Im Ferrari 430 Scuderia zum Honda Civic Type-R Cup-Lauf

Der etwas andere Weg zum Nürburgring-Rennen

Ferrari 430 Scuderia

Sommer ist ansich schon schön. Vollkommenes Glück aber erfährt, wer an einem strahlend-heißen Tag in einem Ferrari 430 Scuderia zum Nürburgring galoppieren und dort ein Rennen bestreiten darf. Eine Geschichte vom etwas anderen Weg zum Ziel.

Die deutsche Bevölkerung altert zusehends. Da passt es ins Bild, dass die lieben Kleinen auch auf der Rennstrecke immer seltener werden. Ford hat den auf den schnellen Nachwuchs zielenden Fiesta-Cup bereits eingestellt, Honda wird diesem Beispiel im kommenden Jahr wohl ansatzweise folgen. Der bislang im Rahmen der BF Goodrich Langstreckenmeisterschaft ausgetragene Civic Type-R Cup dürfte in 2010 aller Voraussicht nach im bisher den älteren Honda-Modellen vorbehaltenen Sportpokal aufgehen.

Hochleistungssportler haben in der VLN das Sagen

Gemäß dem Motto "Big is beautiful" haben die gereiften Hochleistungssportler inzwischen auch in der ehedem als Breitensportserie groß gewordenen VLN das Sagen. Porsche ist mit seinen starken Elfern am Ring von jeher eine große Nummer. Audi gibt mit den R8 LMS seit diesem Jahr in der GT3, BMW und Aston Martin mit dem M3 und dem V8 Vantage in der seriennahen GT4-Klasse Gas. Die Münchener präsentieren dem Ring-Publikum zudem ihren brandneuen, nach GT2-Reglement aufgebauten Renn-M3.

Beim ADAC-24h-Rennen sind die Klassen mit unter zwei Liter Hubraum bereits Geschichte. Der Transfer des 2009 erstmals angewandten Reglements in die Langstreckenmeisterschaft wird noch diskutiert. So gesehen scheint Downsizing und PS-Verzicht derzeit allenfalls auf öffentlichen Straßen und für "Otto Normalfahrer" ein nennenswertes Thema zu sein. Und selbst dort sorgen - seien wir abseits aller politisch korrekten Überlegungen einmal realistisch - inzwischen auch und besonders jene Sportwagen für Furore, die geradewegs dem Fahrerlager respektive der Pit-Lane entsprungen zu sein scheinen.
 
Anreise im 510 PS starken Ferrari 430 Scuderia
 
So zum Beispiel der Ferrari 430 Scuderia. Ein paar Eckdaten gefällig? 510 PS aus 4,3, auf acht Zylinder verteilte Liter Hubraum, innenbelüftete und gelochte Keramik-Bremsscheiben rundum, Pirelli P Zero Corsa Semislicks und schlanke 1.400 Kilo Lebendgewicht. Eine beeindruckende Faktenlage - und doch nur die halbe Wahrheit. Wer das Begeisterungspotenzial des sportlichsten, bis zu 320 km/h schnellen Ferrari Mittelmotorcoupés zur Gänze erfassen will, muss den Italiener sehen, spüren, hören - muss ihn fahren. Am besten natürlich auf dem abgesperrten Terrain einer Rennstrecke. Das wäre naheliegend.
 
Oder aber - so die nicht uncharmante Alternative - auf dem Weg dorthin. Wenn dann noch Sommer ist, das fast schon subtropische Klima eher italienisch denn deutsch, die Rennstrecke in der Eifel liegt, weltberühmt ist und dort ein auf Racer getrimmter Honda Civic Type-R in Cup-Spezifikation auf die Scuderia-Pilotin wartet, ist das Szenario für die Geschichte vom Reisen, Träumen und Rasen perfekt.
 
Vorhang auf für die erste Begegnung mit dem rassigen Italo-Sportler. Ort: eine Anliegerstraße in einer südlichen Halbhöhenlage der schwäbischen Landeshauptstadt Stuttgart. Handelnde Personen: eine nicht mehr ganz junge Mutter mit einem lautstark staunenden jungen Mann von sieben Jahren: "Wow - das ist ja ein Rennwagen. Der ist supercool!" Das Rennen um die Gunst des Sohnemanns ist an diesem Tag vom Stand weg gewonnen. Um den leichten Sieg nicht zu gefährden, steht nach dem Einladen des Rennequipments noch eine kurze Runde um den Block an, dann geht es los - Ziel: Nürburgring Nordschleife.
 
Sicher festgezurrt in vom Ferrari-Wappen gezierten Vierpunktgurten wird dem neuen heißen Flirt erst einmal mit gebührendem Respekt begegnet. Wer weiß schon, was einem Südländer so alles einfällt, wenn er beeindrucken will. Diesem gar nichts. Wahrscheinlich weil er‘s nicht nötig hat - bei dem Aussehen. Dem Ferrari 430 Scuderia folgen auch dann begeisterte Blicke, wenn er nur so dahinbummelt. Was er - man glaubt es kaum - tatsächlich kann. Federungskomfort, Dämpfung, Ergonomie - alles da und alles gut. Dazu aber eben auch dies: sportlich-straff gepolsterte, eher auf athletische denn adipöse Figuren zugeschnittene Sportsitzschalen, ein aufs Wesentliche beschränktes Cockpit und eine Stimme, die dem Piloten und umstehenden Passanten gleichermaßen den Atem raubt.
 
Also Schluss mit dem Gebummel. Wo Ortschaften oder Geschwindigkeitsbegrenzungen enden, herrscht Sucht. Die Sucht nach ungezügelten, von hochfrequentem, an Rennwagen reinsten Wassers gemahnendem V8-Geschrei untermalten Drehzahlorgien. Dazu das metallische Klacken des die sechs Gänge im Race-Modus gnadenlos reinpfeffernden F1-Getriebes und das bei Bedarf überaus bissige Temperament der Keramik-Bremsanlage. Nichts da gemütliche Überlandfahrt: "Ich geb Gas. Ich geb Gas. Ich will Spaß, ich will Spaß!" Da sage noch einer, der gute alte Markus habe nicht gewusst wovon er singt. Doch dann die Ernüchterung. Das Ende eines Sommerwachtraums.
 
Der ungezügelte Spaß hat auch ein Ende
 
Bei der Ankunft im VLN-Fahrerlager regnet es. Junge Hunde. Vorbei ist‘s mit dem ungezügelten Spaß. Bei Regen ist selbst im "nur" 220 PS starken Civic Type-R Umsicht gefragt. Die Nordschleife verzeiht keine Fehler, auch mit Frontantrieb nicht. Dabei hatten wir uns so viel vorgenommen, der rote Renner und ich. Zeigen wollten wir es ihnen - den Großen und dem großen Gelben mit den schwarzen Streifen. Zeigen, dass wir Kleinen auch einiges draufhaben. Weil wir nicht von gestern sind, und weil es Nachwuchs braucht in diesem Land - immer noch und mehr denn je.

Der letzte VLN-Lauf der Saison 2009 findet am Samstag, den 31.10.2009 statt.

VLN-Termine 2009
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