari und Lambo geizt das US-Kitcar auch optisch nicht mit seinen V8-Reizen. Doch neben dem kraftvollen Corvette-Herz macht auch die stromlinienförmige Karosserieform den hüfthohen Sportler (Höhe 1.080 Millimeter) zu einem talentierten Sprinter. Bei verschiedenen Tests in einem der größten Windkanäle der Welt (auf dem US-Air Force-Stützpunkt Langley in Virginia) feilten die Entwickler an der Aerodynamik.  So soll der GTM in nur 3,5 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und Abtriebswerte von 151 Kilogramm bei 240 km/h erreichen.

Sportwagen-taugliche Balance

Mit seiner ausgewogenen Gewichtsverteilung (40,1/59,9 Prozent), der direkten Lenkung und der straffen, aber nicht zu harten Fahrwerksabstimmung lechzt der Baukasten-Bolide nach der Nordschleife und kurvigen Landstraßen. Obwohl der GTM dicht über dem Asphalt kauert, verdaut er auch ruppigere Bodenwellen erstaunlich komfortabel. Anders als in der C5 verstecken sich unter der Kunststoffhülle des GTM keine querliegenden Kunststoffblattfedern, sondern ein justierbares Wilbers-Fahrwerk (Höhe und Zugstufe verstellbar).

Auch die Brembo-Bremsanlage mit gelochten, rundum innenbelüfteten Scheiben ist gut für den Einsatz auf der Rennstrecke geeignet. ESP und ABS zählen hingegen nicht zum Grenzbereich-Konzept. Während die dynamischen Fahreigenschaften an Großserien-Sportwagen erinnern, kann der US-Renner vor allem im Interieur seinen Baukasten-Charakter nicht verleugnen. Hier fallen freiliegende Rohrrahmenstreben, klapprige Drehregler und ungleiche Spaltmaße auf. Durch eine hakeligen Hardtop-Konstruktion lässt sich das Dach teilweise entfernen. Mit etwas Geduld wird der Ritt im GTM Supercar dann sogar zum Frischluftvergnügen. So wird der Selbstbau-Sportler seinem Namen trotz Ecken und Kanten definitiv gerecht.

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Christian Gebhardt

Foto

Frank Herzog

Datum

12. Dezember 2009
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 10/2008.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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